Auf einem Tisch stehen Teller mit weißen Käse und Tomaten-Gurken-Salat.

30.5.2018 | Von:
Christian Gräff

7. Engagiert für die Umwelt: Ecofront Yerevan

Datum: 23.02.2018

Emotional, engagiert und politisch traten die Aktivist*innen der Gruppe Ecofront auf und legten ihre Ansichten zur umweltpolitischen Situation ihres Landes offen – und machten auch deutsche Investoren für Umweltprobleme verantwortlich.

EcofrontEcofront (© Ingrid Schneider)

Ein unscheinbarer Hauseingang in einer Nebenstraße von Jerewan. Im Hausflur sind die Scheiben kaputt, im ersten Stock liegt eine kleine Wohnung, umfunktioniert zum Büro: zwei Zimmer, eine kleine Küche, schmucklos. Kann das die Heimat der armenischen Umweltschutzbewegung sein?

Drei Aktivisten arbeiten hier: Levon, Geograph, das wissenschaftliche Hirn der Bewegung; Sophia, eine zurückhaltende junge Studentin, ud Anna: resolut, sprühend: wenn das Wort Aktivistin passt, dann zu ihr. Levon erläutert die Fakten: größtes Anliegen der Gruppe sind die Umweltschäden durch den Molybdänabbau im Süden Armeniens. Federführend ist eine deutsche Firma mit Sitz in Karlsruhe: Cronimet hat sich 2004 hier eingekauft, die Aktivisten vermuten Korruption beim Verkauf, denn der Kaufpreis stehe in keinem Verhältnis zum beachtlichen Jahresumsatz.

Das Problem: bei der Gewinnung des Molybdäns werden giftige Schwermetalle gebraucht. Die leite Cronimet, so die Gruppe, in nahegelegene Flüsse. Ein Video soll das zeigen: aus klarem Gebirgswasser wird an einer Einleitungsstelle eine schaumige Brühe. Nachweisbar, ob die Bilder tatsächlich von dort stammen, ist das nicht. Die Gruppe habe Proben entnommen und untersuchen lassen, so Levon, die giftigen Rückstände seien eindeutig nachgewiesen, und landeten später auf Äckern und letztendlich im Essen der Armenier.

Auftritt Anna: nun wird klar, warum die Gruppe ecofront heißt. Es folgt ein Frontalangriff auf die deutsche Bergbaufirma, die Geldgeber und die armenische Regierung. Blanker Zynismus stecke hinter dieser Industriepolitik, Profitgier, die Regierung sei nur an Investitionen interessiert, eine Kontrolle finde nicht statt, und angesichts der Armut, in der die meisten Armenier lebten, zeige sich hier der Zynismus zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Zynismus ist ein viel benutztes Wort bei Anna, die Naturzerstörung sei schlimmer als unter den Sowjets, und noch eine Breitseite: "Armenien muss mit seiner Natur für ausländische Investitionen bezahlen".

Für Deutsche ist das keine Wohlfühlveranstaltung bei der armenischen ecofront, und es kommt noch schlimmer: da, wo die deutsche Kreditförderbank KfW vermeintlich gute Projekte fördere, gingen die guten Absichten auch den Bach runter. Um die Energieabhängigkeit von den Sowjets zu mildern, hat die KfW den Bau von 180 hydroelektrischen Kleinkraftwerken im ganzen Land gefördert. Weil aber die Expertise vor Ort fehle, so die Aktivisten, werde mehr Schaden als Nutzen angerichtet: das Ökosystem der betroffenen Flüsse werde zerstört, die Deutschen achteten nicht auf die Einhaltung von Umweltkriterien vor Ort.

Auch Sophia hat keine ermutigenden Botschaften für Gäste aus Deutschland. Die armenische Bevölkerung sei apathisch angesichts der Umweltprobleme, der regionale Widerstand gegen ökologisch bedenkliche Projekte gering. Der Kampf ihrer kleinen Gruppe sei für die Regierung nicht bedrohlich, und die Minenarbeiten seien noch nicht einmal das einzige Problem: Russland verhindere aus Eigeninteresse Investitionen in alternative Energien, um den eigenen Absatzmarkt zu erhalten. Und die Spuren sowjetischer Fremdherrschaft seien auch andernorts zu sehen: ursprünglich seien 35% Armeniens bewaldet gewesen, die Sowjets hätten in 70 Jahren viel davon abgeholzt. Jetzt seien noch ungefähr 12 Prozent Wald übrig, und das Land drohe sich in eine Steppe zu verwandeln.

Was ecofront dagegen tue? Sie zeigten Probleme auf, veröffentlichten kritische Bericht über Umweltzerstörungen, entnähmen Proben, schrieben immer wieder Beschwerden an Regierung und zuständige Institutionen. Graswurzelarbeit also. Wenig Anlass für Optimismus eigentlich, wäre da nicht diese Mischung aus Anna Furor, Levons sachlich- bedächtiger Analyse und Sophias Weitblick, so dass man diese äußerlich armselige Bastion der Ökokämpfer doch mit dem Gefühl verlässt: dieser zähe Aktionismus könnte über die lange Strecke vielleicht doch ein wenig bewegen.


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