Veranstaltungen: Dokumentation

Integration und Anerkennung von Muslimen in Deutschland


14.2.2003
Allgemeines
  • Die Situation der Muslime insbesondere nichtdeutscher Herkunft weist in sozialem, kulturellem, religiösem und rechtspolitischem Rahmen große, aber lösbare Probleme auf. Sie entstehen nicht allein aus dem gesellschaftlichem Leben innerhalb der schulischen und beruflichen Bildung, sondern gerade innerhalb der Familie.
  • Vornehmlich die rechtliche und soziale Diskriminierung ist die Sorge der Muslime und wird mit dem Schlagwort "Kulturkonflikt" verdeckt.


  • erste Generation
  • Die erste Generation der Muslime wurde in der Bundesrepublik überwiegend zu einer Unterschichtfamilie und hat Schwierigkeiten, die tendenziell für alle Unterschichtgruppen unabhängig von kulturellen Einflüssen gelten. Es kommt hinzu, dass ihre persönlichen Eigenschaften von den Erwartungen und Normen der hiesigen Gesellschaft stark abweichen. Die erste Generation wird insoweit von sozialer Anerkennung ausgeschlossen.
  • Ihre Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen wird durch legislative wie tatsächliche Benachteiligungen gestört.


  • zweite und dritte Generation
  • Die zweite Generation steht zwischen Familie und der "restlichen" Gesellschaft, was mit enormen Anpassungsdruck einhergeht.
  • Bei den muslimischen Jugendlichen findet in allen Lebensbereichen eine Wandlung und Umorientierung statt. Für sie haben sowohl kulturelle Werte der Herkunftskultur als auch die Kultur der hiesigen Gesellschaft einen gewissen Stellenwert. Sie müssen sich in beiden Kulturwelten Gehör verschaffen. Hierfür müssen Sie sich ihren Weg durch alle sozialen Widrigkeiten bahnen. Dabei stoßen sie auf Ablehnung, weil sie oft von beiden Seiten als eine "Gefahr" angesehen werden.
  • Durch die Auseinandersetzung mit sehr unterschiedlichen in vielerlei Hinsicht diametral voneinander divergierenden Kulturen, Normen und Sitten haben sie eine "eigene Kultur" entwickelt, indem sie die diese Verhaltenskodizes miteinander verbanden.


  • Integration
  • Die Integration von Muslimen ist dadurch erschwert, dass die Konstruktion ‚Gläubige gleich Zurückgebliebene´ und ‚Ungläubige gleich Moderne´ aufrechterhalten wird.


  • Religiosität
  • Es besteht ein enormes Bildungs- und Informationsdefizit in Bezug auf den Islam. Die Gesellschaft und die Muslime sind meist mit einem Zerrbild des Islam konfrontiert.
  • Besonders die muslimischen Jugendlichen, die versuchen, den Islam zu praktizieren, erleben vielfach eine Isolation und Vereinsamung, da sie sowohl seitens der Familie als auch seitens Gesellschaft grundlos zurückgewiesen werden. Viele praktizierende Muslime - vorwiegend junge Frauen - beklagen, dass es keine Orte gibt, wo sie ihre Freizeit sinnvoll verbringen können.


  • Islam
  • Das Bild des Islam ist nach wie vor von gewissen "ausländischen" oder "fremden" Zügen gekennzeichnet.
  • Der Islam wird als ein mit der Immigration verknüpftes Phänomen behandelt.
  • Die hartnäckigen Vorurteile ("Fundamentalismus, heiliger Krieg, Terrorismus") verhindern, eine harmonische und gedeihliche Koexistenz zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen auf einer gemeinsamen Basis herzustellen.


  • Vorschläge für die Förderung der Etablierung der Muslime in der Bundesrepublik

    1. an die Mehrheitsgesellschaft
  • Der Islam ist als eine gleichberechtigte Weltreligion anzuerkennen, und Muslimen müssen mehr Möglichkeiten der Partizipation im gesellschaftlichen Leben eingeräumt werden.
  • Die soziale und strukturelle Integration der Muslime als Voraussetzung für ein interkulturelles Zusammenleben muß hergestellt werden.
  • Es müssen gezielte und objektive Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit über den Islam in allen Gesellschaftsbereichen durchgeführt werden mit dem Ziel der allgemeinen Sensibilisierung für den Umgang mit Migranten und Andersgläubigen.
  • Es mss die sachliche Auseinandersetzung mit der Gegenwart und den aktuellen politischen Ereignisse gesucht werden.
  • Der Islam muss von Fundamentalismus bzw. Fanatismus getrennt betrachtet werden. Der pauschale Fundamentalismusverdacht gegenüber "islamischen" Organisationen und Muslimen muss beendet werden.
  • Die bloße Existenz von Moscheen, Gebetsräumen, "Koranschulen" darf nicht als Ausdruck von Desintegration der Muslime gewertet werden.
  • Integration ist weder Assimilation noch unverbundenes Nebeneinander. Aus diesem Grund ist eine Parallelgesellschaft abzulehnen und zu verhindern.
  • Integration gelingt am besten, wenn man nicht allein auf Hauptunterschieden ausharrt, welche die Gesellschaft zerteilen, sondern die Individualität zum Ausgangspunkt des Zusammenlebens nimmt.
  • Die Mehrheitsgesellschaft muss sich in engere Kooperation mit den sog. "islamischen" Organisationen und Kommunen begeben.
  • Der Bedarf an Lehrstühlen für "islamische Theologie" an deutschen Universitäten muss endlich gedeckt werden, um das Lehrpersonal für den islamischen Religionsunterricht, für Vorbeter in Moscheen, etc. auszubilden.


  • 2. an Muslime und sog. "islamische Organisationen"
  • Die Muslime und insbesondere die sog. "islamische Organisationen" sind aufgefordert, offensiv gegen den "Missbrauch des Islam" vorzugehen.
  • Die Organisationen müssen sich einer interkulturellen Öffnung unterziehen und sich von der Orientierung und Beeinflussung aus dem nationalistisch geprägten Herkunftsland abkoppeln.
  • Sie müssen sich gezielt um die Belange ihrer Mitglieder kümmern und mit staatlichen und nicht staatlichen Einrichtungen kooperieren. Hierzu ist ein Generationswechsel in deren Führungsriegen notwendig.
  • Es ist wichtig, weil erforderlich, ihre bisherigen "Fehler", die sie vor allem in den 70er und 80er Jahren begangen haben, als sie nur an die Rückkehr in ihre "Heimat" dachten und der Kampf unter ihnen politischer und nicht religiöser Natur war, einzugestehen und aus ihnen für die Zukunft zu lernen.
  • Die Muslime müssen sich auf Pluralismus besinnen. Es darf nicht darum gehen, eine einzigen Spitzenverband zu gründen, sondern einander in der Vielfalt zu verstehen und zu akzeptieren und punktuell je nach Aufgabenbereich zusammenzuarbeiten. Die Moscheen und Gebetshäuser dürfen nicht von einzelnen Organisationen dominiert werden, vielmehr müssen sie eine übernationale , interkulturelle und unabhängige Struktur erhalten, die etwa von dafür konstituierten Stiftungen getragen werden. Die verbindende Sprache muß deutsch sein.


  • Fazit
    Unser Ziel muß eine Kultur der Toleranz und des Miteinanders sein. Die Religiosität ist solange, wie sie nicht in Extremismus umschlägt, für die Menschen und die Gesellschaft grundsätzlich ein stabilisierendes Element. Die Integration der Muslime in Europa ist im Gange und wird weiterhin vorangetrieben werden. Hierzu sind allerdings alle aufgerufen, gemeinsam für mehr Akzeptanz und Anerkennung nach dem Motto einzutreten: "Voneinander lernen – Miteinander leben!"


     

    Blog

    Bundeskongress Politische Bildung, Eröffnung

    Bundeskongress Politische Bildung

    Mehr als 900 Teilnehmer diskutierten auf dem Bundeskongress Politische Bildung (21.-23.5) über das Zeitalter der Partizipation. Impressionen, Interviews und Artikel zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Blog zum Bundeskongress. Weiter... 

    Veranstaltungsdokumentation (Juni 2011)

    5. Fundraising-Tag der politischen Bildung - 10. Juni 2011, Köln (KOMED)

    Für immer mehr Bildungseinrichtungen wird es unausweichlich, ein professionelles Fundraising aufzubauen. Während des Fundraising-Tages organisieren die Beteiligten seit nunmehr fünf Jahren einen Wissenstransfer. Im Rahmen von acht Workshops wurden konkrete Aktionen und Konzepte des Fundraisings für die politische Bildung vorgestellt und diskutiert. Weiter... 

    Coverbild bpb: magazin HQZeitschrift

    bpb:magazin

    Aus drei mach eins! Kannten Sie bisher das Publikationsverzeichnis, den Veranstaltungskalender und den Flyer für die Studienreisen, so bietet das bpb:magazin den Service dieser drei Publikationen und viele weitere interessante Informationen nun aus einer Hand. Weiter... 

    Themen und Materialien

    Compasito

    COMPASITO bietet Praxisanregungen für Multiplikatoren, die sich mit Menschenrechtsbildung für sieben- bis dreizehnjährige Kinder befassen wollen. Das Buch macht mit den wichtigsten Begriffen der Menschen- und Kinderrechte vertraut und vermittelt theoretisches Hintergrundwissen zu 13 Menschenrechtsthemen. Weiter... 

    Themen und Materialien

    Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit-Werteordnung und Wertevermittlung

    Werte gewinnen in der Gesellschaft wieder an Bedeutung, gerade auch im Schulalltag. Dies stellt den Unterricht vor neue Herausforderungen. Für die Schule und die außerschulische Bildung liefern die zwölf Bausteine des Bandes Vorschläge zur Beschäftigung mit Bereichen unserer Werteordnung. Weiter... 

    Sonstige

    Europa - Das Wissensmagazin für Jugendliche - Schülerheft

    Wer macht Was in Europa? Was ist die Europäische Union? Mit vielen Aufgaben, Quizfragen und Diskussionsideen im Wissensmagazin können Jugendliche sich das Thema Europa erschließen. Weiter...