Workshop auf der Veranstaltung Mit Gewalt ins Paradies: Teilnehmende sitzen im Kreis

Mit Gewalt ins Paradies?

Fachtagung zur Radikalisierungsprävention, 11.-12.09.2018, Bremen

Die Frage des Umgangs mit islamistischem Extremismus ist komplex, das Phänomen in seinen Ausprägungen dynamisch. Mit dieser Prämisse begrüßte Hanne Wurzel, Leiterin des Fachbereichs Extremismus der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die Teilnehmenden der Fachtagung, die den Auftakt für die Regionaltagung in Bremen bildet.

Insgesamt 25.000 Menschen in Deutschland gehören der islamistischen Szene an, sagte Wurzel zu Beginn. Politisch brisant seien darunter vor allem IS-Rückkehrerinnen und -Rückkehrern aus dem Syrien-Krieg. Wurzel warnte indes davor, Islam und Islamismus gleichzusetzen. Es müsse genau hingeschaut werden, wo die Grenze zwischen gelebtem Glauben und Radikalisierung verläuft. Damit seien auch wörtlich die konkreten Orte gemeint, an denen Prävention ansetzt. Erst hier werde es möglich, die Ursachen wirklich zu verstehen: In den allermeisten Fällen gehe einer Radikalisierung die Erfahrung von Ausgrenzung und Diskriminierung voraus. Diese Erkenntnis sei für die bpb ein handlungsleitendes Prinzip in der politischen Bildung. Wurzel stellte zudem klar, dass Präventionsarbeit erst durch unterschiedliche Perspektiven lebendig werde. Schon die Diversität der Teilnehmenden aus Justiz, Polizei, Schule, Sozialarbeit, Journalismus und Wissenschaft spiegele dies wider.

Die Tagung wurde von der bpb gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung Bremen und dem Demokratiezentrum Bremen organisiert. Dr. Thomas Köcher, Leiter der Bremer Landeszentrale, beklagte in seiner Begrüßung, dass der Vertrauensverlust in die Demokratie immer größer werde. Die Aussage Horst Seehofers, Migration sei "die Mutter aller politischen Probleme", bezeichnete er in diesem Zusammenhang als problematisch. Hier könne die politische Bildung nur mit Vermittlung von Demokratiekompetenz antworten, gerade weil Radikalisierung, darin stimmte er Wurzel zu, in der Regel mit Ausgrenzungserfahrungen ansetze.

Malte Lohmeier, Leiter des Bremer Demokratiezentrums, sprach von einer Verrohung des öffentlichen Diskurses. Umso wichtiger seien nun aus seiner Sicht Weiterbildung und Austausch, sowie verlässliche Strukturen und Planungssicherheit für Demokratieförderung. Er lud die Teilnehmenden ein, die Bremer Landschaft der Radikalisierungsprävention in den Workshops und dem Projektmarkt der Tagung kennen zu lernen.

Bildergalerie

Vortrag von Dr. Michael Kiefer

"Salafismus in Deutschland - Gegenwärtige Herausforderungen für die Prävention"

In seinem Eröffnungsvortrag zeichnete Dr. Michael Kiefer, Islamwissenschaftler an der Universität Osnabrück und Experte für Radikalisierung, zunächst eine kleine Ideengeschichte der Prävention. Bereits im 18. Jahrhundert entstehe die Vorstellung, dass man gesellschaftliche Strukturen und die menschliche Gesundheit beispielsweise durch Zahnprophylaxe präventiv erhalten könne.

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Workshop A1

Politische Bildung als Mittel der Prävention

Den Grundlagen-Workshop eröffnete Dr. Britta Hecking von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V. mit einem Kurzvortrag über die Entstehung und die Ziele Politischer Bildung. Zentral sind dabei die drei Prämissen des Beutelsbacher Konsens: Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot und Erziehung zur eigenständigen Meinungsbildung.

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Workshop A2

Unbegleitete minderjährige Geflüchtete - Radikalisierung als Herausforderung für die Jugendhilfe

Mehlike Eren-Wassel aus dem Bremer Beratungsprojekt KITAB warnte zu Beginn des Workshops davor, unbegleitete minderjährige Geflüchtete als homogene, bereits existierende Gruppe zu betrachten. Deren Radikalisierung geschehe meistens in Deutschland: Sogenannte "Rekrutierer" würden Geflüchtete in den Unterkünften aufsuchen und Kontakt aufnehmen

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Workshop A3

Radikalisierung und Prävention in Justizvollzugsanstalten

Torben Adams leitete den Workshop ein, indem er den Teilnehmenden den gesetzlichen Auftrag des Strafvollzugs vor Augen führte. In Bremen stehe dabei im Unterschied zu anderen Bundesländern die Resozialisierung an erster Stelle. Adams empfahl, neben einem guten Gefängnismanagement, eine Reintegration durch eine möglichst persönliche Behandlung des Gefangenen.

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Workshop A4

Islamistische Propaganda im Netz

Wie findet Radikalisierung im Internet statt? Dieser Frage näherte sich Manjana Sold in ihrem Vortrag zunächst mit einer These: Es gebe einen Unterschied zwischen einer Radikalisierung, die zu Gewalt führe, und einer "emanzipatorisch-transformativen" Radikalisierung, die beispielsweise in der Frauenbewegung für Grundrechte kämpfe. Mit Fake-Profilen könnten dabei Radikalisierungsgrade und -muster festgestellt werden.

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Workshop A5

Moscheen als Orte der Prävention

Der Workshop befasste sich mit der Frage, inwiefern Moscheen Orte der Radikalisierungsprävention sein können. Dafür spreche vor allem, dass eine Auseinandersetzung mit dem Islam nicht ohne die Religionsgemeinschaften geschehen dürfe. Auch sei der Zugang zu gefährdeten Zielgruppen bzw. Jugendlichen hier möglich, da sich die Moschee in deren Lebenswelt befinde.

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Mit Gewalt ins Paradies

Projektmarkt

Im Rahmen des Projektmarktes hatten unterschiedlichste Initiativen im Bereich der Radikalisierungsprävention die Möglichkeit, sich vorzustellen und mit den Teilnehmenden der Tagung ins Gespräch zu kommen.

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Workshop B1

Schulen im Fokus der Prävention

Scharajeg Ehsasian eröffnete den Workshop mit einem Faktencheck: In Bremen seien innerhalb von zwei Jahren fast 8000 geflüchtete Kinder angekommen. Die größte schulische Herausforderung bestehe darin, Spannungen zwischen Lehrpersonal, Eltern und den Kindern zu vermeiden. Eine aktive Elternarbeit sei den meisten Familien fremd und das Lehrpersonal kulturell kaum geschult.

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Workshop B2

Die Rolle der Beratungsstellen in der Präventions- und Distanzierungsarbeit

Hazim Fouad betonte in seinem Eingangsstatement, dass Rechtsextremismusprävention hauptsächlich aus der Zivilgesellschaft entstanden sei. Dies könne man bei religiös begründetem Extremismus ebenso beobachten: Beratungsstellen wie Hayat und ufuq.de waren anfänglich nicht finanziert, während Sicherheitsbehörden schon zum Thema gearbeitet hätten. Mit der Zeit wurde aber klar, dass es einen Schulterschluss mit zivilgesellschaftlichen Partnern geben müsse, um die "frontline work" zu verrichten.

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Workshop B3

Genderreflektierte Radikalisierungsprävention

Zu Beginn stellte Silke Baer die Ergebnisse einer Studie zu genderreflektierter Radikalisierungsprävention im Bereich des religiös begründeten Extremismus vor. Es wurden Geschlechterrollenbilder in verschiedenen Szenen untersucht, unter anderem von Mädchen und Frauen im Islamismus. Zentrale Beobachtung sei hier, dass sich das Fehlen des Vaters stark auf das eigene Rollenbild innerhalb der extremistischen Orientierung auswirke.

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Workshop B4

Sozialisationsbedingungen von Kindern salafistischer Eltern

Welche Interventionsmöglichkeiten gibt es bei Familien, in denen die Eltern salafistisch orientiert sind? Diese Frage stellte Tugba Biyikli vom Demokratiezentrum Bremen an den Anfang. Dr. Sina-Arman Jahanshahi rekapitulierte in seinem Vortrag kurz Begriffsbestimmungen des Salafismus, nannte Hinwendungsmotive zum Salafismus und Anzeichen für eine mögliche Radikalisierung.

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Workshop B5

Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für religiös begründeten Extremismus bringt zivilgesellschaftliche Akteure in den Austausch mit Sicherheitsbehörden. Grundlage der Arbeit sei, so Jamuna Oehlmann, dass die Beratungs- und Ausstiegsarbeit durch die Zivilgesellschaft erfolge. Nur bei Selbst- oder Fremdgefährdung sollten die Sicherheitsbehörden aktiv werden.

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Event series

Mapping Memories

Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

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Fachkonferenz

Konferenz zur Holocaustforschung

Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

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TiT-Veranstaltungsreihe

Themenzeit im Themenraum

Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

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Veranstaltungsreihe

Checkpoint bpb – Die Montagsgespräche

Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

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Veranstaltungsreihe

What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden.

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Blog zur Fachkonferenz

Medienkompetenz 2014

Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

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bpb:magazin 2/2017
bpb:magazin

bpb:magazin 2/2017

"Stadt, Land, Fluss" sind Kategorien, die zentrale politische Themen aufgreifen. Die Reise über Städte, Land und Flüsse in diesem zwölften bpb:magazin führt, wie gewohnt, durch das breit gefächerte Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung.

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