25 Jahre Mauerfall - Geschichte erinnern, Gegenwart gestalten

23.1.2015

"Gegen das Vergessen"

Das DDR-Museum Pforzheim

Seit 2001 informiert in Pforzheim, Baden-Württemberg das einzige Museum der westdeutschen Bundesländern über die Geschichte der DDR, das Leben in einer Diktatur und über Repression und Verfolgung. Dafür wurde das Museum in der Kategorie "Organisation" ausgezeichnet.

Birgit Kipfer, Vorsitzende der Stiftung "Lernort Demokratie – Das DDR-Museum Pforzheim"Birgit Kipfer, Vorsitzende der Stiftung "Lernort Demokratie – Das DDR-Museum Pforzheim" (© bpb)

"Eine Demokratie ist nicht einfach da, und – vor allem – sie bleibt nicht von allein. Eine lebendige, demokratische Gegenwart braucht das Erinnern an Unfreiheit, Willkür, Missachtung der Menschenrechte in der Vergangenheit genauso wie das aktive Tun in der Zivilgesellschaft von heute. Genau dies lehrt uns das DDR-Museum Pforzheim. Tief im Südwesten der Republik gelegen, zeigt es uns, dass die Erinnerung an das Unrecht der SED-Diktatur eine gesamtdeutsche Aufgabe ist."

So beschreibt Bundespräsident Joachim Gauck in seinem Grußwort auf der Website der Stiftung Lernort-Demokratie das einzige DDR-Museum im Westen Deutschlands, das seit dem Jahr 1998 in einer umfangreichen Ausstellung viele Facetten des totalitären Systems der DDR zeigt und so die Auseinandersetzung mit unserer jüngeren Geschichte und ihre Aufarbeitung ermöglicht.

Die Geschichte des Museums begann mit Klaus Knabe (1939-2012), der kurz vor dem Mauerbau im Jahr 1961 mit seiner Frau nach West-Berlin flüchtete. Knabe blieb in ständiger Verbindung mit seiner alten Heimat und erlebte sogar den Fall der Mauer während eines Besuchs in der DDR. Seit der Maueröffnung führten ihn seine Wege noch häufiger in den Ostteil der Republik, und er nahm alles mit, was so plötzlich über Nacht keinen Wert mehr zu haben schien: von Protokollen, diversen Täterakten, Plänen für die Machtübernahme in West-Berlin über Teile einer Grenzanlage bis hin zu Gefängnistüren aus den verschiedenen Stasi-Gefängnissen - Klaus Knabe sammelte mithilfe von Freunden aus Ost und West in mühevoller und jahrelanger Arbeit alles ein. Fündig wurde er unter anderem an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, in ehemaligen Stasi-Gefängnissen und bei anderen Sammlerkollegen.

Am 12. September 1998 eröffnete das "DDR-Museum" mit Knabes "Sammlung zur Geschichte der DDR" in einem ehemaligen Kindergarten der französischen Streitkräfte in Pforzheim. Im Jahr 2000 gründeten Knabe und weitere Mitwirkende den Verein "Gegen das Vergessen e.V.", dem Joachim Gauck bis zum Jahr 2012 vorstand.

Klaus Knabe und Mitglieder dieses Trägervereins haben mit großem ehrenamtlichem Engagement dazu beigetragen, dass das DDR-Museum mit Leben gefüllt wird und ein Ort lebendiger deutscher Geschichte entstehen konnte. Seit 2003 präsentiert der Verein mit Unterstützung der Stadt Pforzheim und der "Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" das "lebendige Geschichtsbuch" auf mittlerweile insgesamt drei Stockwerken in vierzehn Räumen.

Nach dem Tod des Gründers wurde im Jahr 2012 u.a. mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg und mit Unterstützung der bundesweiten Vereinigung "Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V." die gemeinnützige Stiftung "Lernort Demokratie – Das DDR-Museum Pforzheim" gegründet. Mit dem Betrieb des Museums verfolgt die Stiftung ihr Ziel, auch fernab der ehemaligen innerdeutschen Grenze die Geschichte der beiden deutschen Staaten als eine gesamtdeutsche in Erinnerung zu rufen. Als "Lernort Demokratie" dient die Vergangenheit als Ausgangspunkt, um nach vorne zu blicken und das Verständnis von Demokratie immer wieder zu hinterfragen.

Bisher besuchten rund 4000 Menschen das Museum pro Jahr: ca. 80 Schulklassen, rund 50 ehrenamtlich geführte Gruppen, Besucher zu den sonntäglichen Öffnungszeiten - allerdings mit abnehmender Tendenz.

Birgit Kipfer, die Vorsitzende der Stiftung "Lernort Demokratie – Das DDR-Museum Pforzheim" und Preisträgerin des Wettbewerbs "25 Jahre Mauerfall - Geschichte erinnern – Gegenwart gestalten", erklärt dieses sinkende Interesse aus ihrer Erfahrung heraus unter anderem damit, dass das Museum momentan für Lehrer und Schüler häufig noch als Ersatz für einen überfüllten Lehrplan herhalten muss. Zahlreiche Lehrer schickten ihre Schüler kurz vor den Sommerferien dankbar in die Ausstellung, um den Geschichtsstoff der deutsch-deutschen Teilung noch abzuarbeiten. Sowohl Lehrer als auch Schüler greifen die Thematik oftmals nicht freiwillig und aus einem wirklichen Interesse heraus auf, sondern begreifen sie lediglich als etwas, was man lernen muss.

Kipfer betont, dass die Schüler nach der Führung durch die Ausstellung häufig durchaus betroffen seien und nachdenklicher werden, aber das reicht der Stiftungsvorsitzenden nicht: "Wir wollen das noch verstärken, weil uns das noch nicht genug ist. Die Schüler neigen dazu, das alles als Geschichte hinter sich zu lassen – das war Geschichte – und wir wollen den Gegenwartsbezug eigentlich gern noch herstellen."

Aus diesem Grund sind die Stiftungsmitglieder und ihre Mitarbeiter gerade dabei, die Konzeption der Dauerausstellung für die modernen Rezeptionsgewohnheiten junger Menschen neu zu erarbeiten. Bestimmte Themen werden ausdifferenziert und mit Objekten, Bildern und Tondokumenten veranschaulicht, die jeweils ihre eigene Geschichte erzählen. Tablet-PCs sollen den Besuchern ermöglichen, an einzelnen Stationen vertiefende Informationen abzurufen. Ein Ausstellungsdesigner wurde beauftragt, die Umsetzung der Konzeption zu planen. Darüber hinaus bietet das Museum Lehrerfortbildungen und zahlreiche Veranstaltungen zu Gedenktagen an.

Zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 2015 wird das Museum als "Lernort Demokratie" neu präsentiert. Insbesondere für junge Menschen soll das Museum dann ein Ort sein, an dem offen über aktuelle und vergangene Krisen, Probleme und Herausforderungen diskutiert wird.


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