Tagung "Opa war in Ordnung!"

1.6.2015 | Von:
Gereon Schloßmacher

Arbeitsgruppe (Do.): Täterorte und extreme Rechte

Über den Umgang mit baulichen Relikten des NS-Regimes wird seit Jahren heftig diskutiert. Die extreme Rechte ist von dem vermeintlich authentischen Ort fasziniert und nutzt ihn für propagandistische Zwecke wie auch für einen profanen Familienausflug. Die nazistischen Inszenierungen stellen Politik, Wissenschaft und Bildung vor Herausforderungen.

Kirsten John-Stucke, Kreismuseum Wewelsburg
Stefan Wunsch, Akademie Vogelsang IP – NS-Dokumentation Vogelsang
Moderation: Heiko Klare, Geschichtsort Villa ten Hompel, Münster

Moderator Heiko Klare startete mit drei Thesen in die Arbeitsgruppe, zu denen sich die Teilnehmenden positionieren sollten. "Täterorte seien Attraktionen" - die überwiegende Mehrheit bestätigte die These als zutreffend, andere Stimmen in der Diskussionsrunde verneinten die Aussage jedoch, da von NS-Gedenkstätten keine Attraktion im Sinne einer ästhetischen Wirkung ausgehe. Insgesamt war sich die Gruppe einig, dass keine Gedenkstätte einen "Disneyland-Charakter" erhalten solle und dass es deshalb wichtig sei, über Geschichte und Funktion der jeweiligen Stätte aufzuklären.

Der Aussage "Bildungsarbeit an Täterorten sei einfacher als an einem Opferort" konnte hingegen keiner der Teilnehmenden unkommentiert zustimmen. Ein Erinnerungsort, der einen stärkeren Bezug zum Thema "Täterschaft" aufweise, ermögliche weder einen leichteren noch schwereren Zugang als ein Ort mit dominanter "Opferperspektive".

Ein Teilnehmer widersprach der These "Täterorte sind ein wesentlicher Teil der Erinnerungskulturen" mit dem Hinweis, dass "Täterorte" erst heutzutage mehr im Mittelpunkt der historischen Auseinandersetzung stünden. Gedenkstätten seien jedoch schon zuvor der Ausgangspunkt für diese Erinnerungskultur gewesen.

Im Anschluss an die einführende Gruppendiskussion erfolgten die Präsentationen von Stefan Wunsch über die NS-Ordensburg Vogelsang und von Kirsten John-Stucke über das Kreismuseum Wewelsburg. Beide Einrichtungen dienten als Beispiele für historische "Täterorte" und wurden in ihrer Geschichte von der Errichtung bis in die heutige Zeit kurz vorgestellt. Anschließend beschäftigten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen mit der Frage, wie die beiden Orte in der rechten Szene rezipiert und instrumentalisiert würden.

Im Rahmen der Ergebnispräsentation konzentrierte sich die Diskussion zu Beginn auf die Frage, wie adäquat mit rechten Besuchergruppen umgegangen werden könne. Ein bewährtes Mittel sei die Brechung der für die rechtextreme Szene attraktiven Atmosphäre des Ortes durch kreative Mittel. In der Wewelsburg würden beispielweise bunte Sitzsäcke in sakral angelegten Raumarchitekturen angewandt, in Vogelsang hingegen Kunstobjekte und Schulprojekte zur Brechung von Denkmälern eingesetzt (Dekonstruktion von Entmystifizierung).

Abschließend wurde festgehalten, dass es als ein zwingendes "Muss" erscheine, die "Aura" der entsprechenden Orte zu brechen, um eine Mystifizierung und den Erlebnischarakter für die rechte Szene zu erschweren. Außerdem erscheine eine Bildungsarbeit ohne das Einbeziehen von Opferperspektiven gefährlich, da dies einschlägige Interpretationen der Orte begünstige. Schließlich solle stets eine Multiperspektive auf die Besucher eingehalten werden: An wen richten sich Ausstellungen und Angebote? Wer besucht "Täterorte" außerhalb der rechten Szene und welchen Interessen sollte man hier begegnen?