Plenumsdiskussion
zur IFEM-Studie
Das Institut für empirische Medienforschung (IFEM) hatte daraufhin die Nahost-Berichterstattung in den Hauptnachrichten des Deutschen Fernsehens drei Jahre lang untersucht. Der Autor der Studie, Dr. Udo M. Krüger, kam zu dem Ergebnis: Agenturen und Fernsehsender lieferten weltweit ähnliche Nachrichten. Daran ließe sich erkennen, dass deutsche Journalisten nicht eine Seite bevorzugen wollten. "Sie halten sich ganz konsequent an die Ereignisse," sagte Krüger. "Ich würde der deutschen Berichterstattung Professionalität zusprechen, aber keine Parteilichkeit."
Trotzdem wirke die Berichterstattung in Fernsehnachrichten aus zwei Gründen zu Gunsten der Palästinenser, erklärte der Soziologe Krüger. Auf der einen Seite zeigten die Bilder oft Straßenkämpfe zwischen Steine werfenden Palästinensern und israelischen Soldaten mit Gewehren. Dadurch wirkten die Palästinenser wehrloser. Auf der anderen Seite blieben jedoch palästinensische Selbstmordattentäter im Fernsehen unsichtbar.
Das nutze den Palästinensern aber nicht viel, meinte dagegen der palästinensische Journalist Abdel-Hadi Hakam: "Man sieht zwar keine Attentäter, aber die Auswirkungen ihrer Anschläge." Er glaube, dass diese Bilder bei den Betrachtern einiges auslösten.
Auf die Frage von Teilnehmern, ob Palästinenser und Israelis die Medien instrumentalisieren könnten, antwortete Krüger, dass er dies zumindest für möglich halte. Der Publizist Helmut Lange fügte hinzu, "dass sich die Israelis mehr als Ordnungsmacht und die Palästinenser sich selbst eher als Underdogs inszenieren." Trotzdem warf er gleich im Anschluss die Frage auf, ob das nicht einfach das Abbild der Wirklichkeit sei, wie es das Fernsehen nicht anders liefern könne.
Dass zumindest Nachrichten im Fernsehen die komplexen Zusammenhänge des Nahost-Konflikts nicht richtig darstellen könnten, glaubte auch Teilnehmerin Monika Gödecke. Kurze Nachrichten könnten die Hintergründe nicht verdeutlichen. Nur längere Formate wie etwa das Auslandsjournal wären in der Lage, solche komplexe Geschichten darzustellen. "Für mich stellt sich die Frage, ob Fernsehnachrichten das leisten können, was sie sollen."
Ob nun die IFEM-Studie ihr Forschungsziel erreicht und neue Erkenntnisse der deutschen Fernsehberichterstattung über den Nahost-Konflikt erarbeitet habe, war im Laufe der Diskussion ebenfalls umstritten. "Wo ist die Überraschung in der Studie?", fragte Leonard Diepenbrock von den RTL-"News am Morgen". Peter Philipp, Chefkorrespondent des Deutsche-Welle-Radios, bezeichnete die vorgestellten Erkenntnisse als Binsenweisheiten. Und Teilnehmer Helmut Kranz fand, "so eine Untersuchung müsste um eine Zuschauerbefragung nach den Wirkungen der Bilder ergänzt werden."
Angesichts dieser Kritik verwies der Autor Udo Krüger darauf, dass die vorliegende Studie die erste ihrer Art in Deutschland sei. "Wir sehen uns vom Berg aus den Wald an. Jetzt wissen wir, wo die Bäume stehen und können den einen oder anderen genauer ansehen." Tatsächlich könne jetzt, aufbauend auf die Studie, eine Wirkungsanalyse bei den Zuschauern geplant werden. Da könne jeder Zuschauer bereits bei sich selbst anfangen, so Krüger. "Die Beiträge vom Anschlag in der Pizzeria sehe ich jedes Mal mit einem Kräuseln auf dem Rücken. Diese Bilder nutzen sich niemals ab."
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