Auf einem Tisch stehen Teller mit weißen Käse und Tomaten-Gurken-Salat.

4.6.2018 | Von:
Christiane Hammer und Björn Opfer-Klinger

20. „Prosit, Armenien“: Besuch in der Brandy-Brennerei Ararat

Datum: 27.02.2018

Die gesamte Reise wurde bereichert von der diversen und reichhaltigen Kulinarik Armeniens. Den Abschluss der Exkursion bildete schließlich ein Besuch in der traditionsreichen Brandy-Fabrik „Ararat“.

Ararat-FabrikArarat-Fabrik (© Björn Opfer-Klinger)

Eine zarte Note von Vanille, ein unmerklicher Hauch herben Blumenduftes und am Ende der versteckte, samtene Geschmack edler Schokolade ... auf diese Weise nahm uns bereits am ersten Abend in Eriwan der 25jährige Ararat gefangen. Es war daher ein mehr als ein passender Abschluss, als unser letzter offizieller Termin der Bildungsreise dem Stammsitz des Ararat-Brandy galt.

Fremdenführerin Annie setzte gleich zu Anfang die Akzente: "Das Wichtigste an unserer Führung ist natürlich die Verkostung am Ende!" (und natürlich der Verkauf im Anschluss). Der Duft beim Eintritt in die Lagerräume und das Museum der 1887 gegründeten Edeldestille war jedenfalls ebenso betäubend wie vielversprechend. Dass Geduld gerade beim Brandy eine unverzichtbare Tugend ist, zeigte sich eine Dreiviertelstunde später, als unsere Gruppe vor jeweils zwei mit einem Mindestquantum gefüllten Cognak-Schwenkern sitzt: Der "Dreijährige" kratzte, während sich der zehn Jahre gelagerte Verkaufsschlager "Akhtamar" schon recht gut genießen ließ, zumal mit etwas Bitterschokolade, die dazu gereicht wurde. Leider wurde nicht nachgeschenkt von diesem, in einem komplizierten Verfahren entstandenen Tröpfchen.

Doch der Reihe nach: Neben dem "Ararat"-Hauptsitz in Eriwan existieren in Armenien drei weitere Standorte des Traditionsunternehmens. Exportiert wird der edle Hochprozentige in 34 Länder, wobei Russland mit Abstand den wichtigsten Markt darstellt (ca. 85%), gefolgt von der Ukraine, Weißrussland und Kasachstan. 1998 wurde die zuletzt staatliche Destille privatisiert. Seitdem wird das ehemalige Lieblingsgetränk sowjetischer Diplomaten von der Yerevan Brandy Company vertrieben, die zum zweitgrößten internationalen Spirituosen-Produzenten der Welt, der Pernod Ricard-Gruppe, gehört. Natürlich achtet das Pariser Unternehmen darauf, dass "echter" Cognak nur aus Frankreich kommt, so dass Ararat lediglich als Brandy deklariert wird. Wahrscheinlich darauf vertrauend, dass viele Franzosen Fremdsprachen eher distanziert gegenüberstehen, darf sich Ararat in kyrillischer und armenischer Schrift für seine Kernmärkte dann doch Kognak nennen.

Wir haben gelernt, dass jedes Jahr drei bis vier Prozent der gehaltvollen Flüssigkeit in den Fässern verdunstet, weswegen regelmäßig nachgefüllt werden muss. Dies führt dazu, dass die Luft in den Lagerstätten im Sommer auch schon mal fünf Prozent Alkoholgehalt aufweisen kann. Das würde man sich gelegentlich auch im heimischen Büro wünschen, jedenfalls wenn wieder einmal ein verbindlicher Workshop o. ä. ansteht. Von großer Bedeutung ist das Holz von alten kaukasischen Eichen, aus denen die Fässer für die Lagerung hergestellt werden, da nur sie die nötigen, prägnanten Gerbstoffe an den Branntwein abgeben können.

Viele von uns waren mehr als überzeugt von dem aromatischen Geruch und Geschmack des armenischen Brandy. Da Redakteursgehälter nicht immer den ausgiebigen Genuss eines 25-jährigen Ararat erlauben, dürfte sich jeder eine wichtige Information gemerkt haben. Wer als Staats- oder Regierungschef das Unternehmen besichtigt, dem wird ein individuelles Fass im Ararat-Keller eingelagert. Rund dreißig Staatsoberhäupter sind bereits zu diesem Privileg gelangt. Dazu zählen drei polnische, ein österreichischer und ein dauerregierender weißrussischer Präsident und natürlich auch Wladimir Putin. Ein Bundespräsident fehlt noch in der V.I.P-Liste - neben zahlreichen anderen vielleicht noch ein weiterer guter Grund, dass die Reisemarschälle des deutschen Staatsoberhauptes diesem auch mal einen offiziellen Besuch in dem kleinen Kaukasusstaat empfehlen sollten! Für andere kann es ein Anreiz sein, sich doch noch der Politik zuzuwenden.


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