Auf einem Tisch stehen Teller mit weißen Käse und Tomaten-Gurken-Salat.

4.6.2018 | Von:
Kristin Becker

17. Zwischen Bewunderung und Irritation: Das United World College Dilijan

Datum: 26.02.2018

Am Rande Dilijans befindet sich das internationale United World College, das von Schülern aus der ganzen Welt besucht wird und mit höchstklassiger Bildung wirbt. Beim Rundgang mit Schülern konnten Fragen wie Bildungspolitik, Ungleichheit und die Rolle der Diaspora besprochen werden.

UWCUWC (© Ingrid Schneider)

Albert strahlt. Der 15-jährige Armenier hat die Chance seines Lebens bekommen. Ab nächstes Jahr darf er auf das United World College in seiner Heimatstadt Dilijan gehen. Als einer von wenigen. Etwa acht Schüler von rund 100 pro Jahr kommen aus dem Land, in dem das Internat steht. Die Hürden sind hoch: Eignungstests, Englischkenntnisse, soziales Engagement. Im besten Fall gibt es ein großzügiges Stipendium – 90.000 US-Dollar kostet der Schulbesuch jährlich, die meisten Schüler, so hören wir, erhalten Unterstützung. Sie kommen aus der ganzen Welt – wie auch ihre Lehrer. Armenier sind die wenigsten. Die Sprache ist kein Pflichtfach, man redet Englisch am UWC. Das Konzept: Lernen in einem internationalen Umfeld nach den Ideen des deutschen Pädagogen Kurt Hahn, dem Mitgründer des Internats Schloss Salem.

17 United World Colleges gibt es derzeit rund um den Globus. Oft gesponsert von privaten Stiftungen bzw. Mäzenen. Mehr als 100 Millionen Euro haben der russisch-armenische Ex-Banker Rouben Vardanian und seine Frau in den Aufbau der Schule in Dilijan gesteckt. Und das in einem Land, wo immer noch große Teile der öffentlichen Infrastruktur in schlechtem Zustand sind, nicht zuletzt die staatlichen Schulen. Ja, es sei schon manchmal komisch vom tollen Schulgebäude auf die ärmlichen Häuser der Stadt zu schauen, sagt Katharina, eine deutsche Schülerin. Sie schwärmt aber auch von den Begegnungen mit Jugendlichen aus anderen Ländern und den vielen kreativen und schulischen Möglichkeiten, die das Internat bietet. Und wenn man die Schule sieht, glaubt man ihr sofort.

Die Architektur ist einladend und licht: viel Glas, bunte Sitzecken, helle Klassenräume ausgestattet mit neuster Technik, ein olympisches Schwimmbecken, Fitnessstudio, Fußballplatz. Die Schule wirkt selbst nach deutschen Standards luxuriös. Man möchte hier sofort nochmal Abi machen. Deshalb ist man hin- und hergerissen – zwischen Bewunderung und Irritation. Immerhin: auch die Stadt profitiert wohl ein bisschen vom UWC. Das Internat hat Aufmerksamkeit, Internationalität und Geld nach Dilijan gebracht, heißt es. Und auch einige Jobs, Cafés und Restaurants. Zu bestimmten Zeiten bzw. Gelegenheiten dürfen Kinder und Jugendliche aus dem Ort die Sportanlagen nutzen, die Internatsschüler engagieren sich teilweise bei Freiwilligenprojekten mit Einheimischen. Manch einer bleibt gar nach dem Abi erstmal in Dilijan um mitzuhelfen, die Dinge besser zu machen: zwei Alumni etwa sind dabei, ein Recyclingprogramm auf die Beine zu stellen – das ist durchaus beeindruckend. Armenien will sich mit dem College weltoffen und kultiviert zeigen. Und dennoch lässt sich der Gedanke nicht ganz wegwischen, wie viel mit all dem Geld für die normalen Schulen hätte getan werden können.


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