Auf einem Tisch stehen Teller mit weißen Käse und Tomaten-Gurken-Salat.

4.6.2018 | Von:
Ursula Voßhenrich

12. Armenien zum Anbeißen: Lawasch-Backkurs in Etschmiadsin

Datum: 24.02.2018

In Etschmiadsin führten zwei armenische Bäckerinnen in die traditionelle Kunst des Lawasch-Backens ein und lieferten damit gleichzeitig eine Lehrstunde über Tradition, Identität und Kulinarik des Landes.

LawashLawash (© Ingrid Schneider)

Wir lernen Brot backen beim Cross of Armenian Unity in Etschmiadsin. Cross of Armenian Unity ist eine NGO, die Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen unterrichtet und künstlerisch fördert. Sie finanziert sich aus Spenden und aus dem angegliederten Sozialunternehmen „Machanents tourism and art“. Das bietet Kulturveranstaltungen, Touren und Kurse für Touristen an. Patriotismus, Nationalismus und die Einheit mit der Diaspora gehören zu den selbst erklärten Werten. Armenische Traditionen werden hier ganz groß geschrieben, und dazu gehört auch die Tradition des Lawasch-Backens.

Lawasch ist nicht einfach ein Brot. Lawasch ist so etwas wie Fladen gewordene armenische Seele, wenn wir den Erklärungen unserer armenischen Informantin folgen wollen. Dabei gibt es kaum etwas Einfacheres als diese Nationalspeise: Sie besteht aus Mehl, Salz und Wasser.

Die Backstube ist ein halboffener Raum im Erdgeschoss des Kulturzentrums Cross of Armenian Unity. Im Boden eingelassen ist der Ofen: ein kreisrundes Loch, in dem mit Holz gefeuert wird. Als wir in den Backraum kommen, sind die faustgroßen Teigklumpen schon vorbereitet. Unsere beiden Lehrmeisterinnen hocken auf dem Boden. Die eine vor einer runden bemehlten Holzfläche. Darauf wird der Teig ausgerollt, und dabei dürfen wir helfen. Auf etwa 30, 40 cm Durchmesser ziehen wir den zähen Teig mit der Holzrolle. Dann übernimmt die Bäckerin wieder. Sie nimmt den Teigfladen, wirbelt ihn durch die Luft, und mit einem doppelten Rittberger landet der Brot-Rohling in den Händen ihrer Kollegin, die zwei Meter entfernt neben dem Ofenloch hockt. Elegant wirbelt sie den Teig ein paar Mal durch die Luft und legt ihn dann auf ein gepolstertes und mit Stoff bespanntes Gestell. Die Bäckerin zieht den Teig über dem bauchigen Gestell stramm. Und dann folgt der eigentliche Backvorgang: Das teigbespannte Gestell wird mit Schwung gegen die Innenseite des Ofens gepresst, der Teig bleibt an der Innenwand kleben und wirft sofort dicke Blasen. Kaum 10 Sekunden später greift die Bäckerin mit einem Metallhaken in den Ofen und zieht das frisch gebackene Brot heraus. Fertig.

Von Lawasch wird man übrigens nicht satt. Weil es so lecker ist, kriegt man nie genug, sagt unsere armenische Informantin. Und es soll bis zu einem halben Jahr essbar sein. Einfach ein paar Tropfen Wasser auf das trockene Brot - dann schmeckt es wie frisch gebacken.


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