Veranstaltungen: Dokumentation

Instrumente der Zukunftsgestaltung

Die Methode der Zukunftskonferenz als Beitrag zum Dialog der Kulturen

18.2.2003
Zukunft braucht Dialog! Spätestens seit der UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro wächst die Einsicht, dass die Zukunft unseres Planeten von verantwortungsbewusstem Handeln abhängt.

Oliver Wendenkampf

I. Zukunftsgestaltung

Zukunft braucht Dialog! Spätestens seit der UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro wächst die Einsicht, dass die Zukunft unseres Planeten und die der menschlichen Existenz auf diesem Planeten nur dann gesichert werden kann, wenn wirtschaftliches Agieren im Rahmen des ökologisch Möglichen und sozial Verantwortbaren gedacht und umgesetzt wird. Dabei kommt insbesondere der Frage der sozialen Verantwortung und damit der dialogischen Aushandlung von gesellschaftlichem Handeln eine herausragende Bedeutung zu. Dies gilt für den Dialog innerhalb der jeweiligen Gesellschaften und Ethnien ebenso wie für den Dialog zwischen den Kulturen. Zum Dialog der Kulturen gehört aber auch eine Kultur des Dialogs.

Die bisherigen Erfahrungen mit diesem Dialog haben gezeigt, das herkömmliche Formen der Beteiligung, der Partizipation nur bedingt geeignet sind, einen solchen Dialog zukunftsorientiert zu führen. Erforderlich sind daher neue Formen des gesellschaftlichen Dialoges. Formen, die möglichst alle am jeweiligen Problem beteiligten Interessengruppen ernsthaft und wahrhaftig mit einbeziehen. Die Notwendigkeit, die Schlagworte "Partizipation" und "Nachhaltigkeit" mit Leben zu füllen und die damit verbundenen drängenden Zukunftsaufgaben, setzen einen offenen Diaolog sowie eine Ziel- und Ideenfindung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereiche und Kulturen voraus. Alle müssen sich in diesem Dialog gleichberechtigt zusammen- und wieder- finden.

Zwei Modelle für zukunftsorientierte Dialogverfahren sollen im Workshop vorgestellt werden:
  • die Zukunftswerkstatt
  • die Zukunftskonferenz
II. Die Zukunftswerkstatt

Als Methode bereits seit Mitte der 60er Jahre, v.a. in den USA (später auch in Europa) insbesondere im Zusammenhang mit den sog. Neuen Sozialen Bewegungen eingesetzt, ist die Zukunftswerkstatt eine Methode der "Wiederbelebung des Interesses am Gemeinsamen" (Robert Jungk). Sie bietet ein Forum, in dem sich Menschen gemeinsam bemühen, wünschbare (mögliche, aber auch vorläufig noch unmögliche) Zukünfte zu entwerfen, deren Durchsetzungsmöglichkeiten zu prüfen und letztendlich Wege zur Umsetzung dieser Zukünfte zu entwickeln und zu beschreiten.

Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten der Zukunftswerkstatt so vielfältig wie die Spannbreite möglicher Einsatzgebiete: ob es um die Problemlösung von Organisationsfragen, oder das Entwerfen individueller Lebenspläne geht, um die Entwicklung neuartiger Produkte oder die Belegung von Seminaren und Versammlungen. Überall sind Zukunftswerkstätten einsetzbar und wurden bereits erfolgreich umgesetzt. Das gilt auch für Suche nach neuen Wegen zur Lösung von Konflikten oder dem Interessensausgleich.

Denkbare Zielsetzungen reichen von der Entwicklung gewaltloser Methoden für soziale, politische und wirtschaftliche Veränderungen über die Schaffung entsprechender gesellschaftlicher Institutionen bis hin zur Entwicklung neuer Wert- und Zielsysteme für eine kreative(re) Gesellschaft:

Im Zeitrahmen von 1,5 bis 5 Tagen und eingebunden in ein modulares System von Kritik- (Äußerung von individueller Kritik, Unmut und negativen Erfahrungen), Phantasie- (phantasievolle, "verrückte", träumerische Reaktion auf den geäußerten Unmut, die geäußerte Kritik) und Realisierungsphase (Prüfung der so entstandenen Zukunftsentwürfe auf ihre Machbarkeit und Planung des Weges zur Umsetzung) entsteht in der Zukunftswerkstatt ein (oder mehrere) konkrete und realisierbare Projekte zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft und des Dialogs.

Zukunftswerkstätten können überall dort eingesetzt werden, wo Gruppen mit gleichen Interessen neue Wege zu einem gemeinsamen Ziele entwickeln und beschreiten wollen.

II. Die Zukunftskonferenz

Nicht zu verwechseln mit "Zukunftswerkstätten", sind "Zukunftskonferenzen" Veranstaltungen, in denen das "ganze offene System in einen Raum" gebracht wird. Mehrere, unter Umständen konkurrierende "Anspruchsgruppen" unterschiedlicher Interessenlagen (und das ist einer der grundlegenden Unterschiede zwischen Zukunftswerkstätten und -konferenzen) in einem intensiven dialogischen Gruppenprozess gemeinsame Ziele finden und einen Energieschub für einen umfassenden institutionellen Wandel entwickeln. Als Planungsstrategie für "unklare Probleme ohne Grenzen" helfen Zukunftskonferenzen den beteiligten Gruppen und Personen, die Situation, in der sie sich befinden, besser zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen. Fassbares Ergebnis sind gemeinsam getragene Maßnahmeplanungen von meist unerwartet hoher Zielkohärenz.

Dabei sind Zukunftskonferenzen für größere Gruppen von in der Regel 30 bis 72 Personen (in einem mindestens 250-200 qm großen Raum) geeignet. In ca. 16 Stunden – über 2,5 Tage verteilt – bearbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in mehrfach wechselnden Arbeitsgruppen und von externen ModeratorInnen moderiert, eine vorbereitete Aufgabenfolge entlang eines fünfphasigen Ablaufs (s. Abbildung).

Ablauf einer Zukunftskonferenz

I. Vergangenheit vergegenwärtigen (ca. 5 Std.): Wo kommen wir her?

II. Gegenwart bewerten (2,5-3,5 Std.):
Außen - Welche Entwicklungen kommen auf uns zu?
Innen – Worauf sind wir stolz? Was bedauern wir?

III. Zukunft entwerfen (2,5 -3,5 Std.): Was ist unsere Vision? Was wollen wir erreichen?

IV. Konsens herstellen (2 Std.): Worin stimmen wir überein?

V. Maßnahmen planen (4 Std.): Welche Nahziele und Maßnahmen? Wer was, wo, wann, mit wem ?

Zukunftskonferenzen können überall dort eingesetzt werden, wo Gruppen mit divergierenden Interessen gemeinsame Ziele und eine neue Ebene der Kooperation erreichen wollen.

III. Die Zukunftskonferenz im Dialog der Kulturen

Als Methode der partizipativen Teilhabe an gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen und Instrument zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Interessenslagen, bietet die Zukunftskonferenz ganz besondere Möglichkeiten auch Menschen unterschiedlicher Ethnien und sozialer Herkünfte miteinander in gemeinsamen, konstruktiven Dialog zu bringen und sich jeweils gegenseitig näher kennen zu lernen und bei allen Unterschieden insbesondere das Gemeinsame zu erkennen.

Durch diesen Fokus am Gemeinsamen im Unterschiedlichen wirkt die Zukunftskonferenz als Forum der Veränderung. Aus Fremden (vor der Konferenz) werden Bekannte (nach der Zukunftskonferenz) und auch Freunde.

Im Rahmen des Workshops wird die Methode "Zukunftskonferenz" vorgestellt und einzelne Phasen in praktischen Übungen kurz "angespielt".


 

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