Ein deutscher Soldat im Gespräch mit einem Einheimischen nahe Camp Castor in Mali, Mai 2017

15. Bensberger Gespräche 2018

Entwicklungszusammenarbeit und Auslandseinsätze der Bundeswehr im Rahmen deutscher Sicherheitspolitik: Kooperation und Vernetzung

Vom 5.-7. Februar 2018 in Bergisch Gladbach - Bensberg

Eine Vielzahl von außen‐, sicherheits‐ und entwicklungspolitischen Akteuren engagiert sich in fragilen und von Konflikt betroffenen Ländern für die Schaffung und Erhaltung von Frieden. Eine effektive Zusammenarbeit zwischen zivilen und militärischen Akteuren wird jedoch durch unterschiedliche Werte- und Zielvorstellungen sowie Handlungsansätze erschwert. Die 15. Bensberger Gespräche beleuchteten die jeweiligen Interessen und Ansätze von entwicklungspolitischen Projekten und von Einsätzen der Bundeswehr im Ausland. Die Kooperationsveranstaltung der Bundeswehr und der Bundeszentrale für politische Bildung diente dem Austausch zwischen Angehörigen der Bundeswehr und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der politischen Bildung.

Der erste Veranstaltungstag thematisierte nach Begrüßung und inhaltlicher Einführung in das Tagungsthema die Zusammenhänge von Entwicklung und Sicherheit. In Vortrag und anschließender Podiumsdiskussion wurden Möglichkeiten und Probleme des vernetzten Ansatzes in der Entwicklungszusammenarbeit diskutiert.

Der zweite Tag nahm mit Impulsvorträgen zur vernetzten Sicherheit und vernetztem Handeln diesen Faden wieder auf. Die darauf aufbauende Diskussion ließ die Herangehensweisen von militärischen und zivilen Akteuren deutlich werden. Fünf Workshops am Vor- und Nachmittag widmeten sich aktuellen Fragestellungen der zivil-militärischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit. Berichte aus Afghanistan und Afrika standen neben Überlegungen zur Seenotrettung im Mittelmeer und zur Bedeutung der Organisierten Kriminalität für die Entwicklungschancen von Ländern.

Ein Vortrag über globale Herausforderungen und die Aufgaben der Entwicklungspolitik leitete den dritten Tag der 15. Bensberger Gespräche ein. Gleichermaßen wurden die Zukunftsaufgaben für die deutsche Sicherheitspolitik und zivil-militärische Kooperation beleuchtet. Eine Podiumsdiskussion befasste sich lebhaft mit möglichen Wegen hin zu einer neuen Kultur der Kooperation in der Entwicklungszusammenarbeit. Mit einem Fazit und Ausblick wurde die Veranstaltung, die die Chancen und Dilemmata des vernetzten Ansatzes veranschaulichte, beschlossen.

Auf dieser Seite finden Sie eine Dokumentation aller Programmpunkte der Tagung.

Das Programm der Tagung können Sie PDF-Icon hier herunterladen

Montag, 05.02.2018: Eröffnungsvorträge & Podium

Thomas Krüger

Referent: Thomas Krüger

Keynote Address

Migrationsdruck und eine weltweite Zunahme der Kriege, aber auch weniger Hunger, Armut und Krankheiten, bessere Bildungschancen und eine auch dank Globalisierung und Digitalisierung positive ökonomische Entwicklung – so vielgestaltig skizzierte Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, in seiner Begrüßung die weltpolitische Lage.

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Vortrag von OTL i. G. Michael Archut, Austauschreferent des Verteidigungsministeriums im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Referent: Michael Archut

Wie hängen Entwicklung und Sicherheit zusammen?

Michael Archut, der als Austauschreferent des Verteidigungsministeriums im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) tätig ist, stellte zunächst die finanziellen Grundlagen und die Organisation des BMZ dar. Großes Gewicht legte er auf die Portfoliosteuerung des Hauses und die Länderreferate.

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Podiumsdiskussion: Entschiedener und vernetzt – geht das?

Podiumsdiskussion: Ralph Thiele, Dr. Hans-Joachim Preuß, Bodo von Borries, Conny Czymoch

Podiumsdiskussion: Entschiedener und vernetzt – geht das?

Zu Beginn verdeutlichte Dr. Hans-Joachim Preuß von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit den umfassenden Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit. Diese verfolge humanitäre und wirtschaftspolitische Ziele, sie sei also auch interessengeleitet.

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Dienstag, 06.02.2018: Impulsvorträge und Workshops

Von links nach rechts: Suzana Lipovac (KinderBerg International e.V.), Rolf  Clement (freier Journalist)

Impulsvorträge: Rolf Clement, Suzana Lipovac

Vernetzte Sicherheit und vernetztes Handeln

Inhaltliche Wandlungen im Verständnis von vernetzter Sicherheit konstatierte der Journalist Rolf Clement in seinem Impulsreferat. Während teilstreitkräfteübergreifende Operationen und Kooperationen mit Partnerarmeen längst militärisches Allgemeingut seien, setze sich heute zunehmend ein Denken über Stabilisierungseinsätze als gesamtstaatliche Aufgabe durch.

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Oberstleutnant i.G. Markus Kankeleit vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr

Workshop

Verschiedene Ansätze in den gleichen Krisengebieten: Wie unterscheiden sich zivile von militärischen Vorgehensweisen?

Zunächst erläuterte Markus Kankeleit die unterschiedlichen Grundprinzipien und Ansätze im staatlichen sowie nicht-staatlichen Bereich: Im staatlichen Bereich zielten die deutsche Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik auf eine nachhaltige Friedensförderung. Dagegen ginge es bei der humanitären Hilfe durch zivile, nicht-staatliche Hilfsorganisationen darum, Menschen in Not zu helfen.

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Dr. Judith Vorrath, Wissenschaftlerin der Stiftung Wissenschaft und Politik

Workshop

Entwicklung und Organisierte Kriminalität

Dr. Judith Vorrath schilderte, dass Organisierte Kriminalität vielschichtiger sei als bekannte Phänomene wie der Drogenanbau in Afghanistan oder die Piraterie vor der Küste Somalias. Die globale Schattenwirtschaft umfasse verschiedene Ströme, darunter den illegalen Handel mit Waffen, Menschen, Drogen, natürlichen Ressourcen und gefälschten Produkten.

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Elke Gottschalk, Deutsche Welthungerhilfe e.V. und Dr. Anja Seiffert, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Workshop

Erfahrungen aus Afghanistan

Den Workshop eröffnete Dr. Anja Seiffert vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr mit der Vorstellung ihres Hauses, das die Auslandseinsätze der Bundeswehr seit Ende der 1990er Jahre begleitet. Ein Ziel sei es, die Binnenperspektive auf die Auslandseinsätze der Bundeswehr zu ermöglichen.

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Ricarda Steinbach, Direktorin der Point Alpha Stiftung

Workshop

Partnerschaft in Afrika, Länderstudien und die Operation Barkhane

Ricarda Steinbach, Direktorin der Point Alpha Stiftung, eröffnete den Workshop mit einem kurzen Input-Vortrag über grundlegende sicherheitspolitische Herausforderungen in Afrika. Die Ursache vieler Konflikte liege in den willkürlich festgelegten Grenzen der ehemaligen Kolonialmächte, die aber von den Nomadenvölkern nicht anerkannt würden.

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Moritz Brake, Doktorand am King‘s College London und Marineoffizier

Workshop

Flucht und Seenotrettung im Mittelmeer

Moritz Brake, Doktorand am King‘s College London und Marineoffizier, nannte zum Einstieg in die Thematik der Seenotrettung Zahlen des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen: Etwa 65,5 Millionen Flüchtlinge gibt es weltweit. Davon sind etwa 40 Millionen Binnenflüchtlinge. Etwa 2 Millionen Menschen fliehen in Richtung Europa.

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Mittwoch, 07.02.2018

Dr. Stephan Klingebiel vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik

Referent: Dr. Stephan Klingebiel

Globale Herausforderungen und die Aufgaben der Entwicklungspolitik

Dr. Stephan Klingebiel vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik erläuterte, dass der globale Rahmen, in dem sich Entwicklungspolitik vollziehe, in den letzten Jahren sehr viel komplexer geworden sei. Das bringe einen steigenden Bedarf an effektivem gemeinsamen Handeln mit sich.

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Oberstleutnant i.G. Arne Schuler vom Bundesministerium der Verteidigung

Referent: Arne Schuler

Zukunftsaufgaben für die deutsche Sicherheitspolitik und zivil-militärische Kooperation

Die Entwicklung der Krisen und Konflikte in den letzten Jahren, so führte Oberstleutnant i.G. Arne Schuler vom Bundesministerium der Verteidigung zu Beginn des Vortrags aus, mache die Notwendigkeit eines nachhaltigen geschlossenen internationalen Handelns deutlich. Die NATO bleibe zentraler Anker, entscheidend seien gegenseitiges Vertrauen und Glaubwürdigkeit.

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Von links nach rechts: Dr. Stephan Klingebiel (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik), Bärbel Dieckmann (Deutsche Welthungerhilfe e.V.), Dr. Caroline Hornstein Tomic (Bundeszentrale für politische Bildung)

Podiumsdiskussion: Dr. Stephan Klingebiel, Bärbel Dieckmann, Dr. Caroline Hornstein Tomic, Winfried Nachtwei

Podiumsdiskussion: Auf dem Weg zu einer neuen Kultur der Kooperation

Den Weg zu einer neuen Kultur der Kooperation abstecken sollte die abschließende Podiumsdiskussion der 15. Bensberger Gespräche. Schon im ersten Statement des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Winfried Nachtwei wurde deutlich, dass der vernetzte Ansatz dabei nicht immer der Königsweg sein muss.

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Oberst i.G. Robert Sieger, Chef des Stabes beim Zentrum Innere Führung

Referent: Robert Sieger

Fazit und Ausblick: Bundeswehr und Entwicklungszusammenarbeit: Gemeinsames Engagement für fragile Staaten

Zum Abschluss der 15. Bensberger Gespräche stellte Oberst i.G. Robert Sieger, Chef des Stabes beim Zentrum Innere Führung, die Sicht der Bundeswehr und des Zentrums Innere Führung ins Zentrum seiner Betrachtungen. In Übereinstimmung mit zahlreichen Vorrednern auf der Konferenz stellte er fest, dass Entwicklung ohne Sicherheit nicht möglich sei.

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Die etwa 140 Referierenden und Teilnehmenden der 14. Bensberger Gespräche 2016 "Flucht und Asyl" betrachteten die aktuellen Herausforderungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Die Tagung startete mit globalen Perspektiven auf Fluchtmigration und Asyl, um sich im Anschluss europäischen, nationalen und lokalen Fragen zu widmen.

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