Auf einem Tisch stehen Teller mit weißen Käse und Tomaten-Gurken-Salat.

4.6.2018 | Von:
Nike Laurenz

16. Youth Cooperation Center Dilijan

Datum: 26.02.2018

Ein großer Teil der jungen Armenier entscheidet sich, die Heimat zu verlassen und in der Diaspora zu leben. Artur Ghazaryan entschied sich, in Dilijan zu bleiben und vor Ort mit dem Youth Cooperation Center neue Perspektiven zu schaffen.

Youth Cooperation CenterYouth Cooperation Center (© Ingrid Schneider)

Weil sich der Regen wie aus Eimern auf das Dach des Busses entleert, muss die Stadtführung durch das kleine Dilijan, ein Ort in der nordarmenischen Provinz Tawusch, noch warten. Bei heißem Tee und Waffeln erzählt uns Artur Ghazaryan von seiner Arbeit im Youth Cooperation Center of Dilijan (YCCD) und von seinem Leben.

Ghazaryan, 37, lebt schon immer in Dilijan, doch erst seine Reisen zeigten ihm, was seiner eigenen Stadt fehlt. Er besuchte Frankreich, dann Tadschikistan, sogar die USA. Die Länder inspirierten ihn. Aber anstatt zu bleiben und wie so viele Teil der armenischen Diaspora zu werden, packte er jedes Mal wieder die Koffer – zurück nach Dilijan.

„Ich realisierte mehr und mehr, wie viel es mir gibt, mit anderen Menschen zu sprechen, von anderen Kulturen zu lernen“, sagt er. „Und ich machte viele Fotos.“

Von den Leuten, die er traf. Aber auch von Straßenzügen, von liebevoll angelegten Blumenbeeten, ordentlich verputzten Häuserwänden und lackierten Treppenstufen. „Ich wollte, dass wir sowas in Dilijan auch haben.“

Und so gründete Ghazaryan das YCCD. Ein Ort, in dem vor allem junge Menschen, die Dilijan lieben und es trotzdem – oder gerade deswegen – verändern, nach vorne bringen wollen. Dafür gibt es hier Projekte, Sprach- und Bildungskurse, Angebote für Touristen, Mitgliedertreffen zum Kennenlernen und für Ideenaustausch.

„Viele junge Menschen in Dilijan sitzen von nachmittags bis abends vor ihren Wohnungstüren herum“, sagt Ghazaryan. „Ich will ihnen zeigen, dass wir es nur gemeinsam schaffen können, aus dieser Gemeinde eine bessere zu machen.“ Eine bessere Infrastruktur, ein besserer Umgang mit Müll und Ressourcen, mehr Chancen auf Bildung, Frust-Abbau. Was die lokale Politik nicht organisiert, das organisiert Ghazaryan.

Und das lohne sich, sagt er. Eben weil sein Dilijan besonders sei, trotz der Probleme: Bis Eriwan sei es nicht weit, die Menschen seien so freundlich, die Luft erfrischend, seit Sowjetzeiten kämen im Frühling und Sommer Besucher aus aller Welt, um die Natur abseits der Großstadt zu genießen.

Es ist noch viel zu tun – doch Ghazaryan hat es geschafft, seine Gedanken, seine Visionen von Aufschwung und Prosperität, zur Botschaft zu machen. Die kommt an, im September feiert das YCCD Geburtstag: Seit zehn Jahren kehren dann schon Menschen hier ein, die Dilijan nicht verlassen – sondern vorantreiben wollen.


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