Aktion Courage-Projekt "Integration von Muslimen und muslimischen Organisationen"
14.2.2003
AktionCourage hat seither verschiedene Projekte ins Leben gerufen. Unter anderem wäre zu nennen das Projekt "Schule ohne Rassismus" und das Projekt "ausländische Betriebe bilden aus".
Diskriminierung richtet sich nicht nur gegen ethnische Minderheiten, auch im Bereich der religiösen Zugehörigkeit findet sie ihren Ausdruck. So entstand 1999 das
Projekt "Integration von Muslimen und muslimischen Organisationen". In Berlin und Mainz wird eine Vernetzung zwischen muslimischen Organisationen und Einrichtungen der Mehrheitsgesellschaft hergestellt. Ziel dieses Projektes ist es, dazu beizutragen, den rund 3 Millionen Muslimen in Deutschland gesellschaftlichen Respekt zu verschaffen. Dem Islam als zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Deutschland neben dem Christentum und dem Judentum, soll zur Anerkennung verholfen werden.
Zu diesem Zweck werden die sozialen Aktivitäten der Moscheevereine und anderer muslimischer Vereine mit entsprechenden Aktivitäten der Mehrheitsgesellschaft vernetzt, um die soziale und gesundheitliche Versorgung der Muslime zu verbessern und der Bildung von Parallelgesellschaften entgegen zu wirken. Das Modellprojekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung gefördert.
Das Kernstück unseres Berliner Projektes ist der Arbeitskreis Berliner Muslime. Er gründete sich bei unserer Büroeröffnung und besteht aus den verschiedenen Moscheevereinen und Dachverbänden. In regelmäßigen Abständen von 6-8 Wochen trifft sich der Arbeitskreis in den Räumen von AktionCourage. Aus diesem Arbeitskreis Berliner Muslime heraus werden Wünsche an die Mehrheitsgesellschaft in Bezug auf eine Integration der Muslime formuliert.
So entstanden Schwerpunkte wie: religiöse Betreuung in Krankenhäusern und Gefängnissen, Zusammenarbeit auf der Bezirksebene, Einrichten von Sprachkursen in den Vereinen, Verbesserung der psychosozialen Betreuung, Gesprächskreis für Erzieherinnen. Zu diesen verschiedenen Schwerpunkten werden dann aus dem Arbeitskreis heraus Arbeitsgruppen gebildet.
AktionCourage e.V. versteht sich in diesem Zusammenhang als Türöffner und stellt die Kontakte zu den Institutionen der Mehrheitsgesellschaft her.
Religiöse Betreuung in Krankenhäusern An Hand der religiösen Betreuung in Krankenhäusern will ich die Arbeit von AktionCourage darstellen.
Für die religiöse Betreuung in Krankenhäusern haben wir die Kliniken ausgesucht, die in einem Bezirk mit hohem Ausländeranteil liegen, weil wir davon ausgehen, dass dort auch hoher Prozentsatz muslimischer Patienten ist.
Ziel der Gespräche mit den Verantwortlichen in den Krankenhäusern war es,
- einen Gebetsraum für Muslime einzurichten,
- dass Telefonnummern von Imamen neben denen der christlichen Seelsorger im hausinternen Telefonbuch aufgeführt werden
- und einen Raum zur religiösen und seelsorgerischen Betreuung zu schaffen.
- Vom Klinikum Spandau wurde uns mitgeteilt, dass sich dort niemand dieses Themas annehmen könne und das auch nicht notwendig wäre, da die Patienten nur durchschnittlich 9 Tage in der Klinik verbleiben.
- Mit dem Urbankrankenhaus gibt es seit Juli 2000 Gespräche. Die Imame sind in den hausinternen Telefonbüchern aufgeführt und es wurde auch ein Raum gefunden, der allerdings noch hergerichtet werden muss. Ende 2001 wurde uns mitgeteilt, dass das Projekt Gebetsraum auf Eis gelegt werden muss, aus finanziellen Gründen. Seit Juni 2002 führen wir erneut Verhandlungen.
- Auch im Virchow-Krankenhaus wurden unsere Wünsche interessiert aufgenommen. Das Virchow-Krankenhaus gehört zur Charité, wo bereits ein Raum der Stille (Andachtsraum für alle Religionsgemeinschaften)existiert. Es gibt im Virchow-Krankenhaus eine Kapelle mit Nebenräumen, von denen einige den Muslimen zur Verfügung gestellt werden sollen. Auch die Namen der Imame werden dort in das hausinternen Telefonbuch aufgenommen.
- Am weitesten fortgeschritten sind wir im Krankenhaus Neukölln. Auch dort wurden die Wünsche des Arbeitskreises Berliner Muslime sehr positiv aufgenommen. Das einzige Kriterium waren die Finanzen. "Wenn es kein Geld kostet, können wir versuchen, alles zu realisieren". So hatte der Arbeitskreis Berliner Muslime bereits innerhalb einer Woche nach Beginn der Gespräche mit Prof. Holzgreve einen Gebetsraum für Muslime, den sie mit Christen gemeinsam nutzen. Der vorhandene Andachtsraum ist so schlicht gehalten , dass er ohne weiteres von den Muslimen mitgenutzt werden kann. Es wurde ein Pfeil auf dem Boden angebracht, der die Gebetsrichtung anzeigt und es wurden Gebetsteppiche und ein Koran in den Raum gebracht. Mittlerweile hat ein Treffen der muslimischen BetreuerInnen mit den christlichen Seelsorgern stattgefunden und Sie werden den Raum gemeinsam ausgestalten. Das vorhandene Schild im Foyer, auf dem bislang Andachtsraum stand wurde von der Verwaltung um das Wort Mescid (Moschee) erweitert und zeigt damit einen Gebetsraum für Muslime an.
- Zu der religiösen Betreuung in Krankenhäusern zählen wir auch die Fortbildung der muslimischen Betreuer. Im nächsten Schritt möchten wir in Kontakt mit der Pflegedienstleitung eine Fortbildung für die Imame erarbeiten, in denen sie mit den Vorgängen und Verhaltensweisen im Krankenhaus vertraut gemacht werden. Vom Virchow-Krankenhaus kam der Vorschlag, dass die Imame an den Stationsbesprechungen teilnehmen sollten, damit sie über Patienten und den Stationsablauf unterrichtet sind.
- Darüber hinaus hat AktionCourage e.V. in Zusammenarbeit mit der Krankenhauspflegeleitung Fortbildungen für das Personal in Krankenhäusern, über den Umgang mit muslimischen Patienten ausgearbeitet und die erste Veranstaltung bereits durchgeführt. Diese fand so großen Anklang, dass sie in die Fortbildungsprogramme von VIVANTES und der Charité aufgenommen wurde.
- Zu dem Bereich religiöse Betreuung zählen wir auch die Notfallseelsorge. Sie kommt zum Tragen bei großen Unglücken und Katastrophen, wie Explosionen, Großbränden etc. Auch hier hat sich ein Imam bereit erklärt, diese Seelsorge zu übernehmen. Er wird an einer Einführung in die Notfallseelsorge teilnehmen und dann werden Kontakte zu Polizei, Feuerwehr und Malteser-Hilfsdienst hergestellt, damit diese wissen, wen sie verständigen müssen.
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