Veranstaltungen: Dokumentation

Bilingualer Politikunterricht - die Sprach-Inhaltsproblematik im Horizont der politischen Bildung

11.2.2003
Kann das Ziel politischer Bildung nach den vorliegenden Erfahrungen mit dieser Unterrichtsform auch im bilingualen Politikunterricht erreicht werden?

Stephan Breidbach

In meinem Beitrag möchte ich die Frage aufwerfen, ob das Ziel politischer Bildung nach den vorliegenden Erfahrungen mit dieser Unterrichtsform auch im bilingualen Politikunterricht erreichbar erscheinen kann.

Methodisch gliedert sich mein Beitrag in drei Abschnitte. Dabei möchte ich anhand von drei Leitfragen diskutieren, wie sich didaktische Anforderungen an den Politikunterricht in dessen bilingualer Variante fassen und realisieren lassen:
  1. Legt die Wahl der Arbeitssprache (z.B. Englisch) eine eingeschränkte Auswahl von Gegenständen und Themen nahe und eine kontrastive Perspektive fest?

  2. Stellt Spracharbeit im Politikunterricht eine Zeitverschwendung dar, indem man sich mit Problemen anderer Unterrichtsfächer, z.B. des Fremdsprachenunterrichts befasst?

  3. Behindert die fremde Arbeitssprache die Unterrichtskommunikation eventuell in einem Maße, dass nicht mehr sinnvoll von politischer Bildung gesprochen werden kann?
Zu Beginn eines jeden Abschnitts soll ein kurzes Unterrichtsdokument stehen. Anhand dessen möchte ich jeweils eine der genannten Leitfragen als Schwerpunkt durcharbeiten. Zwar umschreiben diese Fragen einen Gesamtzusammenhang bilingualer Politikdidaktik, der sich kaum isoliert betrachten lässt. Die Aufspaltung des Zusammenhangs von Sprache und Gegenstand/Inhalt versteht sich darum als eine analytische, die aus methodischen Gründen erfolgt. Am Ende eines jeden Abschnitts werde ich eine thesenartige Antwort auf die Leitfrage versuchen.

Der thematisch-inhaltliche Bogen meines Beitrags spannt sich über die drei erwähnten Abschnitte in etwa wie folgt:

Für den bilingualen Unterricht wird insgesamt eine starke "interkulturelle" Perspektive reklamiert. Dies gilt auch für den bilingualen Politikunterricht, was zuweilen in einer thematischen Orientierung auf die Sprachgemeinschaften der jeweiligen Arbeitssprache sowie methodischen Bevorzugung einer vergleichenden Perspektive resultiert. Die kontrastive Perspektive ist in der Tat ein plausibler, jedoch nicht der einzig vorstellbare thematische Zugang zu Fragen der politischen Bildung. So lassen sich selbst Themen "einheimischer" Natur mit Gewinn im bilingualen Sachfachunterricht behandeln.

Kategoriale Fachdidaktik hat eine Bindung an Sprache, jedoch nicht über die "Natur" des Gegenstandes, sondern über die Funktion der Sprache, Wirklichkeit zu gestalten und Bedeutungen zu erzeugen. In diesem Sinne ist gezielte Spracharbeit, die in ihrer aus dem Fremdsprachenunterricht berüchtigten, formenorientierten Variante von vielen Lehrerinnen und Lehrern zurecht abgelehnt wird, ein wichtiges Instrument zur reflexiven Gestaltung des Politikunterrichts.

Dies möchte ich verdeutlichen, indem ich auf die "Sprachlichkeit" des Politikunterrichts im Anschluss an Tilman Grammes Modell der Wissensformen (Kommunikative Fachdidaktik, Opladen, 1998, 70ff.) eingehe. Bilingualer Politikunterricht kann durch bewusstmachendes Handeln mit Sprache darauf hinwirken, die den Wissensformen eigenen Sprechmodi zu reflektieren und für die Schüler/innen verfügbar zu machen und ihnen so den Erwerb einer sprachlich-kognitiven Handlungsfähigkeit im Übergang der Diskursformen zu ermöglichen.


 

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