Workshop auf der Veranstaltung Mit Gewalt ins Paradies: Teilnehmende sitzen im Kreis

10.10.2018

Vortrag: Phänocultures: Phänomenübergreifende politische (Jugendkultur-) Bildung

Zum Schluss der Tagung präsentierten Silke Baer, Anna Groß und Marie Jäger vom Verein cultures interactive e.V. in Berlin das Projekt PHÄNO-Cultures. Dessen Idee bestehe darin, verschiedene Formen des Extremismus als zusammenhängend und vergleichbar zu begreifen. Seit 2001 betreibt cultures interactive Modellprojektentwicklung und Rechtsextremismusprävention im Sinne einer menschenrechtsorientierten Jugendkulturarbeit. Jugendkulturen, das sind in diesem Sinne unter anderem Hip Hop, Techno, Skateboarding, Punk, Emo, Gothic, Riot Grrrls und Metal. In der jeweiligen Lebenswelt setze eine kritische politische Bildung an, die Teambildung, Empowerment, Partizipation und Mediation fördert und genderreflektierte sowie intersektionale Ansätze vermittelt. Im Zentrum stehe dabei sozial-therapeutische Gruppenarbeit: Es werde versucht, einen geschützten Rahmen für die Jugendlichen zu schaffen, um über sich reden zu können, Wertschätzung zu erleben und eigene Vorurteile zu reflektieren.

PHÄNO-Cultures bringe nun erstmals Rechtsextremismus und religiös begründeten Extremismus zusammen. Zusätzlich würden Formate für muslimisch geprägte Mädchen in rassismuskritischer Perspektive angeboten. Das gerade gestartete Projekt läuft von 2018 bis 2020 und wird mittels Phäno-Schulprojekttagen bundesweit durchgeführt. Eine interne Evaluation erfolgt durch eine Kooperation mit der Hochschule Frankfurt und einem Praxis-Wissenschaftsbeirat.

Nach dieser kurzen Vorstellung erklärte Baer die Vorteile eines phänomenübergreifenden Ansatzes. Es gehe darum, Diffamierungen von Zielgruppen und Sozialräumen zu vermeiden. Die Möglichkeit, offene Analogien zu diskutieren biete zudem Zugänge zum Verständnis eines "transnationalen Extremismus" nach Floris Biskamp. Übereinstimmende Eigenschaften seien zum Beispiel die Überidentifikation mit dem Eigenkollektiv, die Definition und Abwertung von anderen, Gewaltbefürwortung und rigide Geschlechtsnormen. Ein wesentlicher Unterschied sei, dass der Rechtsextremismus sich auf die Nation beziehe, während der Islamismus eine internationale Gemeinschaft von Islamistinnen und Islamisten propagiere.

In den Workshops mit den Jugendlichen werde dies zum Beispiel anhand medialer und jugendkultureller Rekrutierungsstrategien vermittelt. Ziel sei es, eine versierte Mediennutzung humorvoll zu vermitteln. Die Jugendlichen sollten sich trauen, an unsichere Identitätskonzepte anzudocken, statt sich den geschlossenen Weltbildern von Rassismus, Klassismus und Sexismus anzunähern. Falls die Gruppenarbeit gestört werde, gibt es ein Time-Out-Verfahren, um die Atmosphäre eines geschützten Raums zu bewahren.

Auf die Frage, welche Strategien die Referentinnen für den Unterricht in Schulen empfehlen könnten, wurden vor allem Quellenkunde im Internet sowie Lehrerfortbildungen angesprochen. Auch eine stärkere Sensibilisierung der Rolle von Frauen und Mädchen sei hilfreich. Momentan werden noch die Schulen für das Projekt PHÄNO-Cultures ausgewählt, bevor das Projekt im Herbst seine Arbeit aufnimmt.


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