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29.3.2019 | Von:
Stefan Heinemann

Sowjetarchitektur in der Hafenstadt Batumi

Das Medea-Denkmal auf dem Europaplatz im Zentrum der Altstadt von Batumi.Das Medea-Denkmal auf dem Europaplatz im Zentrum der Altstadt von Batumi. (© Miriam Herbert)

Der Sozialistische Klassizismus ist Teil des Sozialistischen Realismus, der etwa ab Anfang der 1930er Jahre der offiziell propagierte Kunststil in der Sowjetunion war. Geprägt ist der Stil durch palastartige Gebäude, die zahlreiche Verzierungen an den Fassaden, Säulen, Säulenhallen und Turmaufbauten enthalten. Der Stil ist allerdings nicht nur reine Herrschaftsarchitektur, sondern war vor allem in den Anfangsjahren mit dem Konzept verbunden, die Wohnverhältnisse zu revolutionieren und das kulturelle Niveau der "Arbeiterklasse" und aller "Werktätigen" anzuheben.

Grundsatz dieser Architekturform(en) war das qualifizierte Zitat historischer Bauformen im Sinne einer "nationalen Tradition", sodass die tatsächlich verwendeten Elemente und Formen variieren. Der Begriff "Sozialistischer Klassizismus" eignet sich dennoch zur Beschreibung des Gesamtphänomens, da eben klassizistische Formen staatenübergreifend angewandt wurden. Der manchmal auch abschätzig als "Zuckerbäckerstil" [1] bezeichnete Baustil kam mit dem Tod Stalins und der Entstalinisierung aus der Mode. Seitdem setzte man in der Sowjetunion und anderen sozialistischen Staaten auf eine funktionalistische und stark industrialisierte Architektur.

Da sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein starkes Bevölkerungswachstum abzeichnete, kam es bei den Arbeiterklassen rasch zu einer großen Wohnungsnot. Mit dem Beginn der Ära von Nikita Chruschtschow im September 1953 wurde in der ganzen Sowjetunion zu Sparmaßnahmen aufgerufen. Chruschtschow versammelte im Dezember 1954 die leitenden Architekten und Baufunktionäre der Sowjetunion zur "Allunionskonferenz der Bauschaffenden" und ließ öffentlich die Entstalinisierung der Baukultur und die Abschaffung des "Konservatismus in der Architektur" bekanntgegeben.

Im Wohnungsbau entstanden die allgemein als "Chruschtschowki"[2] (хрущёвки; Wohnblocks) bezeichneten Wohngebäude, welche im Stil von sogenannten "Chruschtschoby" (хрущобы; Plattenbau-Siedlungen) angeordnet wurden.

Während dieser Zeit wurden auch viele Straßen und Plätze im Sinne des "sozialistischen Städtebaus" umgestaltet. Hierbei wurde die traditionelle Stadtstruktur durch eine Flächensanierung komplett entfernt und eine neue Gestaltung mit Hochhäusern und Monumenten wie Brunnen ausgeführt.

Der sozialistische Städtebau versuchte, sich durch seine Gestaltung von den bisherigen Städten abzusetzen und seine Prinzipien darzustellen. So wurde das Bauen von Wohnungen vielfach wichtiger genommen als der Erhalt historischer Innenstädte. Städtische Strukturen, die als architektonische Abbildung des Imperialismus gedeutet wurden mussten weichen. Weitere auffällige Strukturmerkmale sind große für Paraden und Aufmärsche geeignete Plätze, die in der Regel vor Regierungsgebäuden liegen und verschwenderisch ausgeschmückte Bahnstationen, die ebenfalls ein ideologisches Signal setzen sollten.
Batumi Tour 1.

Batumi Tour 2.

Batumi Tour 3.

Batumi Stadt-Tour.Batumi Stadt-Tour. (© Stefan Heinemann/Google Maps)



Ein kurzer Bericht zur Stadttour durch Batumi

Kurzbericht der Stadttour durch Batumi.Kurzbericht der Stadttour durch Batumi. (© Christopher Rohles/Google Maps)


Fußnoten

1.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zuckerbäckerstil
2.
https://de.wikipedia.org/wiki/Chruschtschowka