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Veranstaltungen: Dokumentation

28.10.2003

Ein schönes Konzept allein reicht nicht!

Politische Bildung für Kinder ist eine besondere Herausforderung – insbesondere wenn diese im Internet stattfindet

Nach dem Umzug öffnete die Bundeszentrale für politische Bildung nun ihre Türen. Am 17. Oktober konnten unsere neuen Räumlichkeiten von allen bewundert werden. Im Rahmen dieses Events führten wir einige Interviews, die Sie hier finden.

Sabine Berthold ist Referentin im Fachbereich Multimedia der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Unter anderem ist sie verantwortliche für die Idee und das Konzept von HanisauLand.de, der bpb-Internetseite der politischen Bildung für Kinder.

bpb: Warum gibt es politische Bildung für Kinder und Jugendliche?

Berthold: Auch Kinder werden in ihrem Alltag ständig mit "großer" Politik konfrontiert, ob sie wollen oder nicht: über Zeitungen, Radio und Fernsehen oder über Gespräche, die sie hören. Aber die komplexen politischen Zusammenhänge können sie nur schwer begreifen. Deshalb wollten wir ein Angebot entwickeln, das zum einen Spaß an Politik vermittelt und zum anderen Hintergrundwissen bereithält.

bpb: Was ist das Besondere an politischer Bildung für Kinder und Jugendliche?

Berthold: Wir haben festgestellt, dass es auf dem "politischen Bildungsmarkt" wenige Angebote für Kinder gibt. In Kinder-Lexika werden unter anderem auch politische Begriffe erklärt, doch es geht überwiegend um andere allgemeine Themen. Auch im Internet gab es zum Startzeitpunkt unserer Seite keine systematischen Angebote zum Thema Politik für Kinder der Altersgruppe 6 bis 12 Jahre. Dies galt ja lange Zeit auch für den Fernseh- und Hörfunkbereich. Mit Angeboten wie Logo und Lillipuz hat sich das geändert.

Wir wollten Basisangebote entwickeln, die nicht der Aktualität unterworfen sind. Aber die Kernfrage war: Wie erreicht man die Zielgruppe? Ein schönes Konzept allein reicht nicht. Zum einen haben wir uns an Expertinnen und Experten gewandt, die schon viel mit Kindern gearbeitet haben. Ein Vorbild war die "Sendung mit der Maus", und so kamen wir schnell auf den Autor Peter Brandt. Zum anderen haben wir Statistiken zur Hand genommen: Was machen Kinder gerne und wo können wir sie "packen"?

bpb: Und?

Berthold: Zum einen haben wir festgestellt, dass Kinder Comics lieben und dass sie sich gerne im Internet tummeln – auch wenn es pädagogisch umstritten ist, wie lange und ob man Kinder überhaupt allein ins Netz lassen soll. Aber es ist eine Tatsache, dass viele Kinder gerade ab dem Alter von acht, neun und zehn Jahren im Internet surfen – mehrmals wöchentlich, auch über mehrere Stunden. Dem muss man Rechnung tragen. Uns kam es darauf an, den nicht-kommerziellen Bereich im Netz zu stärken und damit auch einen Beitrag zum positiven Jugendschutz zu leisten. Umgesetzt haben wir das mit einem Online-Comic.

bpb: Und so ist "HanisauLand.de" entstanden?

Berthold: Ja. Wir wollten einen Comic machen und dazu eine ganze Welt kreieren. So entstand "HanisauLand.de". In diese Welt haben wir Fragen eingebaut, die uns als politischen Bildnerinnen und Bildnern relevant erscheinen, die aber pädagogisch unaufdringlich sind. Wir wollen die Kinder nicht sofort damit überfallen, dass sie etwas lernen sollen. Es ist besser, ihr Interesse zu wecken und auf ihre Fragen zu warten. Die erste Begegnung mit Kindern sind hier also nicht Lernprozesse, sondern ist der Spaß. In einem zweiten Schritt widmen wir uns dem Lernen. Zu "HanisauLand.de" gibt es jetzt auch didaktisches Begleitmaterial, und wir hoffen auf die Begleitung im Unterricht und natürlich auch durch Eltern und Familie. Wir sehen "HanisauLand.de" als ein cross-mediales Angebot und setzen nicht allein auf das Internet.

bpb: Kann "HanisauLand.de" den sinnvollen Umgang mit dem Internet vermitteln?

Berthold: Ich würde den Anspruch nicht zu hoch hängen wollen. Wir gestalten die Seite mediengerecht, das heißt unter anderem interaktiv und mit Verweisen auf gute weitere Kinderseiten, beispielsweise auch auf Seiten, die sich gerade dieser Frage schwerpunktmäßig widmen, wie www.internet-abc.de. Wir bauen die Seite gemeinsam mit den Kindern auf. Es gab eine starke Resonanz beim Lexikon, wo die Kinder eigene Begriffe vorschlagen können. Aber große Mitmachaktionen für Kinder im Netz funktionieren nicht. Kinder wollen im Netz spielen, kommunizieren und neugierig mit der "Maus" agieren, sich eben mal dieses, mal jenes angucken. Aber sie werden selten aktiv, um beispielsweise eine Geschichte zu schreiben – eine Erfahrung, die andere Kinderseiten-Macher bestätigen. Wenn man etwa einen Schreibwettbewerb veranstalten will, braucht man eine andere Ansprache, nicht nur über das Netz. Da muss es dann cross-medial weitergehen.

bpb: Wie finden denn Erwachsene Themen für Kinder?

Berthold: Das überlegen wir uns nicht am Schreibtisch. Wir wenden uns an Leute, die näher an den Kindern sind als wir – etwa die Kinderbuchautoren Peter Brandt, Stefan Eling und Udo Steinmetz, die seit vielen Jahren Formate für Kinder entwickeln.

bpb: Kanzlerin Bärbel kommt ja manchmal auch aus dem Netz heraus...

Berthold: Die Idee, Bärbel Breitfuß als Puppe durch die Lande ziehen zu lassen, kam uns anlässlich der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der bpb. Damals haben wir einen Truck durch Deutschland geschickt und wollten dafür auch ein Kinderprogramm zusammenstellen. Und seither gibt es immer mal wieder Anfragen. So war Bärbel beim Präsentationstag von "Stiftung Lesen" und Coca-Cola in Berlin oder beim Tag der Offenen Tür im Bundesinnenministerium in Berlin oder jetzt bei unserem eigenen Tag der offenen Tür mit einem eigenen Programm und auch in der Kinderkrebsstation der Universitätsklinik Bonn. Begleitet wurde Bärbel von Christoph Biemann von der "Sendung mit der Maus". Da die Kinder auf der Station zum Teil so krank sind, dass sie nicht aufstehen und ins Spielzimmer gehen können, fand eine kleine Vorführung mit Bärbel am Bett statt.

bpb: Welche Fragen musste Bärbel beantworten?

Berthold: Bärbel ist ja noch nicht so bekannt. Christoph erklärt dann, wer sie ist und wo sie lebt, dass sie aus dem Internet kommt und man sie dort besuchen kann und dass sie ziemliche Probleme bei der Ausübung ihres Jobs hat und Hilfe gebrauchen kann. Es kommt aber auch regelmäßig die Frage an Christoph: Warum hast Du immer dieses grüne Sweatshirt an?

Interview: Sonja Ernst und Nicole Maschler


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