Tagung "Opa war in Ordnung!"

1.6.2015 | Von:
Gereon Schloßmacher

Arbeitsgruppe (Fr.): Rechtsextreme Mythen... Eine Herausforderung für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit

Immer wieder erleben in der Bildungsarbeit Tätige, wie revisionistische Geschichtsbilder und relativierende Bewertungen des Nationalsozialismus übernommen werden. Die Vielzahl an Informationsmöglichkeiten, die vor allem das Internet bietet, lassen rechtsextreme Texte, Bilder oder Zeitzeugen als vermeintliche vertrauenswürdige Quellen erscheinen.

Sarah Kleinmann, Kulturwissenschaftlerin und Trainerin in der außerschulischen politischen Bildung, Stuttgart
Jens Tanzmann, Lehrer für Geschichte und Sozialwissenschaften, Geschwister-Scholl-Gymnasium Pulheim
Moderation: Hanna Huhtasaari, Bundeszentrale für politische Bildung

Jens Tanzmann vom Geschwister-Scholl-Gymnasium berichtete von rechtsextremen Aktivitäten in Pulheim, die vor allem in Form von Aufklebern und Graffitis bereits seit circa zehn Jahren in der Stadt zu beobachten seien. Oft zu sehen seien Slogans wie "Mord an Hess", "Dresden 1945 Massenmord" oder eben "8. Mai – Wir feiern nicht!". Auch sei es bereits zur Bedrohung eines aktiven Schülersprechers durch die Autonomen Nationalisten Pulheim gekommen. Mittlerweile sei die Gruppierung in der Partei DIE RECHTE aufgegangen, jedoch weiterhin auch an der Schule sehr aktiv. Als absoluten Tabubruch habe das Gymnasium dann 2012 ein Graffiti an der Schule mit dem Wortlaut "Lernen macht frei" empfunden.

Anschließend referierte Tanzmann über die verschiedenen Maßnahmen, die an der Schule als Reaktion ergriffen wurden, darunter "Putztage gegen Schmierereien", die Aufstellung einer "Braunen Tonne" für rechtsextreme Flyer, Fortbildungen für das Lehrpersonal, das Verbot von Kleidung der Marke "Thor Steinar", die Vermittlung von Ausstiegsangeboten, ein striktes Propagandaverbot, Zeitzeugengespräche und den Einsatz für Stolpersteine in Pulheim.

Auf Nachfrage berichtete Tanzmann, dass die Maßnahmen unterschiedliche Resonanz hervorriefen: in der Schule gebe es große Unterstützung, im Ort sei das unterschiedlich. Dort gebe es den Vorwurf, die Schule bausche die Problematik künstlich auf.

Sarah Kleinmann, die in Stuttgart in der außerschulischen politischen Bildung arbeitet, gab im Anschluss Beispiele für die Konfrontation mit rechtsextremen Mythen: So sei das Konzentrationslager Hailfingen durch den dortigen NPD-Kreisrat dahingehend umgedeutet worden, dass der Einsatz von Arbeitern notwendig zur "Abwehr des alliierten Bombenterrors" gewesen sei. Ähnlich verdreht werde die Erinnerung an den Einmarsch der französischen Truppen.

Ein großes Problem in der Bildungsarbeit sei das große Unwissen breiter Bevölkerungsschichten über lokale historische Zusammenhänge. Leicht könnten dann rechtsextreme Argumentationsmuster verbreitet werden, die speziell die jeweils ansässige Bevölkerung als Opfer darstellten. Wichtiger Bestandteil der Arbeit seien daher Argumentationstrainings, in denen geübt werde, Positionen kurz und knapp verdeutlichen zu können. Außerdem dürfe man nicht belehrend wirken und müsse auch ein Scheitern akzeptieren können. Ein Patentrezept gäbe es schließlich nicht.

Generell nicht sinnvoll sei Argumentation gegenüber organisierten und daher trainierten Kadern. Hier sei es ratsamer, Stellung zu beziehen und innerhalb der Schule Aussagen dann gegebenenfalls zu unterbinden.

Abschließend betonte Kleinmann, dass es eine verbreitete Falschannahme sei, einmalige Argumentationstrainings könnten Probleme beheben. Kontinuierliche Maßnahmen und Fortbildungen seien gerade in der Lehrerbildung unbedingt notwendig.