Veranstaltungen: Dokumentation

Bereit für den Frieden?

Chancen und Hindernisse für eine dauerhafte Friedensordnung im Nahen Osten

24.2.2003
Prof. Dr. Moshe Zimmermann über die Chancen und Hindernisse für eine dauerhafte Friedensordnung im Nahen Osten.

Prof. Dr. Moshe Zimmermann

Hindernisse
  1. Die internationale Situation: Nach dem Ende des Kalten Krieges und der bi-polaren Weltordnung entfielen die damit gegebenen Beschränkungen und Interessen, friedensfördernde Impulse jedoch kamen nicht auf.

  2. Die USA interessieren sich in der Ära nach Clinton nur dann für einen Frieden im Nahen Osten, wenn die gesamte regionale Stabilität gefährdet ist. Die gegenseitige Gewalt während der Intifada motiviert die einzig verbliebene Weltmacht nicht zu einem engagierten Handeln.

  3. Seit dem 11. September 2001 bildete sich eine neue Polarität heraus: Terror und Anti-Terror; solange Israel zu den Bekämpfern des Terros gerechnet wird, hat die palästinenische Sache wenig Chancen.

  4. Der "Anti-Terrorkampf" der USA und seine ständig wechselnden Ziele (Afghanistan, Irak u.a.) lenken die Weltöffentlichkeit vom arabisch-israelischen Konflikt ab.

  5. Europa ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt und akzeptiert im wesentlichen die Rolle der USA als einzige Supermacht im Nahen Osten.

  6. Die palästinensische Führung ließ sich in eine Intifada hineindrängen, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Damit wird einem zukünftigen palästinensischen Staat zunehmend die Grundlage entzogen.

  7. Die Radikalisierung der Palästinenser ist langfristig gesehen die Grundlage für eine extreme, anti-israelische und antisemitische Einstellung.

  8. Die israelische Palästina-Politik seit dem Februar 2001 - und noch stärker nach dem September 2001 - schafft vollendete Tatsachen in den palästinensischen Autonomie-Gebieten, die schwer rückgängig gemacht werden können. Israels militärische Stärke läßt nicht zu, daß Israel auf Kompromisse eingeht.

  9. Der israelische Nationalismus wird im Laufe der Zeit zunehmend ethnozentrisch, während die religiöse Auseinandersetzung zwischen Islam und Judentum (in Affiliation mit dem Christentum) immer fundamentalistischere Dimensionen annimmt.

  10. Die israelisch-jüdische Gesellschaft rückt immer weiter nach rechts; dadurch vertieft sich auch der Riß zwischen Juden und Arabern in Israel selbst. Ein politisches Reservoir für eine linke, d.h. kompromißbereite Alternative wird immer kleiner und rückt in immer größere Distanz.
Chancen
  1. Die Gesellschaften sind der Gewalt müde, während die durch die Auseinandersetzung auf beiden Seiten sich verschlechternde wirtschaftliche Lage gleichzeitig einem allgemeinen Streben nach Wohlstand entgegensteht.

  2. Ein hoffentlich einsetzender Bewußtseinswandel aller Beteiligten nach der nächsten Katastrophe!


 

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