Gedenkstätte Katyn bei Smolensk

Katastrophe, Katyn, Katharsis

Polen zwischen Deutschland und Russland 1939-1941



Im Mittelpunkt dieser kompakten Konferenz mit renommierten Historikern/-innen, Publizisten/-innen und Journalisten/-innen wurde die besondere Lage Polens 1939 vor dem Hintergrund des Hitler-Stalin-Paktes erörtert und aus unterschiedlichen Perspektiven reflektiert. Denn während man in Polen sowohl die Aggression Nazideutschlands als auch die der Sowjetunion gegen das Land in einem Kontext sah und sieht, verleugnet man den Zusammenhang im heutigen Russland teilweise bis heute. Aber auch in der deutschen Öffentlichkeit wird hauptsächlich die deutsche Aggression thematisiert, während man an den russischen Überfall auf Polen verbunden mit dem Tod von Hunderttausenden polnischer Bürger nur selten erinnert. Katyn steht dafür als Beispiel.

Entdeckung der Massengräber von Katyn durch deutsche Truppen, 13. April 1943 (© picture-alliance/akg)
Für die politisch-historische Bildung sind unterschiedliche Perspektiven auf den letzten Weltkrieg integraler Bestandteil von Diskursen. Deshalb werden auch die Sichtweisen aus einigen Ländern des ehemaligen Ostblocks beleuchtet werden. Wo wir heute stehen hat mit dem Gestern viel zu tun. Insofern gilt es, ein thematisches Spannungsfeld mit Nachwirkungen bis in unsere Zeit hinein mit unterschiedlichen Sichtweisen neu zu denken. Heute verarbeiten Deutsche und Polen faktenorientiert und ohne ideologische Schranken zusammen auch die schwierigsten Kapitel der gemeinsamen Geschichte. Warum dies mit Russland in ähnlicher Weise noch nicht möglich scheint und welche Voraussetzungen es dazu geben müßte, war eine der Fragen dieser Konferenz.

PDF-Icon Programm (125 KB)

Hinweis: Alle Vorträge und Stellungnahmen sind komplett schriftlich vorhanden und herunterladbar. Leider sind die aufgezeichneten Vorträge von Herrn Stach und Frau Zloch nur teilweise audiotechnisch aufgezeichnet, der Vortrag von Frau Kaminsky wegen eines unerklärlichen technischen Aussetzers nicht vorhanden.

Sie haben die Veranstaltung verpasst oder wollen Sie zu Hause noch einmal rekapitulieren? Dann können Sie sich diese hier anhören, indem Sie sich durch die einzelnen Vorträge klicken.

 Begrüßung Kopp, Einleitung Stach, Eröffnungsvortrag Ruchniewicz

Begrüßung Kopp, Einleitung Stach, Eröffnungsvortrag Ruchniewicz

Zwischen Nazideutschland und Sowjetrussland - Polens geopolitische Lage 1939-1945 und die Umstände des Massenmordes von Katyn. Vortrag von Prof. Krzysztof Ruchniewicz.

Krzysztof Ruchniewicz / Wrocław

Zwischen Nazideutschland und Sowjetrussland - Polens geopolitische Lage 1939 - 1945 und die Umstände des Massenmordes von Katyn

Auf der Karte des europäischen historischen Gedächtnisses spielen die Jahrestage eine Rolle von Informationswegweisern. Sie aktivieren die Personen und Institutionen, die sich mit der Erinnerung an die Vergangenheit beschäftigen, sie regen die letzten Zeitzeugen zur Weitergabe ihres Zeugnisses an, schließlich wecken sie das Interesse der Öffentlichkeit für bestimmte historische Fakten, die nach Jahren als fundamental erachtet werden. Weiter...

Ingo Loose (Institut für Zeitgeschichte München-Berlin)

Polen in Hitlers Ostraumstrategie, die deutsche Besatzungspolitik und die Instrumentalisierung der Morde von Katyń (PDF-Datei, 173 KB)

Als Polen 1918 unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs nach über 120 Jahren wieder als souveräner Staat auf der europäischen Landkarte erschien, gab es vor allem im Deutschen Reich nicht wenig Stimmen, die dem neuen östlichen Nachbarn, an den im Versailler Vertrag noch Gebiete abgetreten werden müssten, keine große Zukunft verließen - der polnische Saisonstaat werde nicht lange überleben. Ironischerweise war es ausgerechnet Adolf Hitler, der nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten die deutschen Beziehungen zu Polen vermeintlich zu verbessern schienen. Weiter...

Dietmar Müller

Der Umgang mit dem Hitler-Stalin-Pakt und der kurzlebigen Allianz zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion in den Erinnerungskulturen der Europäer

Seit dem 2. April 2009 gibt es einen "europaweiten Gedenktag an die Opfer aller totalitären und autoritären Regime" – er wurde durch eine Entschließung des Europäischen Parlaments installiert und soll jährlich am 23. August begangen werden. Der Gedenktag geht zurück auf eine Initiative von Europaparlamentariern, deren Kern aus ostmitteleuropäischen Abgeordneten bestand: Ursprünglich wollten sie den Hitler-Stalin-Pakt ins Zentrum des Gedenkens stellen, ließen sich dann jedoch maßgeblich von westeuropäischen Abgeordneten zu dem Kompromiss überzeugen, dies unter dem umfassenderen Begriff "Totalitarismus" zu tun. Weiter...

Andrzej Stach

Der lange Kampf der polnischen Exilregierungen und der politischen Emigration im Westen gegen das Vergessen der sowjetischen Verbrechen

Nach vielen Jahrzehnten des erzwungenen Schweigens, der Verleugnung und falscher Schuldzuweisungen seitens der Sowjetunion und danach teilweise Russlands sind die Massenmorde im Wald von Katyn und an einigen anderen Orten in der Sowjetunion aufgeklärt. Man weiß, warum und wo 1940 etwa 25.000 gefangene polnische Offiziere, Unteroffiziere, Polizisten, Staatsbeamte, Künstler, Intellektuelle und Priester auf Befehl von Josef Stalin erschossen wurden. Weiter...

Anna Kaminsky

Denkmäler zur Erinnerung an das Verbrechen von Katyn

Weltweit erinnern mehr als 5.000 Denkmäler, Gedenkstätten und Museen an die Verbrechen der kommunistischen Herrschaft. Sie wurden errichtet, um an die Opfer zu erinnern, um Tatorte wie bspw. Lager, Gefängnisse, Massengräber und Erschießungsorte zu markieren. Denkmäler wurden Personen gewidmet, die als Opfer, Märtyrer oder Helden in der jeweiligen Erinnerung festgehalten sind. Weiter...

Stephanie Zloch

Der Hitler-Stalin-Pakt 1939 und Katyn 1940 in deutschen, polnischen und russischen Schulbüchern

Zum Massaker von Katyn 1940 wäre es ohne den Hitler-Stalin-Pakt, der sieben Monate vorher zwischen Deutschland und der Sowjetunion geschlossen worden war, wohl nicht gekommen. Gleichzeitig zeigt Katyn, dass es sich beim Hitler-Stalin-Pakt nicht bloß um einen diplomatischen Überraschungscoup handelte, der die in den 1930er Jahren hektisch geschlossenen internationalen Bündnisse, Pakte und Abkommen um ein weiteres, wenngleich bemerkenswertes Kapitel ergänzte, sondern dass sich auf Grundlage dieses Paktes in Ostmitteleuropa innerhalb kürzester Zeit deutsche und sowjetische Besatzungsregimes etablieren konnten, die – bei allen Unterschieden im Einzelnen – Kriegsverbrechen begingen sowie Repressionen und Vernichtungsaktionen gegen die Zivilbevölkerung ins Werk setzten. Weiter...

Claudia Weber

Krieg der Täter. Die Massenerschießungen von Katyń

Im Frühjahr 1943 machten deutsche Besatzungstruppen in der Nähe des russischen Dorfes Katyń einen grauenvollen Fund: Massengräber mit Tausenden Toten. Wer für das Verbrechen verantwortlich war, war zu diesem Zeitpunkt längst bekannt, und doch drehte sich die Geschichte der Massenerschießungen von Katyń Jahrzehnte um die Frage, ob nun das "Dritte Reich" oder Stalins Sowjetunion das brutale Kriegsverbrechen begangen hatten, dem im Frühjahr 1940 über 22 000 polnische Armeeangehörige zum Opfer gefallen waren: die in sowjetische Kriegsgefangenschaft geratenen Offiziere der polnischen Armee waren auf Befehl Stalins vom NKVD ermordet worden. Weiter...

Marek Zybura

Katyn und andere sowjetische Verbrechen an polnischen Bürgern

Ende der 80er Jahre meinte Czesław Miłosz zu Katyn: "Solange es Russland geben wird, wird dieses Verbrechen es belasten und zum Himmel nach Rache schreien." Der Nobelpreisträger formulierte dieses Urteil vor dem Hintergrund eines zu diesem Zeitpunkt schon fast 50-jährigen hartnäckigen "Beschweigens" des Massakers durch die Sowjetunion. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass binnen weniger Jahre der russisch-kommunistische Staat im Orkus der Geschichte verschwinden und sein Totengräber, Boris Jelzin, die russische Schuld und Verantwortung an jener Tat eingestehen, den Mordbefehl publizieren und die russische Militärstaatsanwaltschaft mit der Untersuchung des Falles beauftragen wird. Weiter...

 

Event series

Mapping Memories

Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops. Weiter... 

Fachkonferenz

Konferenz zur Holocaustforschung

Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft. Weiter... 

TiT-Veranstaltungsreihe

Themenzeit im Themenraum

Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung. Weiter... 

Veranstaltungsreihe

Checkpoint bpb – die Montagsgespräche

Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers. Weiter... 

Veranstaltungsreihe

What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden. Weiter... 

Blog zur Fachkonferenz

Medienkompetenz 2014

Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Weiter... 

bpb-magazin Cover-Bildbpb:magazin

bpb:magazin 2/2015

Die neue Ausgabe des bpb:magazins ist dem Thema Flucht gewidmet. In Reportagen, einem Glossar und Berichten werden zentrale Aspekte der Debatte aufgegriffen. Außerdem bietet das Heft Beiträge zum Arabischen Frühling, dem Thema Mediennutzung und Datensicherheit sowie zahlreiche Hinweise aus bpb-Angebote und eine umfangreiche Backlist. Weiter... 

Coverbild Didaktik der inklusiven politischen BildungSchriftenreihe (Bd. 1617)

Didaktik der inklusiven politischen Bildung

Die Publikation geht der Frage nach, wie durch politische Bildung, inklusiv geplant und gestaltet, die politische Teilhabe aller ermöglicht werden kann. Denn Inklusion ist ein Menschenrecht, eine Aufgabe für alle. Der Fokus liegt auf der Förderung der Politikkompetenz von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Weiter... 

Coverbild FlüchtlingeThemenblätter im Unterricht (Nr. 109)

Flüchtlinge

Die öffentliche Diskussion wird derzeit beherrscht von der wachsenden Zahl an Flüchtlingen in Deutschland – und nicht selten auch von Angst. Um Ängsten zu begegnen, braucht es vor allem eins: Information! Woher kommen Flüchtlinge, wohin fliehen sie, und warum? Und was hat das alles mit der Stadt Dublin zu tun? Weiter... 

Bundeskongress Politische Bildung, EröffnungBlog

Bundeskongress Politische Bildung

Mehr als 900 Teilnehmer diskutierten auf dem Bundeskongress Politische Bildung (21.-23.5) über das Zeitalter der Partizipation. Impressionen, Interviews und Artikel zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Blog zum Bundeskongress. Weiter...