Veranstaltungen: Dokumentation

Frauen und Frauenbilder im Islam - Selbst- und Fremdwahrnehmungen

28.2.2003
Bei der Betrachtung der "Selbst- und Fremdwahrnehmungen" von "Frauen im Islam" stoßen wir auf eine (mindestens) zweifache Fremdwahrnehmung: die des westlichen Betrachters und die der Männer der eigenen Gesellschaft.

Barbara Winckler, M.A.

In diesem Vortrag wird es weniger um reale Frauen als vielmehr um Frauenbilder gehen, also um das "imaginaire", das in den verschiedenen Kulturen, ob explizit oder implizit, bewusst oder unbewusst die Wahrnehmung (nicht nur) des Anderen, das Denken und Handeln bestimmt. Aus der Perspektive der Arabistik bedeutet dies, sich - nicht nur literarische - Texte daraufhin anzusehen, wie sie muslimische Frauen darstellen, welche Weiblichkeitskonzeptionen sie vermitteln, kurz: die "imaginierte Weiblichkeit" zu untersuchen. Neben dem Aspekt der Literaturproduktion ist hier auch und gerade der der Literaturrezeption äußerst aufschlussreich, insbesondere wenn es um interkulturelle Wahrnehmungen geht.

Bei der Betrachtung der "Selbst- und Fremdwahrnehmungen" von "Frauen im Islam" stoßen wir auf eine (mindestens) zweifache Fremdwahrnehmung: die des westlichen Betrachters und die der Männer der eigenen Gesellschaft. Zur Erhellung dieser Frage, die sich hier auf einzelne Schlaglichter beschränken muss, bietet sich die Betrachtung der Rezeption der "Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht" und ihrer Erzählerin Sheherazade an, da sie einerseits bis heute in der westlichen wie auch in der arabischen Literatur und Kultur überaus präsent sind, andererseits in den beiden Kulturräumen durchaus unterschiedlich rezipiert wurden. In Europa wurden die "Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht" mit den ersten Übersetzungen im 18. Jahrhundert - allerdings in "bereinigter" Form - bekannt, und im Zuge der orientalisierenden Moden entwickelten sich Phantasiebilder von der erotischen Welt des Harems und der passiven und lasziven orientalischen Frau. In den arabischen Fassungen von "Tausendundeiner Nacht" ebenso wie in klassischen arabischen Adab-Werken erscheinen Frauen dagegen häufig als klug und mutig, ja als listig und geradezu bedrohlich. Weibliche (Selbst-)Zeugnisse aus dieser Zeit sind erwartungsgemäß wenig überliefert.

Obwohl die Haremsphantasien bis heute nachwirken, hat sich das Bild, das sich der Westen heute von muslimischen Frauen macht, gewissermaßen ins Gegenteil verkehrt: Statt erotischer Bilder finden wir Vorstellungen von der Lust- und Körper-, ja geradezu Lebensfeindlichkeit "des Islam". All diesen unterschiedlichen Fremdwahrnehmungen setzen arabische Frauen nun - etwa in der Literatur - ihre eigene Sicht entgegen. So entwerfen arabische Autorinnen seit Ende des 19. Jahrhunderts und in verstärktem Maße seit Mitte des 20. Jahrhunderts in ihren literarischen Werken äußerst vielseitige Frauenbilder.


 

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