Kalkuliertes Risiko? China und die WTO
22.8.2002
Mit dem Abschluss aller bilateralen Verhandlungen (außer mit Mexiko) ist der Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) in greifbare Nähe gerückt worden. Obwohl noch weiterer Verhandlungsbedarf auf multilateraler Ebene besteht, ist es möglich, dass die VR China im Laufe des Jahres 2001 in die WTO aufgenommen wird. Womit erklärt sich der plötzliche Verhandlungserfolg nach 15 Jahren Verhandlungszeit? Welche Motive und Zielsetzungen verbindet die chinesische Regierung mit dem Beitritt, und was hat die wichtigsten Verhandlungspartner der VR China, die USA und die Europäische Union bewogen, dem Beitritt zuzustimmen?
- Die Beitrittsbemühungen zum General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) bzw. zur WTO der VR China sind in der Zeit seit 1986 mit unterschiedlicher Vehemenz vorangetrieben worden. Ursache hierfür sind grundsätzliche Meinungsunterschiede unter chinesischen Ökonomen und Politikern, wie weit sich China dem Ausland öffnen kann und sollte, ohne gleichzeitig die gesellschaftliche und politische Stabilität des gegenwärtigen Systems zu gefährden.
- Die Beschleunigung der Beitrittsverhandlungen ab Ende 1998 wurde sowohl von chinesischer als auch von amerikanischer und europäischer Seite vor allem aus politischem Kalkül vorangetrieben. Grundlage hierfür war auf chinesischer Seite u.a. die Hoffnung, noch während der Regierungszeit der Clinton-Regierung zu einem Verhandlungsergebnis zu kommen. Des Weiteren ergab sich aus chinesischer Sicht Zeitdruck u.a. mit Blick auf die anstehende neue multilaterale Verhandlungsrunde (Seattle) der WTO, die konjunkturelle Lage in der VR China nach 1997 und die Konkurrenz der Bewerbung Taiwans. Da im Verlauf des Jahres 2000 deutlich wurde, dass man den erhofften Beitrittstermin im Jahr 2000 nicht würde einhalten können, ist für die chinesischen Verhandlungspartner der zeitliche Druck heute wieder geringer geworden.
- Für einen erfolgreichen WTO-Beitritt ist es neben der Anpassung der außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen notwendig, dass die Regierung in der Lage ist, die Umsetzung der Beitrittsvereinbarungen zu gewährleisten. Die Fähigkeit der chinesischen Regierung, dies zu tun, wird in der ausländischen Forschung sehr kritisch bewertet. Zusätzlich zu der Frage der politischen Durchsetzungsbereitschaft- und -fähigkeit stellt sich die Frage, ob der Anpassungsdruck gesellschaftlich zu verkraften ist.
- Die bisherigen Verhandlungsergebnisse für den Beitritt der VR China deuten auf eine weitgehende und schnelle Öffnung des chinesischen Marktes hin. In den bis dato stärker geschützten Industrie- und Dienstleistungssektoren wird sich diese Öffnung am gravierendsten bemerkbar machen. Die Implikationen, die sich hieraus für die chinesische Wirtschaftsordnung und den chinesischen Arbeitsmarkt ergeben, sind in den Verhandlungen zum WTO-Beitritt kaum als Risiko in Betracht gezogen worden. Die Erwartung langfristiger allgemeiner Wohlfahrtsgewinne basiert auf der vagen Hoffnung, dass die kurz- und mittelfristig zu erwartenden sozialen Spannungen aus der Restrukturierung, nicht so virulent sein werden, dass sie den Erfolg des WTO-Beitritts insgesamt in Frage stellen können.
Charts
Wirkungen des WTO-Beitritts auf unterschiedliche Unternehmen
Wirkungen des WTO-Beitritts auf unterschiedliche Branchen
»http://europa.eu.int/comm/trade/bilateral/china/wto.htm«
Seite mit Presseinformationen der EU-Kommission zu den bilateralen Beziehungen mit China, insbesondere Stand der Beitrittsverhandlungen.
»http://www.wto.org«
Web-Seite der Welthandelsorganisation.
»http://www.uschina.org/public/wto«
Web-Seite des "United States -China Business Council" zu den WTO-Beitrittsverhandlungen der VR China mit zahlreichen Links zu Hintergrundmaterial.
Blog
Bundeskongress Politische Bildung
Mehr als 900 Teilnehmer diskutierten auf dem Bundeskongress Politische Bildung (21.-23.5) über das Zeitalter der Partizipation. Impressionen, Interviews und Artikel zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Blog zum Bundeskongress. Weiter...
5. Fundraising-Tag der politischen Bildung - 10. Juni 2011, Köln (KOMED)
Für immer mehr Bildungseinrichtungen wird es unausweichlich, ein professionelles Fundraising aufzubauen. Während des Fundraising-Tages organisieren die Beteiligten seit nunmehr fünf Jahren einen Wissenstransfer. Im Rahmen von acht Workshops wurden konkrete Aktionen und Konzepte des Fundraisings für die politische Bildung vorgestellt und diskutiert. Weiter...
Zeitschriftbpb:magazin
Aus drei mach eins! Kannten Sie bisher das Publikationsverzeichnis, den Veranstaltungskalender und den Flyer für die Studienreisen, so bietet das bpb:magazin den Service dieser drei Publikationen und viele weitere interessante Informationen nun aus einer Hand. Weiter...
Themen und MaterialienCompasito
COMPASITO bietet Praxisanregungen für Multiplikatoren, die sich mit Menschenrechtsbildung für sieben- bis dreizehnjährige Kinder befassen wollen. Das Buch macht mit den wichtigsten Begriffen der Menschen- und Kinderrechte vertraut und vermittelt theoretisches Hintergrundwissen zu 13 Menschenrechtsthemen. Weiter...
Themen und MaterialienFreiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit-Werteordnung und Wertevermittlung
Werte gewinnen in der Gesellschaft wieder an Bedeutung, gerade auch im Schulalltag. Dies stellt den Unterricht vor neue Herausforderungen. Für die Schule und die außerschulische Bildung liefern die zwölf Bausteine des Bandes Vorschläge zur Beschäftigung mit Bereichen unserer Werteordnung. Weiter...
SonstigeEuropa - Das Wissensmagazin für Jugendliche - Schülerheft
Wer macht Was in Europa? Was ist die Europäische Union? Mit vielen Aufgaben, Quizfragen und Diskussionsideen im Wissensmagazin können Jugendliche sich das Thema Europa erschließen. Weiter...







