Veranstaltungen: Dokumentation

10.2.2003 | Von:
Dilwar Hussain

Erfahrungen mit Integration in Großbritannien - zur Arbeit der Islamic Foundation in Leicester

Wie kann man dem Islam und seinen Traditionen treu bleiben und dennoch ganz Europäer sein? Wie kann man sich in europäischen Ländern eine Heimat schaffen?

Zum Thema Integration
  1. Es ist wichtig, den Begriff "Integration" zu definieren.
  2. Zwischen Deutschland und Großbritannien bestehen einige bedeutende Unterschiede. Siehe Abbildung 1.
  3. Einige wichtige Fragen für europäische Muslime und europäische Staaten:
Für Muslime:
Wie kann man dem Islam und seinen Traditionen treu bleiben und dennoch ganz Europäer sein? Wie kann man sich in europäischen Ländern eine Heimat schaffen?

Für die europäischen Staaten:
Mit welcher Politik kann man den Muslimen den Weg der Europäisierung erleichtern (ohne sie unter Druck zu setzen)? Das Ziel besteht darin, harmonische Gesellschaften in Europa zu schaffen und nicht, "sie" nach "unserem" Beispiel zu formen.

Für beide:
Wie kann man sich von einer Sichtweise lösen, die den Islam als "ein Problem" ansieht? Wie kann man es Muslimen ermöglichen und sie bestärken, aktive Bürger zu werden und sich in die europäische Gesellschaft einzubringen? Man muss Muslime als eine Bereicherung sehen, vor allem in moralischen und religiösen Diskussionen.

Die Islamische Stiftung (Islamic Foundation)

Die Islamische Stiftung wurde 1973 in Leicester gegründet und ist ein wichtiges Zentrum für Aus- und Weiterbildung, Forschung und Publikation. Die Stiftung bemüht sich, zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen Brücken zu bauen, und setzt sich für hohe Standards in der akademischen Forschung und Veröffentlichung ein. Seit ihrer Gründung verfolgt die Stiftung folgende Ziele:
  • Einen Beitrag zu einem besseren Verständnis des Islam in der westlichen Welt zu leisten.
  • Bessere Beziehungen zwischen Muslimen und den Mitgliedern anderer Glaubensgemeinschaften herzustellen.
  • Pädagogische Projekte zur intellektuellen Bereicherung der muslimischen Gemeinschaft zu unterstützen.
  • Islamische Antworten auf die gegenwärtigen Herausforderungen im akademischen Bereich zu geben und einen globalen Dialog der Kulturen zu fördern.
Die Stiftung richtete Forschungsgruppen in den Bereichen "Interreligiöse Studien", "Islamische Ökonomie" und "Islam in Europa" ein und führte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für neue Muslime und nicht-muslimische Mitarbeiter und zur Herausbildung eines kulturellen Bewusstseins über den Islam durch. Am Markfield Institute of Higher Education (MIHE) kann man einen von der Britischen Universität anerkannten Master- und Doktorgrad erwerben.

Die Stiftung publizierte rund 300 Bücher zu Themen des Islam und der muslimischen Welt und gibt regelmäßig drei Zeitschriften heraus. Sie beherbergt mit über 35.000 Büchern und rund 250 verschiedenen Zeitschriften die wahrscheinlich größte islamische Privatbibliothek.

Die Abteilung "Islam in Europa"

Obwohl der Islam heute als etwas Fremdes oder vielleicht gar Exotisches gesehen werden kann, ist er in Europa nicht neu. Tatsache ist, dass der Islam über weite Strecken in der Geschichte Europas ein europäisches Phänomen war. In Spanien gab es Muslime mehr als 800 Jahre lang, und auf Sizilien lebten sie über einen Zeitraum von mehr als 250 Jahre. Sie spielten im wissenschaftlichen und philosophischen Erbe Europas eine historische Rolle.

Die Abteilung "Islam in Europa" wurde 1992 gegründet, nach einer Konferenz "Islam in Europa" anlässlich des zwanzigsten Jahrestags der Stiftung.

Absichten und Ziele
  1. Untersuchung der Situation der Muslime im heutigen Westeuropa.
  2. Unterstützung der Zusammenarbeit muslimischer Organisationen in Westeuropa.
  3. Verbreitung von Informationen und Materialien über muslimische Gemeinschaften im heutigen Europa.
Aktivitäten

In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Islamische Studien und Christlich-Islamische Beziehungen (Selly Oak Colleges, Birmingham) organisierte die Abteilung 1997 die gemeinsame Konferenz Kultureller Pluralismus und Religion in Europa: der Beitrag von Islam und Christentum zur Gestaltung der Zukunft. In viertägigen Beratungen trafen sich 26 Intellektuelle, Journalisten sowie christliche und muslimische Aktivisten aus ganz Europa.

Welche Aktivitäten hat die Abteilung außerhalb dieser Konferenzen entwickelt?
  • Sie engagiert sich in Forschungsprojekten, die die Bedürfnisse und Herausforderungen muslimischer Gemeinschaften in Westeuropa untersuchen.
  • Sie hilft Wissenschaftlern und Islam-Forschern, Zugang zu Materialien über die Muslime in Europa zu erhalten. Das betrifft zum Beispiel die Unterstützung bei der Herausgabe der Schrift über Islamophobie durch den Runnymede Trust. Diese Hilfe fand große Anerkennung und wurde als "enorm nützlich" anerkannt.
  • Sie organisiert Seminare, um über Themen zu diskutieren, die für den Islam und die Muslime Europas von Bedeutung sind.
  • Sie unterhält Kontakte zu muslimischen Organisationen in ganz Europa.


  • Auswahl der von der Abteilung "Islam in Europa" organisierten Seminare:
    • Eintägiges Seminar über Islamische Bewegung in einer pluralistischen Gesellschaft, 12. April 1997, mit rund 60 Teilnehmern.
    • Aufenthalt von Prof. Abdul Wahab al-Messiri (Ägypten) und Vortrag Säkularismus, 25. Oktober 1996.
    • Aufenthalt von Dr. François Burgat (Frankreich) und Vortrag Muslime in Frankreich und Nordafrika, 29. April 1997.
    • Seminar von Dr. Tariq Ramadan (Schweiz) Muslime in Europa zwischen Assimilation und Entfremdung, 9. Juli 1997.
    • Seminar von Prof. Jørgen S. Nielsen (Birmingham) Die Europäische Gemeinschaft: Ihr Wachstum und die Auswirkung auf die Muslime in Europa, 17. September 1997.
    • Britische Muslime: Loyalität und Zugehörigkeit, Markfield, 8. Mai 2002.
    Veröffentlichungen:
    • Tariq Ramadan, Muslims in France: The Way Towards Coexistence. 1999, 55ff.
    • Tariq Ramadan, To be a European Muslim: A Study of Islamic Sources in the European Context. 1999, 273ff.


    Event series

    Mapping Memories

    Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

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    Fachkonferenz

    Konferenz zur Holocaustforschung

    Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

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    TiT-Veranstaltungsreihe

    Themenzeit im Themenraum

    Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

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    Veranstaltungsreihe

    Checkpoint bpb – Die Montagsgespräche

    Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

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    Veranstaltungsreihe

    What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

    Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden.

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    Blog zur Fachkonferenz

    Medienkompetenz 2014

    Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

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    bpb:magazin 2/2017
    bpb:magazin

    bpb:magazin 2/2017

    "Stadt, Land, Fluss" sind Kategorien, die zentrale politische Themen aufgreifen. Die Reise über Städte, Land und Flüsse in diesem zwölften bpb:magazin führt, wie gewohnt, durch das breit gefächerte Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung.

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