Veranstaltungen: Dokumentation

25.7.2002 | Von:
Wiemann, Jürgen

Afrika im Zeitalter der Globalisierung

Afrika wird oft als Beweis dafür angeführt, daß die Globalisierung den Entwicklungsländern schade: Sie würden marginasiert und hätten keine Chance, aus dem Teufelskreis der Armut herauszukommen. Tatsächlich hat sich Afrikas Anteil am Welthandel in den letzten 50 Jahren kontinuierlich verringert.

Einleitung

Afrika wird oft als Beweis dafür angeführt, daß die Globalisierung den Entwicklungsländern schade: Sie würden marginasiert und hätten keine Chance, aus dem Teufelskreis der Armut herauszukommen. Tatsächlich hat sich Afrikas Anteil am Welthandel in den letzten 50 Jahren kontinuierlich verringert. Während er 1948 bei 7,4 % lag, fiel er über 5,7 % 1963 auf 2,0 % 1999 zurück. Darin sind noch Nordafrika sowie die Republik Südafrika enthalten. Ohne sie betragt der Welthandelsanteil Subsahara-Afrikas sogar nur 0,8 %. Gleichzeitig weist Afrika südlich der Sahara (Subsahara-Afrika = SSA) neben Südasien das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen auf (1999: 490 US $) und rangiert bei einer Reihe von Sozialindikatoren (Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Zugang zu Trinkwasser oder Telefon) noch weit hinter der nächst ärmeren Region Südasien.

Dieser statistische Befund könnte den Schluß nahelegen, daß Afrika im Globalisierungsprozeß an den Rand gedrängt wird und daß dadurch seine Aussichten schwinden, die Armut aus eigener Kraft zu verringern und den Lebensstandard seiner Bevölkerung zu verbessern. So heißt es in einem Memorandum zur Neubegründung der deutschen Afrikapolitik, das im Oktober 2000 von einer Gruppe deutscher Afrika-Wissenschaftler vorgelegt wurde: "Für eine wachsende Zahl von Staaten (Afrikas südlich der Sahara) wird ‚Entwicklung' im Sinne nachhaltiger Entwicklung und von Armutsminderung über einen sehr langen Zeitraum unmöglich bleiben." Und einer der Autoren des Memorandums formuliert in einem zur gleichen Zeit erschienenen Aufsatz noch deutlicher: "The globalisation process poses problems for Africa that are greater than any she has ever had to overcome in her history. Colonialism, post-colonialism are an almost harmless prelude to the problems arising from globalisation." Globalisierungsgegner könnten dies als Rechtfertigung für ihre generelle Ablehnung weltweiter wirtschaftlicher Liberalisierung und marktwirtschaftlicher Reformen in Entwicklungsländern auffassen, doch ist der Schluß, daß Globalisierung Marginalisierung und Verelendung der ärmsten Entwicklungsländer nach sich ziehe, keineswegs zwingend.

Daß Entwicklungsländer von der Globalisierung auch profitieren können, zeigen nämlich die erfolgreichen südostasiatischen Schwellenländer, von denen einige in der 60er Jahren ein ähnlich niedriges Pro-Kopf-Einkommen hatten wie die afrikanischen Entwicklungsländer. Auch Lateinamerika hat sich, wenn auch zögernder und daher weniger dynamisch, an den Globalisierungszug angehängt, seinen Anteil am Weltexport und an den internationalen Direktinvestitionen vergrößert und damit seine wirtschaftliche Entwicklung gegenüber der früheren Importsubstitutionsstrategie - also die mehr oder weniger weitgehende Abkoppelung von den Weltmärkten - beschleunigt. Die beiden größten Entwicklungsländer, China und Indien, die bis Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre extrem binnenorientierte Entwicklungsstrategien verfolgten, haben sich seither geöffnet und marktwirtschaftliche Reformen umgesetzt, die im Falle Chinas zu einem besonders dramatischen "großen Sprung nach vorn" führten, im Falle Indiens eine nicht ganz so dynamische, aber doch spürbare wirtschaftliche Dynamisierung und Modernisierung auslösten.

Aber auch in Afrika gibt es Länder, die mit einer soliden Wirtschaftspolitik, mit transparenten Rahmenbedingungen für Investoren und mit Exportorientierung beachtliche Wachstumserfolge erzielen und dadurch eine Verbesserung ihrer Sozialindikatoren aufweisen konnten. Dies gilt insbesondere für Botsuana, dessen Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf der Bevölkerung in den drei Dekaden von 1970 bis 1997 sogar noch schneller gewachsen ist als das der ostasiatischen Schwellenländer. Aber auch Mauritius, Lesotho, und Swaziland sind in dieser Zeit wirtschaftlich immer noch schneller gewachsen als der Durchschnitt Lateinamerikas. Diese Länder liegen auch bei den wichtigsten Sozialindikatoren (Lebenserwartung, Schulbesuch, Zugang zu Trinkwasser etc.) im oberen Drittel der afrikanischen Länder - mit einer Ausnahme: Bei der Lebenserwartung lag Botsuana Anfang der 80er Jahre weit über dem Durchschnitt, wegen der neben Simbabwe höchsten Ausbreitungsrate von HIV/Aids fiel jedoch die durchschnittliche Lebenserwartung in Botsuana bis 1997auf 47 Jahre und lag damit unter dem afrikanischen Durchschnitt.

Aus diesem differenzierten Bild von Afrikas insgesamt marginaler Rolle in der Weltwirtschaft läßt sich eine doppelte Schlußfolgerung ziehen:

  • Zum einen weisen die afrikanischen Entwicklungsländer offenbar einige strukturelle Gemeinsamkeiten auf, die es ihnen schwer machen, im weltwirtschaftlichen Wettlauf mitzu-halten,
  • zum anderen sind aber nicht alle diese Strukturmerkmale unveränderlich, wie der wirtschaftliche Aufstieg einer Reihe afrikanischer Länder zeigt.


Diese Stufenfolge von den unveränderlichen, weil natürlichen Rahmenbedingungen über die nur langfristig veränderbaren, weil kulturell und historisch bedingten Strukturmerkmale hin zu den kurz- bis mittelfristig veränderbaren Wachstums- und Entwicklungsfaktoren liegt allen Analysen der afrikanischen Entwicklung zugrunde. Die Unterschiede in den Beurteilungen der Entwicklungsperspektiven zwischen verschiedenen Autoren ergeben sich im wesentlichen aus der unterschiedlichen Gewichtung der veränderbaren und der unveränderbaren Rahmen-bedingungen und Faktoren. Während "Afrika-Pessimisten" den unveränderbaren natürlichen Gegebenheiten und den kulturellen und historisch entstandenen Besonderheiten Afrikas größeres Gewicht zumessen, sehen "Afrika-Optimisten" die dynamischen Länder Afrikas, aber auch umgekehrt die vielen Beispiele rückläufiger Entwicklung infolge von Kriegen, Bürgerkriegen und korrupten Regierungen als Beweis dafür an, daß sich die natürlichen Hemmnisse von einer entwicklungsorientierten Regierung, die eine solide marktwirtschaftliche Wirtschaftspolitik verfolgt, die Infrastruktur modernisiert und in die Ausbildung der Menschen investiert, durchaus überwinden lassen.


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