Veranstaltungen: Dokumentation
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Globalisierung als Herausforderung für Entwicklungsländer


25.7.2002
Für die katholische Kirche (mit mehr als 1 Milliarde Gläubigen in fast allen Ländern der Erde) und einem weltweiten Zentrum in Rom sind Fragen der humanen Gestaltung der Globalisierung ein zentrales Anliegen.

  1. Für die katholische Kirche (mit mehr als 1 Milliarde Gläubigen in fast allen Ländern der Erde) und einem weltweiten Zentrum in Rom sind Fragen der humanen Gestaltung der Globalisierung ein zentrales Anliegen. Über diese Fragen finden auch innerkirchliche Dialogprozesse zwischen Nord-und Süd sowie zwischen Ost und West statt.

  2. Offener Marktzugang zu vielen externen Märkten, Akquierierung von Kapital über globale Finanzmärkte, die Möglichkeiten zur Gewinnung von Kapital und Know how durch Direktinvestitionen, Zugang zu globalem Wissen mittels des Internet und anderer Kommunikationsnetze eröffnen Entwicklungs- und Schwellenländer die Chance prinzipiell höhere Wachstumsraten zu erzielen, als sie die westlichen Industrieländer in ihrer Wirtschaftsgeschichte hatten. Sie können somit schneller zu diesen aufschließen. Erforderlich ist dazu ein nationaler Konsens, um durch kollektive Anstrengungen dieses Ziel zu erreichen. Dies setzt eine kohärente Entwicklungsstrategie voraus, die komplementär alle zentralen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens (Bildungswesen, Forschung, Infrastruktur, Verwaltung, Finanzwesen, Landwirtschaft) usw. koordiniert fortentwickelt, so daß Engpässe (z.B. Mangel an qualifizierten Arbeitskräften) nicht zum Hemmnis werden. In der Gesamtgesellschaft muß der Eindruck eines Positiv-Summen-Spiels entstehen, in dem alle Bevölkerungsgruppen am Wachstum teilhaben. Wachstumsprozesse, die einseitig bereits reicheren Bevölkerungsgruppen zugute kommen, müssen zwangsläufig zu gesellschaftlichen Verteilungskonflikten führen, die die ganze ökonomische Entwicklung hemmen können. Vorteilhaft ist es, wenn zu Beginn eines Wachstumsprozesses die sozioökonomischen Unterschiede in der Gesellschaft nicht zu groß sind (Agrarreformen in Süd-Korea und Taiwan als Ausgangspunkt der Industrialisierung).

  3. Jedes Entwicklungsland muß versuchen, bestimmte Bereiche der Herstellung von Gütern und Dienstleistungen zu identifizieren, in denen es gegenüber anderen Ländern einen gewissen Wettbewerbsvorsprung hat. Solche Bereiche sind gezielt auszubauen und zu stärken. Dabei sollte allerdings im Sinne einer Risikostreuung die Integration in den Weltmarkt sich nicht auf wenige Produkte erstrecken. Kleinere Entwicklungsländer, deren Binnenmärkte für rentable Produktionsbereiche zu klein sind, müssen sich in regionalen Wirtschaftsgemeinschaften nach Vorbild der EU zusammenschließen, um arbeitsteilig auf Gegenseitigkeit eine ausreichende Marktgröße zu erreichen. Solche Märkte der Entwicklungsländer können auch temporär vor einem zu scharfen Wettbewerb der Weltmärkte geschützt werden, bis die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Wirtschaft hinreichend erhöht worden ist.

  4. Um die elementaren Voraussetzungen für eine Integration der ärmsten Länder in die Weltwirtschaft zu schaffen, ist westliche Entwicklungshilfe unverzichtbar. Sie muß besser aufeinander abgestimmt und effizienter gestaltet sein. Dies gilt vor allem für die EU und die einzelnen EU-Länder, die rd. 55% der globalen Entwicklungshilfe leisten.

  5. Um die Integration der Entwicklungsländer und der Schwellenländer in die Weltwirtschaft zu verbessern, müssen weitere Liberalisierungsschritte im Welthandel folgen. Die EU, USA, Japan und andere Industrieländer müssen ihr protektionistisches Instrumentarium abrüsten. Die WTO als Ordnungssystem im Welthandel sollte durch Ausbau einer Wettbewerbsabteilung gestärkt werden, um private Wirtschaftsmacht zu kontrollieren.

  6. Im Weltfinanzsystem ist eine höhere Stabilität der Wechselkurse zwischen den Leitwährungen anzustreben. Es ist eine erhöhte Transparenz in den Finanzmärkten (z.B. über die Gesamthöhe der Auslandsverschuldung bestimmter Länder) zu schaffen. Der IWF sollte nicht länger private Wirtschaftsakteure "auskaufen", wenn diese sich verspekuliert haben.

  7. Das System des "global governance" muß neben dem Welthandel und der Weltfinanzordnung durch eine globale Umweltordnung ergänzt werden. Hier geht es darum, globale öffentliche Güter herzustellen, um von den natürlichen Lebensgrundlagen her zukünftigen Generationen noch men-schenwürdiges Leben auf der Erde zu ermöglichen.


 

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