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China als Weltwirtschaftsmacht: Potenziale und Defizite

22.8.2002
Es besteht kein Zweifel daran, dass die VR China in den vergangenen 20 Jahren einen beeindruckenden Wachstumsprozess durchlaufen hat. Die Volkswirtschaft ist um ein Mehrfaches gewachsen, was jedoch nichts darüber aussagt, welche Größe die VR China zu anderen Volkswirtschaften inzwischen besitzt. Und hier stellt sich das Bild sehr unterschiedlich dar.

1 Struktur und Kernaussagen der Präsentation



Als Referenzmaßstab, ob eine Volkswirtschaft (konkret: die VR China) eine führende Rolle in der Weltwirtschaft einnimmt, wird der folgende Kriterienkatalog aufgestellt. Um als Weltwirtschaftsmacht fungieren zu können, muss eine Volkswirtschaft die folgenden Kriterien erfüllen:
  • eine beträchtliche absolute Größe der Volkswirtschaft

  • eine herausragende relative Größe gegenüber anderen Volkswirtschaften

  • eine intensive Einbindung in die internationale Arbeitsteilung sowohl auf der Ebene des Güter- als auch des Kapitalverkehrs

  • eine volle Einbindung in die Gremien einer supranationalen Regelgestaltung für die grenzüberschreitende ökonomische Interaktion

  • die Bereitstellung einer international akzeptierten Währung

  • die Existenz von einheimischen Unternehmungen, die sich in globalen Oligopolmärkten behaupten können.
Die Notwendigkeit eines derartigen multidimensionalen Kriterienkatalogs und somit auch der Relativität des Weltmachtstatus wird am Beispiel der UdSSR besonders deutlich. Wie aus Tabelle 1 ersichtlich, war der Anteil der Sowjetunion am Welt-BIP auch während des "Kalten Krieges" keineswegs überragend.(In diesem Beitrag werden sowohl BIP-Daten (Brutto-Inlandsprodukt) als auch BSP-Daten (Brutto-Sozialprodukt) zur Messung der Größe (Leistungserbringung) von Volkswirtschaften verwendet. Diese Größen variieren insofern leicht, als dass das BIP den Wert der innerhalb eines Landes produzierten Endprodukte misst, unabhängig von der Nationalität der Einkommensbezieher. Das BSP setzt demgegenüber an der Nationalität der Wirtschaftssubjekte an, und misst deren Einkommen im In- und Ausland).

Während dieses Zeitraums stellte die UdSSR auf globaler Ebene zweifelsohne in politischer und militärischer Hinsicht eine Supermacht dar. Sie war aber keine Supermacht für die Weltwirtschaft. Weder ihre absolute Größe noch die Intensität ihres wirtschaftlichen Austauschs mit der "1. Welt" und der "3. Welt" erlauben eine derartige Einstufung. Ihr Einfluß auf das Regelwerk des Wirtschaftsverkehrs dieser Nationen manifestierte sich wenn dann nur indirekt, und der Rubel hatte keine Funktion in diesem Wirtschaftskreis. In der "2. Welt" fungierte die UdSSR demgegenüber sehr wohl als ökonomische Supermacht. Sie herrschte uneingeschränkt über den in sich geschlossenen Kosmos der COMECON-Volkswirtschaften und erfüllte dort alle der oben genannten Kriterien.

Historische Betrachtungen

Tabelle 1: Historische Betrachtung der Anteile am Welt-BIP, 1700-1995

 

 

1700

1820

1890

1952

1978

1995

China

23,1

32,4

13,2

5,2

5,0

10,9

Japan

4,5

3,0

2,5

3,4

7,7

8,4

Europa

23,3

26,6

40,3

29,7

27,9

23,8

USA

0,0

1,8

13,8

28,4

21,8

20,9

UdSSR/

Russland

3,2

4,8

6,3

8,7

9,2

2,2

Indien

22,6

15,7

11,0

3,8

3,4

4,6

Angaben auf der Grundlage eines inflationsbereinigten Kaufkraftparitätenvergleichs (1990 international dollars).

Quelle: Maddison, Angus (1998): Chinese Economic Performance in the Long Run, OECD Development Centre Studies, Paris, S. 40.


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