Veranstaltungen: Dokumentation

THEMENZEIT am Checkpoint Charlie – Rechtsextremismus

Rechtsextremismus heute – Wege rein, Wege raus

15.11.2013
Wie entsteht Rechtsextremismus? Warum geraten Menschen in dieses Umfeld, was führt zur Überwindung der rechtsextremen Ideologie und zum Ausstieg aus der Szene? Experten/-innen aus Praxis und Wissenschaft diskutierten diese Fragen mit einem Aussteiger am 04.11.2013 in der bpb Berlin. Hier der zusammenfassende Kurzbericht von Dipl.-Päd. Lothar G. Kopp:

Aktiv gegen Rechts_teaser 2 (© bpb)
Auch die letzten freien Plätze waren bei Veranstaltungsbeginn besetzt beim Gesprächsabend zum Thema "Rechtsextremismus heute - Wege rein, Wege raus", einer Kooperationsveranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Amerika-Gedenkbibliothek der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) im Veranstaltungssaal der bpb Berlin am Checkpoint Charlie. Die Themenzeit ergänzte den November-Themenraum in der Amerika-Gedenkbibliothek der Bundeshauptstadt. Nach Begrüßung der rund 100 Gäste und einigen Worten der Einführung zum Ablauf des Abends übergab Lothar Kopp das Wort an die Moderatorin Almut Möller, Leiterin des Alfred von Oppenheim Zentrums für europäische Zukunftsfragen der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, verbunden mit der Bitte, auch über den nationalen Tellerrand hinaus den Blick auf internationale Entwicklungen in Europa zu richten. Bei den Gästen auf dem Podium handelte es sich um Dr. Manuel Seitenbecher von der ZLB, Dr. Britta Schellenberg vom Centrum für angewandte Politikforschung an der Universität München, Julian Barlen (MdL M-V, Schwerin), Andreas Molau (Wolfenbüttel, Aussteiger/Einsteiger) und Prof. Dr. Uwe Backes vom Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden.

Im ersten Teil des Abends diskutierte das Podium thematisch Grundsätzliches. Prof. Backes stellte kompakt und sachlich komprimiert dar, was Rechtsextremismus ist und wie er häufig entsteht. Wer bewegt sich jedoch wann, warum und unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen in die rechtsextreme Szene hinein? Hier schilderte der prominente Aussteiger Andreas Molau seine Motive, die ihn einst bewogen, sich eine lange Wegstrecke seines Lebens bei den Rechtsextremen zu engagieren. Julian Barlen, Mitbegründer der bekannten Internetplattform "Endstation Rechts", berichtete von seinen Erfahrungen aus dem Nordosten der Bundesrepublik Deutschland, in dem die als rechtsextrem eingestufte NPD sehr präsent sei. Neben dem Fokus Deutschland wurde in diesem Kontext aber auch der europäische Blick einbezogen, denn Rechtsextremismus seit längst kein rein deutsches Problem mehr, sondern ein zutiefst europäisches. Ein Blick in unsere Nachbarländer stelle dies unter Beweis. Leider würde man die Opferperspektive meistens vernachlässigen, argumentierte Britta Schellenberg. Auf manchmal merkwürdige Biografien von Menschen, die sich politisch von Linksaußen nach Rechtsaußen bewegen, wie beispielsweise Horst Mahler, wies Manuel Seitenbecher hin. Auch er identifiziere oft eine ausschließlich mediale Täterfixierung und vermisse den Blick auf deren Opfer. Backes betonte die Notwendigkeit zivilgesellschaftlichen Engagements und staatlicher Programme gegen Extremismus, wobei er neben dem Rechts- auch den Linksextremismus ausdrücklich einbezog. Beide Ebenen, also Staat und Gesellschaft, seien notwendig und sollten nicht gegeneinander in Stellung gebracht werden. Hier sei ein koordiniertes Miteinander zielführender.

Impressionen der Veranstaltung:



Im zweiten Teil hatte unter der bewährten Moderationsleitung von Frau Möller das zum großen Teil junge und doch fachkundige Publikum ausführlich Gelegenheit, Fragen zum Rechtsextremismus-Komplex zu stellen, Bemerkungen los zu werden und auch zu benennen, aus welcher Perspektive, mit welchen Erfahrungen und Erkenntnissen man selbst im Aussteigerumfeld und/oder in antirassistischen Zusammenhängen agiert. Dass es hier an der einen oder anderen Stelle auch mal kurzzeitig emotional hitzig wurde, liegt in der Natur der Sache und der Brisanz des Themas. Politische Bildung lebt schließlich von Kontroversität. Der Aussteiger Molau machte deutlich, dass er sich in seiner aktuellen Situation in die Zange genommen fühle. Bei den rechtsextremen Ex-Kameraden gilt er als Verräter, bei politisch linksorientierten Menschen als jemand, der sich aus Frustration eine neue öffentliche Bühne suche. Er sei kein Linker, schon gar kein Opfer und fühle sich auch nicht so. Molau wolle jedoch helfend aufklären und informieren. Barlen entgegnete, dass eine Diskussion über Aussteiger ohne Aussteiger seltsam anmuten würde. Eine Primärquelle sei schlicht authentischer und daher unverzichtbar in solchen Debatten. Er begrüßte daher den Mut der Veranstalter, hier voran zu gehen. Niemand verließ diese Veranstaltung vorzeitig. Nach Hinweisen der bpb-Fachbereichsleiterin Extremismus (Hanne Wurzel) auf noch folgende ähnliche Veranstaltungen der bpb in den nächsten Wochen und Monaten beendete Lothar Kopp den Abend mit einem großen Dank an alle Beteiligten! Nicht nur der große Abschlussbeifall unterstrich einen gelungenen und informativ anregenden Abend, sondern auch die Tatsache, dass die letzten Teilnehmenden erst nach einer weiteren Stunde der persönlichen Begegnungen und Gespräche den Saal verließen.

Offline-Networking ...

Einen auszugsweisen Mitschnitt der Beiträge können Sie hier hören oder als mp3 (15 MB) herunterladen:
(© bpb)





Lothar G. KoppZusammenstellung von: Lothar G. Kopp (© privat)



Termin


04.11.2013, von 19:00 bis 20:30

Ort


Bundeszentrale für politische Bildung
Friedrichtsraße 50
4. Stock, Veranstaltungssaal
10117 Berlin

Veranstalter


Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der Amerika-Gedenkbibliothek der »Zentral- und Landesbibliothek Berlin«

Kontakt


Produktverantwortung
Lothar G. Kopp
kopp@bpb.de
Tel +49 (0)30 254504-433

Organisation
Mahyar Nicoubin
nicoubin@bpb.de
Tel +49 (0)30 254504-429

Pressekontakt


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