Betriebsnahe Bildungsarbeit und moralisches Lernen
Das Projekt "Heimat" – ein Konzept antirassistischer Pädagogik für Auszubildende bzw. Schülerinnen und Schüler an berufsbildenden Schulen
Politische Bildung zum Problemfeld "Rechtsextremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit" hat bisher gerade die Zielgruppe ausgeklammert, die das soziale Zentrum der Problematik bildet: Berufsschüler und junge Arbeiter. Diese Beschränkung ist nicht zufällig, sondern Ergebnis einer konzeptionellen Grenze: Auf den Bereich individueller Reproduktion - peer groups, Freizeit, Wohnviertel und Familie - konzentriert, vergisst die anti-rassistische Pädagogik gerade die Lebenssphäre, die für junge Arbeiter zentrale Bedeutung hat: die Welt der Arbeit.
Wer diese Grenze überwinden will, kann sich nicht auf die Ebene politischer Einstellungen beschränken. Denn die Entwicklung politischer Einstellungen ist eingebettet in die Prozesse beruflicher Sozialisation. Der Lebensabschnitt "Ausbildung" stellt die Jugendlichen vor neue Anforderungen und Zwänge. Mit der Aneignung beruflicher Qualifikationen wachsen Jugendliche auch in die Werte und Normen der Arbeit hinein. Dieser Lernprozess aber wird zunehmend problematisch: Traditionelle Werte und Tugenden des Arbeiters – Härte, die Verleugnung des Körpers, Männlichkeit etc. – verlieren ihre Funktion. Die alten Berufsbilder lösen sich auf. Die Subjekte erleben diese Prozesse aber noch in den tradierten Identitätsmodellen. Als regressive Bewältigungsform dieser existentiellen Widersprüche bieten sich Xenophobie und Rechtsextremismus an.
Das Projekt "Heimat" setzt an dieser Problematik an. Es verfolgt einen arbeitsorientierten Ansatz zur pädagogischen Bearbeitung von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Es bietet Auszubildenden einen Ort für die Reflexion der Schlüsselprobleme der beruflichen und politischen Sozialisation. Sie werden über den Zeitraum der Ausbildung hinweg mit einem Seminarprogramm zu den Themenbereichen Arbeitserfahrung, politische Identität und moralisches Lernen begleitet.
Das Projekt trägt zur Entwicklung sozialer Kompetenzen im Beruf bei, fördert die Bereitschaft zu räumlicher und beruflicher Mobilität, entwickelt Handlungsfähigkeit in Konflikten und zielt auf die Entwicklung von Berufsstolz und Stärkung der Berufsethik. Es sollen verständigungsorientierte Kommunikationsformen erprobt und pluralistische Gruppenstrukturen entwickelt werden. So werden moralische und politische Lernprozesse gefördert, die dazu befähigen, Verschiedenheit anzuerkennen und Fremdheit auszuhalten.
Der Workshop stellt das Konzept des Projekts und seine theoretischen Grundlagen zur Diskussion:
- Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft und rechtsextremen bzw, fremdenfeindlichen Einstellungen?
- Welche Chancen birgt ein arbeitsorientierter Ansatz für die politische Bildung?
- Was heißt "moralisches" Lernen? Wie lassen sich moralische Lernprozesse initiieren?
- Welche besonderen Probleme stellen sich der historisch-politischen Bildung bei der Zielgruppe Auszubildende?
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