Rolltreppe

22.3.2018

Arbeitsgruppenphase II

Workshop 1: Schulen im Fokus der Prävention

Der Workshop von Elke Seiler vom Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur in Leipzig (ZEOK) und Stipo Zepa vom Demokratiebildungsprogramm "Dialog macht Schule" in Berlin konzentrierte sich auf Antidiskriminierungsarbeit und Radikalisierungsprävention in Schulen. Der Ansatz des ZEOK ist es desintegrative Ausgrenzungserfahrungen zu mindern, sodass die Barrieren zwischen den homogenen Gruppen "WIR" und "DIE" aufgebrochen werden. Ziel sei es, das Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit aufzuheben, an dem die salafistische Ideologie häufig erfolgreich anknüpfe, erklärte Seiler.

Dialog macht Schule bildet Studierende aller Fachrichtungen zu Dialogmoderatorinnen und Dialogmoderatoren aus, die dann für zwei Jahre an einer Schule arbeiten. Dabei würde die Persönlichkeitsentwicklung ebenso gefördert wie eine demokratische Handlungs- und Urteilsfähigkeit, referierte Stipo Zepa. Die Präventionsarbeit des Programms sei "Demokratiebildung": Die Herausforderung dabei bestehe darin, zu erkennen, dass es nicht "die Jugendlichen", "den Grund" oder "den Lösungsansatz" gebe.
Zepa forderte mehr Demokratiebildung dieser Art, mehr Raum für Schülerinnen und Schüler und eine intensivere Förderung wichtiger sozialer und demokratischer Kompetenzen (u.a. Impulskontrolle, Medienkompetenz, Perspektivwechsel) an Schulen.

Die später im Plenum diskutierten Fallbeispiele zeigten die Bedeutung eines "Klassenzimmerdialogs", der alle Schülerinnen und Schüler miteinschließt und keine Türen verschließt. Als äußerst wichtig betonten auch die Teilnehmenden des Workshops, sei es, sich auf die Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler einzulassen, unterschiedlichen Meinungen Raum zu geben und Perspektivwechsel anzuregen.

Workshop 2: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – Radikalisierung als Herausforderung für die Jugendhilfe

Florian Endres, Leiter der Beratungsstelle "Radikalisierung" im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellte die 2012 eingerichtete Stelle für telefonische Erstberatung im BAMF vor. Ziel sei es, einerseits mit Sicherheitsbehörden zu kooperieren und andererseits die Ratsuchenden an zivilgesellschaftliche Ansprechpartner zu vermitteln, die weiterführende Beratung leisten können. Die Ratsuchenden kämen meist aus dem familiären oder sozialen Umfeld der vermeintlich Radikalisierten. Das Themenfeld "unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge" sei dabei besonders, weil diese häufig bereits traumatisierende Erfahrungen gemacht haben und deutlich höhere Vulnerabilitäten aufwiesen.

Daran anknüpfend erläuterte André Taubert von der Hamburger Beratungsstelle legato, dass gerade bei dieser "Klientengruppe" die üblichen Kooperationspartner – Familie und soziales Umfeld – fehlten. Taubert betonte, dass in der Arbeit von legato die betroffenen Jugendlichen zu 90 Prozent nicht erfahren, dass ihretwegen Kontakt zu einer Beratungsstelle aufgenommen wurde. Wichtig sei dabei zu verstehen, dass auch radikalisierte Jugendliche nicht "fremdgesteuert" seien, sondern in ihrem Handeln einen Sinn sehen würden. Daran müsse angesetzt werden, was legato als Versuch verstehe, Brücken für die Betroffenen zu bauen. Dafür werde auch bezüglich unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge mit jenen Menschen zusammengearbeitet, die "den besten Draht" zu den betreffenden Jugendlichen haben. Häufig seien das nicht die Personen, die zuvor den Kontakt zur Beratungsstelle gesucht haben.

Workshop 3: Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden

Verena Raatz, Projektkoordinatorin der Violence Prevention Network-Beratungsstelle Bayern, und Holger Schmidt, Leiter des Kompetenzzentrums für Deradikalisierung im Bayrischen LKA, stellten anhand von zwei Fallbeispielen ihre Zusammenarbeit in Bayern vor. Raatz nahm dabei die zivilgesellschaftliche Perspektive und Schmidt die sicherheitsbehördliche Perspektive ein. Ein erster Aspekt, der eine gute Zusammenarbeit sichere, sei die klare Aufgabenklärung und der regelmäßige Austausch. So sei beispielsweise die Gefahreneinschätzung eines Falls allein Sache der Polizei. Die Weiter- oder Übergabe finde wechselseitig statt. Es gebe sowohl Fälle, die von VPN, zunächst anonymisiert, an das LKA weitergegeben werden. Es gebe aber auch Fälle, die vom LKA aufgrund fehlender Sicherheitsrelevanz an VPN übergeben werden.
Ein herausstechendes Problem bei der Weitergabe von Informationen seien Regelungen zum Datenschutz. Außerdem könne die Zusammenarbeit des zivilgesellschaftlichen Trägers mit einer Sicherheitsbehörde durchaus eine Schwelle für VPN darstellen, wenn es um den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zu Betroffenen geht. Diese Problematik wurde auch von den Teilnehmenden angemerkt. VPN erscheine in den Darstellungen eher als eine Art "verlängerter Arm der Polizei" und nicht als eigenständig. Verena Raatz merkte dazu an, dass sich die Betroffenen durch die Transparenz des Verhältnisses zum LKA von Beginn an darüber bewusst seien, dass Informationen eventuell weitergegeben werden müssten. Viele Teilnehmende des Workshops kritisierten die Zeugeninformationspflicht von Beratern in diesem Zusammenhang stark, da dies das Beratungsverhältnis stark belasten könnte.

Workshop 4: Islamistische Propaganda im Netz

Siehe Arbeitsgruppenphase I

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