Veranstaltungen: Dokumentation

Seminar "Globalisierung: Eine Chance für Entwicklungsländer?"

Einführung


16.5.2002
Das Ost-West-Kolleg der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht hiermit die Texte und Materialien eines Fortbildungsseminars vom Juli 2001 zum Thema "Globalisierung: Eine Chance für Entwicklungsländer?" mit Experten aus Universitäten und Forschungsinstituten.

Die Globalisierung ist seit dem 11. September 2001 nun in einer ganz neuen Dimension schrecklich aktualisiert worden. Die Terrorangriffe auf New York und Washington haben uns den Blick geöffnet für die Vergeblichkeit einer Abschottung oder nur nachlässiger Aufmerksamkeit gegenüber den internationalen Asymmetrien zwischen Staaten und Völkern weltweit. Der Unterschied zwischen reichen und armen Nationen hat sich in den letzten Jahren ständig vergrößert. Das Phänomen gibt selbst wirtschaftsliberal ausgerichteten Zeitschriften wie dem "Economist" Anlass zu besorgten Kommentaren. Der symbolische und zeitliche Zusammenhang zwischen einer wachsenden Anti-Globalisierungsbewegung in den USA und Europa und den Attacken auf die Zentren des Welthandels und der Weltfinanzen ist nicht von der Hand zu weisen. Für die USA, aber auch für Europa bedeutet der 11. September das endgültige Aus für einen politischen wie geistigen Isolationismus und Provinzialismus. Die politische Bildung wird darauf mit einer Aufwertung ihres Angebots zu den Schwerpunktthemen internationale Beziehungen, Entwicklungspolitik und Islam reagieren. Gerade in einer Zeit, in der kriegerische Rhetorik (geboren aus berechtigtem Zorn und Empörung) einerseits und antiamerikanische Reflexe u.a. auf die erwähnte patriotische Feldzugsrhetorik andererseits die Öffentlichkeit beherrschen, ist eine nüchterne und offene Auseinandersetzung mit Hintergründen und Ursachen der Ungleichheit in der Welt wichtig.

Die vorliegenden Texte sind bei weitem nicht in der Lage auf alle mit der Globalisierung verbundenen Phänomene einzugehen. Mit Absicht beginnen wir unsere Textsammlung mit den Thesen und Begriffserläuterungen von Ulrich Menzel, der die ja schon seit Jahrzehnten laufende Debatte über Ursachen von Entwicklungserfolgen und Misserfolgen zusammenfasst sowie die langfristigen historischen Zusammenhänge aufzeigt. Tatjana Chahoud weist in ihrem Beitrag auf die Fortschritte hin, die die "Zähmung" der international operierenden Großkonzerne gemacht hat, aber auch auf die noch ungelösten Probleme. Dirk Messner betont, dass die Pauschalkritik an der Entwicklungspolitik überzogen ist und beschreibt die Versuche, weltweit eine neue sozialpolitische Kompetenz (u.a. bei der Weltbank) aufzubauen.

Wie entscheidend naturräumliche Gegebenheiten, historisch-kulturelle Dimensionen und die politische Kompetenz der Eliten beim Umgang mit den Herausforderungen der Globalisierung sind, wird in den Beiträgen von Jürgen Wiemann (Afrika), Christian Wagner (Indien) und Volker Nienhaus (Naher Osten) deutlich. Die abschließende Podiumsdiskussion läßt neben Hans-Helmut Taake (Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik), Joachim Wiemeyer (Ruhr-Universität Bochum auch Peter Wahl, Vorsitzender der Nichtregierungsorganisation WEED, zu Wort kommen. Die Beiträge dokumentieren kontroverse Positionen in der gegenwärtigen Debatte und geben mit Literaturhinweisen und Internetadressen zusätzliche Möglichkeiten der Information und Orientierung.

Darüber hinaus sei auf die von den Autoren eingeräumte Möglichkeit verwiesen, per email Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Die entwicklungspolitischen Dimensionen der Globalisierung werden ferner in dem bei der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlichen Band "Entwicklung und Frieden im Zeichen der Globalisierung", herausgegeben von Franz Nuscheler, Schriftenreihe Band 367, Bonn 2000, von kompetenten Autoren beleuchtet. Informationen über die deutsche Entwicklungspolitik sowie eine umfassende Zusammenstellung von Adressen bietet schließlich das "Medienhandbuch Entwicklungspolitik", kostenlos zu beziehen über die Pressestelle des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Stresemannstr. 94, 10963 Berlin. (www.bmz.de).

Wir freuen uns über alle, auch kritische Rückmeldungen.

Brühl, im September 2001

Christoph Müller-Hofstede
Ost-West-Kolleg der Bundeszentrale für politische Bildung
Willy-Brandt-Str. 1
50321 Brühl
Tel. 02232 929 8240
FAX 02232 929 90 20
E-Mail: cmuelhof@fhbund.de



 

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