Sonnenaufgang am Sevansee in Armenien.

28.3.2019 | Von:
Lara Nonhoff

Weltcafé in Georgien

Außenansicht des Goethe Instituts in Tiflis.Außenansicht des Goethe Instituts in Tiflis. (© Max Schwendemann)
In Georgien hatten wir erneut die Möglichkeit, im Rahmen eines Weltcafés verschiedene im Land aktive Personen kennenzulernen. Unsere Gäste waren zwei Mitarbeitende von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, eine Mitarbeiterin von Charity Humanitarian Center, ein Mitarbeiter vom Arbeiter Samariter Bund und die Leiterin des Goethe Instituts in Georgien. Trotz des durchgeführten, dem in Armenien gleichenden, Formats eines World Cafés, war hier also die Erfahrung eine ganz andere, da die Hälfte unserer Gesprächspartner*innen aus einer deutschen Perspektive über das Land berichteten. Die Leiterin des Goethe Instituts begrüßte uns in den Räumlichkeiten des Instituts: Seit 1999 existiert das Goethe Institut im Haus in Tiflis und ist verantwortlich für Georgien, Armenien und Azerbaijan.

Die GIZ im Südkaukasus unterstützt die entwicklungspolitische Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland. Sie ist privatrechtlich organisiert und hat ca. 20.000 Mitarbeitende die in mehr als 120 Ländern aktiv sind. Die Hauptfinanzierung kommt von Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und sie werden für einzelne Projekte subventioniert. Die Kaukasusinitiative besteht aus drei Hauptsektoren: 1) Demokratie, Kommunalentwicklung und Rechtsstaat (Ziel ist die Annäherung an europäische Standards im Südkaukasus), 2) Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung (privatwirtschaftliche Entwicklung und Berufsbildung im Südkaukasus) und 3) Umwelt und Energie.

Unsere Gesprächspartner erzählen davon, dass sie normalerweise in der GIZ alle drei Jahre die Position wechseln. Auch berichten sie von der Herausforderung, vor der sie stets stehen, da sich die drei Länder in der Kaukasusregion sehr in ihren Anforderungsbereichen unterscheiden (in Georgien ist zum Beispiel die Dezentralisierung ein großes Thema, welches in Armenien ein No-Go-Thema wäre). Der Anspruch ist es, nachfrageorientiert zu arbeiten und immer auf das Land und die Bevölkerung zu reagieren. Das bedeutet, dass ein erstellter Handlungsplan während eines Projekts mehrmals modifiziert werden kann. Ihrer Aussage zufolge, hat die GIZ im Rahmen ihrer Arbeit keine eigenen Interessen, die sie verfolgen. Projektpartner sind oft die Behörden im Land und deren nachgeordnete Einrichtungen sowie die Leute im Land.

Der Arbeiter Samariter Bund hat zum Ziel, soziale Angebote für Leute aus weniger privilegierten Schichten zu schaffen. Er wurde 1888 gegründet. Die Arbeit, die er in Georgien macht, ist mit der Arbeit, die in Deutschland verrichtet wird, inhaltlich nicht verbunden. In Georgien hat der ASB 12 Mitglieder, die nicht an eine Religion gebunden sind. Ziel ihrer Arbeit ist es, lokale Projekte anzuregen, bei denen sich Gruppen bilden, die auch dann noch bestehen bleiben, wenn sich der ASB zurückzieht. Der Hauptgeldgeber ist die EU, die Unterstützung ist jedoch stets zweckgebunden. Die Projekte werden jedoch immer auch mit der Regierung in Georgien abgesprochen. Ein großer Teil der Arbeit des ASB sind Bedarfseinschätzungen: Sie schätzen also ab, ob es sich lohnen würde, einen Kindergarten zu öffnen, sodass dieser sich irgendwann selbst organisieren könnte, oder ob dieser, sobald die finanzielle Unterstützung aufhören würde, dann direkt schließen würde.

Zuletzt haben wir mit der Mitarbeiterin des Charity Humanitarian Center gesprochen, welches 1995 gegründet wurde und in Georgien die größte humanitäre Einrichtung ist. Schwerpunkte sind der Schutz und die Weiterentwicklung von Kindern und Jugendlichen, die Entwicklung von kommunalen Projekten, ökonomische Weiterentwicklung und Friedensarbeit. Unsere Gesprächspartnerin hat uns mehr vom Konflikt in Georgien mit den Regionen Abchasien und Südossetien erzählt. Nur wenn man z.B. nachweisen kann, dass man in einer der Regionen noch Familie hat, darf man die Grenze überqueren. Sie erklärt uns den Unterschied zwischen Geflüchteten und "IDPs", also inernally displaced people, welche gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben wurden, dabei aber keine Staatsgrenzen überquert haben. Auch berichtet sie, dass Russland regelmäßig mehr Land von den beiden Regionen einnimmt und somit quasi über Nacht die Grenzen verschiebt. Sie erzählt außerdem, dass es innerhalb von Georgien schon große Unterschiede zwischen den Menschen in den einzelnen Regionen gibt, weshalb es ebenso eine Aufgabe ist, die Menschen innerhalb des Landes miteinander zu versöhnen.

Insgesamt war es sehr interessant, auch mit Hinzunahme der Begegnungen im World Café in Armenien, eine so große Breite möglichen Engagements kennenlernen zu dürfen und somit von so unterschiedlichen Ansätzen des Aktivismus und der Hilfe zu erfahren.