Veranstaltungen: Dokumentation

21.9.2016 | Von:
Andrea Rögner-Francke

Gestrandet: "Ein Film für mehr Mitmenschlichkeit"

Regisseurin Lisei Caspers im Interview

Anfang 2014 erfährt die junge Regisseurin Lisei Caspers, dass eine Gruppe eritreischer Flüchtlinge in der Nähe ihres Heimatdorfes untergebracht werden. Sie entscheidet sich, den Weg der Asylbewerber filmisch zu begleiten. Der Dokumentarfilm "Gestrandet" schildert die Nöte der Asylbewerber und die Sorgen der ehrenamtlichen Betreuer. Er zeigt jedoch auch, wie sie voneinander lernen und zu einem größeren Verständnis gelangen. Lisei Caspers im Interview mit der bpb.

Gestrandet: "Ein Film für mehr Mitmenschlichkeit"Gestrandet: "Ein Film für mehr Mitmenschlichkeit" (© Pandora)

Sie sind für den Dreh in ihren Heimatort zurückgekehrt. Wie wichtig war es, dass Sie dort bekannt waren und sich selbst auch "auf vertrautem Terrain" bewegten? Hätten Sie den Film auch in Bayern oder Sachsen drehen können?

Meine ursprüngliche Idee war es, einen Film zu drehen, der auf kulturelle Unterschiede fokussiert. Das ostafrikanische Element in Ostfriesland – das war ein sehr starker Gegensatz und der Impuls für mich, mich diesem Thema zu widmen. Deshalb musste der Film natürlich in Ostfriesland spielen. Doch im Laufe des Drehs habe ich gemerkt, dass diese Thematik gar nicht wichtig ist. Vielmehr sind während der Arbeitszeit die Geschichten der fünf Flüchtlinge aus Eritrea und das Zusammenspiel mit ihren ehrenamtlichen Helfern in den Vordergrund gerückt. Und ich denke, ähnliche Geschichten hätte man auch anderswo in Deutschland oder Europa finden können.

Also hat sich das Konzept für Ihren Film im Laufe der Arbeit geändert?

Es hat sich sehr gewandelt. Ich hatte zu Beginn einen ganz anderen Fokus gelegt. Dann merkte ich, dass es für andere Menschen wichtig wäre, das Zusammenspiel der eritreischen Flüchtlinge und der ehrenamtlichen Helfer miterleben zu können. Und: Bei Drehbeginn im Jahr 2014 war die große "Flüchtlingswelle" noch gar nicht da. Während des Drehs verschärfte sich in Deutschland die Gesamtsituation. Daher haben wir uns entschieden, in dem Film auch zu fragen, was auf uns als Gesellschaft zukommt.

Lisei CaspersLisei Caspers (© Pandora)
Sie haben 1 1/2 Jahre an dem Film gedreht. Was waren die Gründe für die lange Drehzeit?

Wir wollten beobachten, was wirklich passiert. Wir wollten den Prozess begleiten und nicht nur kurz eintauchen, um zu schauen, wie das Ankommen ist. "Ankommen" ist ein weiter, sehr flexibler Begriff. Manche kommen vielleicht schneller an, Andere brauchen Jahre. Und Einige kommen vielleicht auch nie an. Deshalb war dieser Zeitraum von 1 ½ Jahren extrem wichtig, um wenigsten den Anfang der Geschichten dokumentieren zu können.

Welche Bedeutung hatte der Filmdreh für die Protagonisten?

Am Anfang war es, das merkt man auch sehr im Film, eine sehr große Euphorie. Alle waren sehr freudig. Deutlich wurde das etwa bei den Dorferkundungen mit dem ehrenamtlichen Helfer Helmut Wendt. Im Laufe der Zeit bricht das und es wird immer schwieriger für die Protagonisten. Bis zu dem Punkt, dass wir den Dreh abbrachen, weil sie uns darum gebeten hatten. Es wurde für sie zu anstrengend. Als Zuschauer erlebt man diese Talfahrt, wenn man den Film anschaut. Man kann dann ihre Frustration sehr gut nachempfinden. Das ist aus meiner Sicht eine Stärke des Filmes.

Gibt es eine Botschaft, die Sie mit ihrem Film vermitteln möchten?

Auch wenn jeder Film allein für sich steht, ging es mir persönlich dabei um Mitmenschlichkeit: Wie gehen wir miteinander um? Was können bzw. dürfen wir erwarten? Generell war das Thema Erwartungen für mich zentral. Ich wünsche mir, dass der Film einen Ruf nach einem anderen Umgang untereinander oder miteinander auslöst. Und zwar keineswegs beschränkt auf Flüchtlinge, sondern in Bezug auf alle Mitmenschen.

Im Rahmen der Open Air Kinoreihe "Fluchtgeschichten" zeigte die bpb den Film. Das Interview führte Andrea Rögner-Francke.


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