Tagung "Opa war in Ordnung!"

Martin Langebach: "8. Mai - Wir feiern nicht!"?


1.6.2015
Seit der Rede von Richard von Weizsäcker 1985 nimmt die extreme Rechte verstärkt den 8. Mai zum Anlass von Protesten und für Agitation.

Martin Langebach von der Bundeszentrale für politische Bildung machte am zweiten Tag den Aufschlag. Seinen Vortrag hatte er unter den Titel "8. Mai - Wir feiern nicht!" gestellt, womit er von der multinationalen Perspektive Jost Dülffers vom Vorabend wieder zurück auf das konkrete Tagungsthema kam und über die Bedeutung des 8. Mai in der Erinnerungspolitik der extremen Rechten referierte.

Die am Vortag bereits vielzitierte Rede Richard von Weizsäckers zum 8. Mai habe den Tag auch bei der extremen Rechten in Deutschland erstmals in den Fokus gerückt. Zuvor, führte Langebach aus, war das Thema in der Szene nicht relevant. Das habe sich dann 1985 mit der Rede zum "Tag der Befreiung" schlagartig geändert: Breite Kritik von Rechtsaußen habe sie hervorgerufen, u.a. durch den deutschen rechtsextremen Publizistin Peter Dehoust oder den britischen Holocaustleugner David Irving.

Zehn Jahre später – zum 50. Jahrestag – habe es dann eine Publikationsflut der extremen Rechten gegeben, die auch eben diese Rede ausführlich behandelte. Wiederum zehn Jahre später, zum 60. Jahrestag, demonstrierten in Berlin 3.000 Neonazis unter dem von der NPD initiierten Slogan "Wir feiern nicht!". Der "Kampagnentitel" habe sich bis heute gehalten.

Zwar habe es Demonstrationen und Aufmärsche dieser Größenordnung in den Folgejahren zum 8. Mai nicht mehr gegeben, dann hätten Rechtsextreme jedoch die vorpommersche Kleinstadt Demmin für sich entdeckt. Demmin, erklärte der Referent, sei im Frühjahr 1945 von der Roten Armee eingenommen worden, zwischen 500 und 1.000 Einwohner haben sich damals das Leben genommen, vor allem Frauen und Kinder. Die genauen Gründe für diese maßlose Welle von Selbsttötungen seien bis heute nicht genau geklärt. Angst vor Racheakten der Roten Armee hätte es vielerorts gegeben, zu Selbstmorden dieses Ausmaßes sei es jedoch in keiner anderen Stadt gekommen.

Im Jahr 2006 zogen erstmals 120 Neonazis durch Demmin, damals noch am 6. Mai. Seit 2008 konzentrierten sich die Organisatoren ohne Unterbrechung auf den 8. Mai. Demmin würde dabei als historischer Anker für die eigene politische Agenda aufgegriffen, so Langebach. Unter Slogans wie "Freiheit zertrümmert. – Kein Vergeben Kein Vergessen" und eben auch "8. Mai 1945 – Wir feiern nicht!" zögen Rechtsextreme – darunter auch NPD-Politiker wie der mecklenburg-vorpommersche Landtagsabgeordnete Udo Pastörs - jährlich in einem Fackelzug durch die Stadt. Demmin sei so über die Jahre für die extreme Rechte zum Symbol einer "Vernichtungspolitik am deutschen Volk" geworden und die zentrale Stätte rechtsextremer Erinnerungspolitik zum 8. Mai 1945.

Die Bedeutung des bereits am Vortag viel thematisierten Täter-Opfer-Schemas wurde auch bei Langebach wieder deutlich. In den Raum stellte er abschließend, welche "Freiheit" die extreme Rechte meine, die 1945 "zertrümmert" worden sei.



 

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