Workshop auf der Veranstaltung Mit Gewalt ins Paradies: Teilnehmende sitzen im Kreis

10.10.2018

Schulen im Fokus der Prävention

Workshop B1

Wolfgang Welp-Eggert, stellvertretender Leiter am Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentrum (ReBUZ), Bremen
Scharajeg Ehsasian, Angestellte bei der Senatorin für Kinder und Bildung, Bremen
Philip Al-khazan, Sozialarbeiter und Religionspädagoge, Legato, Hamburg
Moderation: Linda Blöchl, Leiterin der Außenstelle Bremerhaven der Landeszentrale für politische Bildung Bremen

Scharajeg Ehsasian eröffnete den Workshop mit einem Faktencheck: In Bremen seien innerhalb von zwei Jahren fast 8000 geflüchtete Kinder angekommen. Es wurden dafür fast 500 Vorkurslehrerinnen und -lehrer ohne Lehrerausbildung eingestellt. Die größte Herausforderung bestehe darin, Spannungen zwischen Lehrpersonal, Eltern und den Kindern zu vermeiden. Eine aktive Elternarbeit sei den meisten Familien fremd und das Lehrpersonal kulturell kaum geschult. Viele Kinder seien traumatisiert und die sprachlichen Barrieren zudem enorm. Bestehe der Verdacht einer Radikalisierung, empfahl Ehsasian die Erarbeitung von Notfallplänen und eine ausgeweitete Jugendsozialarbeit an Schulen, zum Beispiel durch Respekt Coaches. Eine ressortübergreifende Arbeitsgemeinschaft namens KODEX sei in Bremen gerade in Planung, um die Aktivitäten zu bündeln und Lehrerinnen und Lehrern im Verdachtsfall die Unsicherheit zu nehmen.

Philipp Al-khazan von LEGATO bezeichnete seinen Präventionsansatz als "radikal". In einer Hamburger Stadtteilschule habe eine Schülerin mit Kopftuch andere Mädchen dazu gedrängt, das Kopftuch ebenfalls zu tragen. Der Ansatz sei gewesen, die Schülerin nicht mit ihrem Verhalten zu konfrontieren, sondern subtile Botschaften im Unterricht einzustreuen, um einen indirekten Kontakt herzustellen. Das Kopftuch als Ausdruck von Kultur sollte in der Schule erlebbar sein, es gehe aber vielmehr darum, alternative Begegnungsräume anzubieten. An der Schule wurde ein überkonfessioneller Gebetsraum eingerichtet, der die Dynamik entschärfen konnte. Hier wurde versucht, eine emotionale Bindung herzustellen, um grundlegende Fragen von Identität und Fremdheitsgefühlen offen diskutieren zu können.

Wolfgang Welp-Eggert vom Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentrum fasste die Thematik anschließend noch einmal zusammen: Es gebe keine eindeutigen biographischen Hinweise auf Radikalisierung, eine passgenaue Prävention sei nahezu unmöglich. Gut gemeinte pädagogische Maßnahmen haben wenig Aussicht auf Erfolg, solange nicht die Entwicklung und Entfaltung des Jugendlichen unterstützt werde. Man könne von bereits radikalisierten Jugendlichen nicht verlangen, sich zu einer "offenen Gesellschaft" und Toleranz zu bekennen, dies fördere im Gegenteil nur deren Überzeugungen.


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