Sonnenaufgang am Sevansee in Armenien.

27.3.2019 | Von:
Nils Brickwedel, Marius Jedlitschka

Revolution, Diaspora, Identität

Gespräch mit Babken der Grigorian, stellv. Minister für Diasporaangelegenheiten Armeniens

Wie auch die Diaspora liegt der Berg Ararat außerhalb der heutigen armenischen Grenzen – und spielt trotzdem eine große Rolle für Nation und Identität.Wie auch die Diaspora liegt der Berg Ararat außerhalb der heutigen armenischen Grenzen – und spielt trotzdem eine große Rolle für Nation und Identität. (© Christoph Velling)

"What seemed hopeless for a long time, finally became reality!" sprudelt es aus Babken der Grigorian heraus, als wir uns bei ihm nach seiner aktuellen Gemütslage erkundigen. Grigorian, selbst an diversen früheren Protesten beteiligt, die stets nach kurzer Zeit verebbten, ist der Stolz anzumerken, mit dem er auf die friedliche Revolution des Sommers 2018 blickt. Nun stehe man voller Enthusiasmus vor der Herausforderung, die großen Hoffnungen der Bevölkerung zu stillen und den Wandel Armeniens zu gestalten.

Zentraler Akteur dabei: die riesige, gut vernetzte und finanzkräftige armenische Diaspora, die nur darauf warte, Armenien zu altem Glanz zu verhelfen. Wie Grigorian selbst, der als Kind armenischer Perser in Frankreich und den USA aufwuchs und in London studierte, verspüren viele Menschen mit armenischen Wurzeln auch mehr als hundert Jahre nach der Auswanderung ihrer Vorfahren noch eine tiefe Verbundenheit zu Armenien: "Eating Persian food makes me appreciate the Persian cuisine and studying in the US makes me understand the Western values – but it doesn’t make me Persian or American: I still identify as Armenian and Armenia always remained my family‘s homeland!"

Ob durch Hilfszahlungen nach Naturkatastrophen oder internationaler Lobbyarbeit für die Anerkennung des Völkermords, Auslandsarmenier bringen sich schon lange über verschiedene Wege für ihre Heimat ein. Als stellvertretender Minister für Diasporaangelegenheiten plant Grigorian nun, die immensen Ressourcen, die noch in der Diaspora schlummern, effizienter und nachhaltiger zu bündeln. Aktuell sind sogenannte "Diaspora-Bonds" nach israelischem Vorbild geplant, durch die Auslandsarmenier zur Entwicklung beitragen können.

Ob Grigorian und seine Kabinettskolleg/-innen die großen Hoffnungen, die in ihn gesetzt werden, tatsächlich Realität werden lassen können, bleibt abzuwarten. Zu wünschen wäre es ihnen.