Förderung interkultureller Kompetenz durch Unterricht
Heike Bickmann
"Die Welt liegt zwischen den Menschen, und dieses Zwischen – viel mehr als, wie man häufig meint, die Menschen oder gar der Mensch ist heute Gegenstand der größten Sorge."
(Hannah Arendt)
Der Dalai-Lama hat sicherlich Recht, wenn er sagt, dass Gespräche die Grundlage für ein friedliches Miteinander sind. Kontakte zu anderen Kulturen gehen meist zurück auf lediglich punktuelle Erfahrungen. Selbst da, wo es auf Grund multikultureller Bevölkerungsstrukturen zu intensiveren Begegnungen kommt, entstehen nicht selten einseitige und verzerrte Wahrnehmungsmuster, die Klischees und Vorurteile produzieren. Diese sind dann schwer zu korrigieren.
Samuel Huntington (1993) sprach vom "Kampf der Kulturen", doch den gilt es, meines Erachtens, zu vermeiden. Eher ist der "Dialog der Kulturen" zu fördern oder wie der Bundeskanzler einmal sagte, es gilt einen "Kampf um die Kulturen" zu führen. Eine friedliche Koexistenz der Kulturen bereichert unser Leben und verhindert, dass Gewalt Boden gewinnt oder gar Gegengewalt erzeugt, wie schmerzlich momentan hinsichtlich der nahöstlichen Szenerie zu beobachten ist.
Es geht letztendlich um das Bemühen in internationalen Beziehungen, aber auch auf jeder gesellschaftspolitischer Ebene, Strukturen zu schaffen und zu fördern, die dazu geeignet sind, dass sich Menschen begegnen und in einen Austausch über Vorstellungen, Werte und Ideen treten können. Insgesamt sollte ein kritischer Dialog gefördert werden, der das Zugehen verschiedener Kulturkreise ermöglicht. Ein solcher Dialog gelingt allerdings nur dann, wenn er auf Verständigung aus ist, Spannungen aushält und Verständnisbereitschaft signalisiert. Das Lernen voneinander und miteinander ist dabei das erstrebenswerte Ziel eines interkulturell geprägten Erziehungsmusters.
Gerade im Politikunterricht, wo es darum geht, einen eigenen Standpunkt zu gewinnen und so zu einem kritischen mündigen Bürger zu werden (§2 Nds. Schulgesetz) bedarf es der Förderung von Verständnis für andere, der Fähigkeit, auch den Standpunkt des anderen einnehmen zu können und sich frei zu machen vom reinen Ich-Bezug unter primärem Abwägen des Eigennutzes. Es geht vielmehr um die Vermittlung des Respekts dem anderen gegenüber – um die Wahrung der Menschenrechte.
Kulturelle Vielfalt im Angesicht von Globalisierungstendenzen gestaltet die "eine Welt" bunter und lässt diese nicht zu einem reinen globalen Wirtschaftsmarkt verkommen. Es gilt somit andere Nationen, deren Kulturen und Religionen als Chance zu begreifen und diese Vielfalt zu nutzen, um ein klares Ableiten von Werten, Regeln und gesellschaftlichen Pflichten anzuregen, so dass eine multikulturelle Lebenskultur geschaffen werden kann. Im täglichen Miteinander, im Lebensraum Schule, sollten wir alles tun, um Toleranz zu fördern. Der andere darf nicht zum Verlierer werden, wenn wir den Dialog fördern wollen. Dieses ist jedoch ein sehr schwieriger Prozess. Da nur im Erfahrungsaustausch und in einer ständigen Reflexion eigener Traditionen Toleranz geschult werden kann. Häufig behindert dabei das unbewusste Infragestellen jeweils andersartiger Traditionen, Lebensarten dieses Erfahrungslernen. Doch nur das Bewusstmachen und Erkennen von Differenzen in den eigenen Verhaltensmustern und des anderen fördert ein Klima der Verständigung und regt zu Kritikfähigkeit an. Die so herauskristallisierbare Unterscheidungsfähigkeit von toleranter und intoleranter Verhaltensformen ist Basis für das verantwortungsbewusste Umgehen mit anderen, anderen Kulturen, ganz im Sinne unseres Grundgesetzes, das die Würde des Menschen für "unantastbar" erklärt.
Ein Dialog der Kulturen ist nicht nur eine abstrakte, internationale Aufgabe. Es muss hier und heute allgemeingültiges Unterrichtsprinzip sein, gerade im Politikunterricht. Veränderungen im Miteinander bedürfen kontinuierlicher Überzeugungsarbeit in einer Schule der multikulturellen Partnerschaft - Was kann man dafür tun?
- Möglichkeiten der kulturellen Begegnungen schaffen und Dialogfähigkeit fördern.
- Sensibilisieren für eine sinnvolle Lebensgestaltung und das Lernen für ein solidarisches Zusammenleben in kleinen und großen Gemeinschaften.
- Kenntnisse des "Anderen" vermitteln unter Nutzung neuer Medien, um sich ein möglichst genaues und authentisches Bild zu verschaffen.
- Probleme der Gegenseite hören, Parolen hinterfragen.
- Sich auftretenden Konflikten stellen und sich nicht entmutigen lassen.
- Widersprüche und kommunikative Defizite abbauen durch ein verbindlich offenes und ohne falsche Rücksicht geprägtes Gesprächs- und Lernklima.
- Entdecken des Reichtums der Kulturen, die bei uns zu Hause sind: Musik, Essen, Feste...
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