25 Jahre Mauerfall - Geschichte erinnern, Gegenwart gestalten

25 Jahre Mauerfall - Geschichte erinnern – Gegenwart gestalten

Preisverleihung am 9. Dezember 2014 in Berlin

23.1.2015
Rund um den 25. Jahrestag des Falls der Mauer hat es an vielen Orten Deutschlands große Gedenkveranstaltungen gegeben, die an den 9. November 1989 erinnerten. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb hat dieses Jubiläum zum Anlass genommen, mit dem Wettbewerb "25 Jahre Mauerfall - Geschichte erinnern – Gegenwart gestalten" 25 Initiativen und Persönlichkeiten für ihr herausragendes Engagement bei der Vermittlung dieser Ereignisse zu ehren. Die Preisverleihung fand am 9. Dezember 2014 in der Vertretung des Landes Brandenburg in Berlin statt.

Gäste der Preisverleihung 25 Jahre Mauerfall im Foyer der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund beim Buffet.Gäste der Preisverleihung 25 Jahre Mauerfall im Foyer der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund beim Buffet. (© bpb, Olivier Feist)

Ausgezeichnet wurden Menschen, Initiativen und Projekte der historisch-politischen Bildung, die sich in besonderer Weise um die Vermittlung der historischen Ereignisse des Jahres 1989 verdient gemacht haben. Dazu gehören Gedenkstätten, nationale und internationale Begegnungsstätten oder auch digitale Angebote. Dabei war es für die fünfköpfige Jury nicht einfach, aus den über 250 Vorschlägen die Preisträger zu ermitteln. "Wir hatten alte verdiente Leute und Projekte dabei und mussten einfach Faktoren zur Auswahl entwickeln. Ein Kriterium war zum Beispiel, nicht den staatlichen Institutionen, die auskömmlich finanziert sind, jetzt noch einmal einen Preis zuzuwenden", betonte bpb-Präsident Thomas Krüger, der auch Juryvorsitzender war. Man habe bewusst diejenigen gesucht, die viel Engagement und Kreativität gezeigt und in der Vergangenheit häufiger im Hintergrund gestanden haben. Er ergänzt: "Wir wollten mit diesem Wettbewerb den vielfältigen Initiativen, den vielen Gesichtern, den alten Bekannten, aber auch den unbekannten Geschichten, den alten Vermittlungsformen und vor allem auch den neuen Medien Rechnung tragen."

Gerade die jungen Menschen, die den Mauerfall nicht persönlich erlebt haben, sollen dabei erreicht werden, sagte Thomas Kralinski, Bevollmächtigter des Landes Brandenburg beim Bund in seiner Begrüßung: "Noch sind die europäischen Revolutionen des Jahres 1989 und der Fall der Mauer Bestandteil des gelebten Lebens der meisten Menschen in Deutschland, ganz sicher aber der Menschen in Ostdeutschland." Das werde sich aber ändern, sagte Kralinksi. Dann gehe es darum, "die Bedeutung der friedlichen Revolution auch für nachwachsende Generationen nachvollziehbar zu machen".

Für Birgit Kipfer, Vorsitzende der Stiftung Lernort-Demokratie, die in Pforzheim das einzige DDR-Museum in den alten Bundesländern betreibt, ist es eine tägliche Erkenntnis, wenn Schulklassen zu Besuch kommen. "Die Jugendlichen sind durchaus betroffen und die wenigsten wussten vorher, was sie erwartet", sagte Kipfer, bedauerte aber auch, dass kaum jemand aus eigenem Interesse komme, sondern vielmehr weil es auf dem Stundenplan steht. Die meisten Schüler nähmen es als selbstverständlich hin, dass sie reisen können, wohin sie möchten, und die Freiheit haben zu sagen, was sie wollen. "Wir möchten gerne erreichen, dass sie das wertschätzen lernen vor dem Hintergrund der Geschichte, die auch mal ganz anders war", unterstrich sie, deren Wirken ebenfalls mit dem mit 5.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet wurde.

Unter den Anwesenden waren mit Freya Klier und Stephan Krawczyk auch zwei bekannte DDR-Bürgerrechtler, die sich schon lange vor der Wende gegen den SED-Staat aufgelehnt haben. Beide saßen wegen dieses Engagements im Gefängnis und wurden im Februar 1988 in die Bundesrepublik abgeschoben. Während der Liedermacher Krawczyk für das musikalische Rahmenprogramm auf der Preisverleihung sorgte, wurde die Autorin und Regisseurin Freya Klier für ihren unermüdlichen Einsatz für die Aufklärung über das SED-Regime und für die Gestaltung der Deutschen Einheit ausgezeichnet.

Spielerisch das Leben in der DDR vermitteln möchten die Macher des Brettspiels "Bürokratopoly", das ebenfalls prämiert wurde. Herausgegeben vom DDR-Museum in Berlin, simuliert das Spiel den Aufstieg vom einfachen Arbeiter auf der Karriereleiter der DDR bis hin zum Generalsekretär des Zentralkomitees. Das Spiel wurde bereits 1983 entwickelt und verbreitete sich rasch im politischen Untergrund der DDR. Neu aufbereitet von Pädagogen, Historikern und Spieleexperten soll es nun Schülern ab der 9. Klasse auf einem alternativen Weg das gesellschaftliche und politische Leben in der DDR nahe bringen.

Ein Sonderpreis vergab der Medienpartner der Veranstaltung, die Zeitschrift SUPERillu. Das Blatt stellte seinen Lesern sechs Menschen zur Wahl, die sich dafür engagieren, DDR-Geschichte zu erzählen. Diesen Publikumspreis hat mit großem Vorsprung Matthias Taatz aus Mühlberg in Brandenburg gewonnen. Der Pfarrer setzte sich dafür ein, dass aus dem einstigen sowjetischen Speziallager Mühlberg, in dem in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts viele SED-Gegner umkamen, eine Gedenkstätte wurde. Matthias Taatz hat gemeinsam mit ehemaligen Häftlingen des Lagers nach dem Mauerfall ehrenamtlich die Gedenkstätte aufgebaut. Dort wird an die Tausenden Todesopfer erinnert und die komplizierte Geschichte des Lagers, die eng mit der gewaltsamen Machtergreifung der SED nach dem Krieg verknüpft ist, differenziert erzählt.



 

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