Politik im Freien Theater

5.4.2019

SCHUL-REICH SPEZIAL: MÜNCHEN XXL. Ein interdisziplinäres Schulprojekt zu Wert und Werten

MÜNCHEN XXLMÜNCHEN XXL (© Gianmarco Bresadola)

In "MÜNCHEN XXL", einem interdisziplinären Schulprojekt zu Wert und Werten, wurden politische, ökonomische und kulturelle Bildung verknüpft. 290 Kinder und Jugendliche an sechs Münchner Partnerschulen (von der 3. bis zur 13. Klasse) haben ab September 2018 in interdisziplinären Unterrichtsprojekten zu Wert(en) und dem Leben in einer wohlhabenden Stadt geforscht.

Im fächerverbindenden Unterricht (u.a. Sozialkunde, Ethik/Religion, Deutsch, Erdkunde, Geschichte, Mathematik, Kunst, Theater und Film, Gestaltung und Medien) haben die Klassen mit ihren Lehrer/innen zum Thema Werte altersgemäß recherchiert. Einige Klassen haben vertiefende Experteninputs zum Thema erhalten. Darüber hinaus fanden für die Projektklassen Stadtführungen mit BISS – Bürger in sozialen Schwierigkeiten statt. Gemeinsam mit Künstler/innen haben die Schüler/innen anschließend ihre Rechercheergebnisse künstlerisch verarbeitet. Entstanden sind vielfältige künstlerisch-mediale Perspektiven und Ergebnisse: sechs Filme, ein Fotoprojekt, eine Ausstellung und ein Song.

Zum Projekt "MÜNCHEN XXL" gibt es eine kurze Videodokumentation (Schnitt: Dorothea Seitz).
290 Kinder und Jugendliche an sechs Münchner Partnerschulen haben mit Lehrkräften, Expert/innen und Künstler/innen zu Wert(en) und dem Leben in einer wohlhabenden Stadt geforscht. (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung und Münchner Kammerspiele)

Partnerschulen: Grundschule an der Herrnstraße, Mittelschule am Winthirplatz, Städtische Wilhelm-Busch-Realschule, Städtisches Thomas-Mann-Gymnasium, Städtisches Willi-Graf-Gymnasium, Städtische Fachoberschule für Gestaltung
Mit den Künstler/innen: Axel Bahro, Sylva Häutle, Andrea Huber, Anna McCarthy, Marco Merz, Dorothea Seitz, Rebecca Zehr, JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis
Idee, Gesamtkonzept & Projektleitung Bundeszentrale für politische Bildung: Anne Paffenholz
Projektleitung Münchner Kammerspiele: Elke Bauer

Gefördert durch: PwC-Stiftung
Logo der PWC-Stiftung


In Zusammenarbeit mit: BISS – Bürger in sozialen Schwierigkeiten
Mit freundlicher Unterstützung: Fachbereich Politische Bildung des Pädagogischen Instituts im Referat für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München

Abschlusspräsentation "MÜNCHEN XXL":
9. November, 9 und 11 Uhr
Gasteig, Carl-Amery-Saal


Die Projekte:


Grundschule an der Herrnstraße
Geschichten von Armut und Reichtum // TRICKFILMPROJEKT
Von und mit: 27 Schüler/innen der 4. Klasse
Projektleitung Schule: Waltraud Lang
Künstlerische Leitung: JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis / Günther Anfang, Daniel Aberl, Carolin Oefele, Daniel Schöning & Elisa Taupert
27 Schüler/innen der 4. Klasse haben gemeinsam mit dem JFF fünf Trickfilme erarbeitet, die aus verschiedenen Blickwinkeln das Thema Reichtum und Armut beleuchten. (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung; Münchner Kammerspiele)

27 Schüler/innen der 4. Klasse haben gemeinsam mit dem JFF fünf Trickfilme erarbeitet, die aus verschiedenen Blickwinkeln das Thema Reichtum und Armut beleuchten. In fünf Kleingruppen wurden bei Projekttagen kurze Geschichten zum Thema erfunden. Die Kinder haben die Drehbücher zu den Trickfilmen erstellt, die Zeichnungen für die Filmaufnahmen angefertigt und die Geschichten anschließend nachvertont.


Städtische Wilhelm-Busch-Realschule
Der Fischer und seine Frau // FILMPROJEKT
Von und mit: 28 Schüler/innen der Klasse 6orange1
Projektleitung Schule: Ulrike Kopp, Alexandra Erhard & Ralph Schwetzler
Künstlerische Leitung: Andrea Huber & Anna McCarthy
Experteninput: Akademie Kinder philosophieren der gfi gGmbH
Die 28 Schüler/innen der 6. Klasse erzählen das Märchen vom "Der Fischer und seine Frau" als Kurzspielfilm und geben auch Einblick in ihre eigenen Wünsche. (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung; Münchner Kammerspiele)

Die 28 Schüler/innen der 6. Klasse erzählen das Märchen vom "Der Fischer und seine Frau" als Kurzspielfilm und geben auch Einblick in ihre eigenen Wünsche, was sie reich macht. Im Unterricht haben sie sich intensiv mit dem Thema Reichtum und Armut beschäftigt: Es wurde das Märchen "Der Fischer und seine Frau" gelesen und eigene Wünsche formuliert. Außerdem wurden verschiedene Sachtexte zum Thema gelesen und besprochen. Darüber hinaus haben die Schüler/innen eine Stadtführung mit BISS – Bürger in sozialen Schwierigkeiten unternommen und ein philosophisches Gespräch mit der Akademie Kinder philosophieren geführt. Im Mathematikunterricht ging es darum, wie viel Geld reich macht und was man zum Leben braucht. Auf dieser Recherchegrundlage erfolgte die Umsetzung des Kurzfilms, der anschließend nachvertont wurde.


Städtische Wilhelm-Busch-Realschule
Was reich macht – Upcycling Stories // FILMPROJEKT
Von und mit: 29 Schüler/innen der Klasse 6orange2
Projektleitung Schule: Christa Lippet & Philip Piszczek
Künstlerische Leitung: Axel Bahro & Dorothea Seitz
Experteninput: Akademie Kinder philosophieren der gfi gGmbH
Aus Müll und Verpackungsresten haben 29 Schüler/innen der 6. Klasse in einem Upcycling-Projekt neue Welten und eigene Geschichten zu Werten erfunden. (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung; Münchner Kammerspiele)

Aus Verpackungsresten und Müll haben 29 Schüler/innen der Klasse 6orange2 in einem Upcycling-Projekt neue Welten gebaut und eigene Geschichten zu Werten erfunden. Die Klasse hat sich im Unterricht intensiv mit dem Thema Reichtum, Armut und Werten beschäftigt. Darüber hinaus haben die Schüler/innen eine Stadtführung mit BISS unternommen und ein philosophisches Gespräch mit der Akademie Kinder philosophieren geführt.


Mittelschule am Winthirplatz
Cinderella in a Box // FILMPROJEKT
Von und mit: 19 Schüler/innen der Klasse 8g
Projektleitung Schule: Desiree Pichler & Nina Rausch
Künstlerische Leitung: Axel Bahro & Dorothea Seitz
Assistenz: Jule Fuchs
19 Schüler/innen der 8. Klasse haben ihre eigene Version der Geschichte "Cinderella" als kurzen Spiel- und Animationsfilm umgesetzt: Was bedeuten "arm" und "reich"? (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung; Münchner Kammerspiele)

19 Schüler/innen der 8. Klasse haben ihre eigene Version der Geschichte "Cinderella" als kurzen Spiel- und Animationsfilm umgesetzt: Was heißt es heute, "reich" oder "arm" zu sein und welche Werte sind wirklich wichtig? Die Spielszenen der eigenen Story-Idee wurden vor dem Green Screen gedreht. Kameraführung, Masken- und Kulissenbau wurden von den Schüler/innen selbst übernommen. Zur Ergänzung der inhaltlichen Recherche fand eine Stadtführung mit BISS – Bürger in sozialen Schwierigkeiten statt.


Städtisches Thomas-Mann-Gymnasium
Reich // FILMPROJEKT
Von und mit: 35 Schüler/innen, Kurs Theater und Film Q11 und Kurs Theater und Film Q12
Projektleitung Schule: Alexandra Helmrich & Akim Akodad
Künstlerische Leitung: Andrea Huber & Anna McCarthy
Experteninput: Karin Majewski (Geschäftsführerin des Paritätischen in Oberbayern)
35 Schüler/innen der 11. und 12. Klasse drehen gemeinsam einen Film: ein assoziativer Demonstrationszug zu Armut, Reichtum, Glück und einer Welt ohne Geld. (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung; Münchner Kammerspiele)

Die 35 Schüler/innen aus den Kursen "Theater und Film" der 11. und 12. Klasse wagten ein Großprojekt: Angeregt von einem Impulsvortrag vom Paritätischen Verband zur sozialen Situation in München und Deutschland und einer Stadtführung mit BISS – Bürger in sozialen Schwierigkeiten setzten sie ihre Gedanken und Assoziationen zum Thema in einem atmosphärisch aufgeladenen Kurzfilm um. Dabei sind sie (fast) mit einer einzigen Einstellung ausgekommen. Ein assoziativer Demonstrationszug zu Armut, Reichtum, Glück und einer Welt ohne Geld.


Städtisches Willi-Graf-Gymnasium
Armes München, reiches München. Kurzfilme // DOKUMENTARFILMPROJEKT
Von und mit: 20 Schüler/innen der Klasse 8a
Projektleitung Schule: Annette Englaender & Thomas Piwonka
Künstlerische Leitung: Sylva Häutle & Rebecca Zehr
In fünf Teams ist die 8. Klasse durch München gezogen. In gefilmten Interviews haben sie die Leute gefragt, was es heißt, reich oder arm zu sein. (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung; Münchner Kammerspiele)

20 Schüler/innen der 8. Klasse haben die Menschen in München zu Armut und Reichtum befragt: auf der Straße, im Krankenhaus, in einer Arztpraxis und im Englischen Garten. Was heißt es wirklich, arm oder reich zu sein? Und was passiert in Deutschland, wenn man krank ist und keine Krankenversicherung hat? In drei Projekttagen sind fünf Kurzfilme entstanden. Zur Recherche gehörte eine Stadtführung mit BISS – Bürger in sozialen Schwierigkeiten.


Städtische Fachoberschule für Gestaltung
Wertvolle Gedanken // FOTOPROJEKT
Von und mit: 24 Schüler/innen der Klasse 13a (Gestaltung und Medien)
Projektleitung Schule: Lea Klemens & Patricia Desing (Kl. 13a)
Recherche:
55 Schüler/innen der Klasse 12c, e und f Sozialkunde: Katrin Held (Kl. 12f) / Ethik: Maximilian Seubert (Kl. 12c, e und f)
Wie werden die Werte der Münchnerinnen und Münchner greifbarer? 79 Schüler/innen der 12. und 13. Klasse haben in einem jahrgangsstufenübergreifenden Projekt Stadtteilrecherche und Fotografie verknüpft. (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung; Münchner Kammerspiele)

Wie werden die Werte der Münchnerinnen und Münchner greifbar? 79 Schüler/innen der 12. und 13. Klasse haben in einem jahrgangsstufenübergreifenden Projekt Stadtteilrecherche und Fotografie verknüpft. 55 Zwölftklässler haben im Rahmen des Sozialkunde- und Ethikunterrichts die Bewohner/innen von Münchner Stadtvierteln nach ihren Werten befragt. 24 Schüler/innen der 13. Klasse haben diese Werte im Unterricht Gestaltung und Medien in einem Fotografieprojekt zurück in die Stadtteile gebracht. Der Film zeigt die entstandenen Fotos und das Making-of der Fotoaufnahmen.


Städtische Fachoberschule für Gestaltung
Stadtteilstrukturen (Backsteinfrottage) // GESTALTUNGSPROJEKT

Von und mit: 23 Schüler/innen der Klasse 13c (Gestaltung)
Projektleitung Schule: Lisa von Collas
Im Gestaltungsunterricht war die Klasse 13c auf Exkursion in verschiedenen Münchner Stadtvierteln. Sie haben nach Strukturen gesucht, die beispielhaft für die jeweiligen Viertel und ihre Bewohner sind. Durch Frottagetechnik wurden diese Strukturen im Format von Backsteinen auf Transparentpapiere übertragen. In Handschrift haben die Schüler/innen die Papiere mit ihrem Namen und dem Entstehungsort ihrer Frottage versehen. Die Arbeiten wurden im Rahmen der Video- und Soundinstallation "JUGEND & SCHULE IM PIXEL" beim Theaterfestival ausgestellt.


SONGPROJEKT MÜNCHEN XXL: Jetzt und morgen

von und mit: jeweils 5 Schüler/innen der Grundschule an der Herrnstraße, der Mittelschule am Winthirplatz, der Städtischen Wilhelm-Busch-Realschule, dem Städtischen Thomas-Mann-Gymnasium und dem Städtischen Willi-Graf-Gymnasium
Künstlerische Leitung & Musik: Marco Merz
Songtext: MÜNCHEN XXL All Stars, Marco Merz & Anne Paffenholz

Zum Hören: Jetzt und morgen
25 Schüler/innen aus fünf Münchner Schulen (von der 3. bis zur 13. Klasse) performen gemeinsam den Song "Jetzt & morgen" über das Leben im reichen München. (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung; Münchner Kammerspiele)

25 Schüler/innen aus fünf Schulen performen gemeinsam den Song "Jetzt & morgen" über das Leben im reichen München. Der Berliner Musikproduzent Marco Merz hat die Schulen dafür zweimal besucht: Gemeinsam wurde bei einem ersten Treffen über das Thema "Reichtum in München" gesprochen, anschließend erste Textideen für den Song entwickelt. Bei einem zweiten Termin fanden die Songaufnahmen statt. Entstanden ist ein musikalisch vielfältiger Song mit Schüler/innen von der 3. bis zur 13. Klasse über das Leben in ihrer Stadt.

Bildergalerie: MÜNCHEN XXL. Ein interdisziplinäres Schulprojekt zu Wert und Werten


Jetzt und morgen

München – eine wohlhabende Stadt.
Neben Superreichen werden andere gar mehr nicht satt.
München – Millionäre mit viel Moos.
Biste einer von den Armen – ein erbärmliches Los.
Hohe Preise in München rauben uns den Verstand.
Viele schuften bis zum Umfallen. Andere leben vom Pfand.
Arm und Reich – die Schere öffnet sich weiter.
Immer mehr Menschen sind unten – fallen von der Leiter.

Luxusshopping oder wohnen auf der Straße.
Fünfsternekoch oder die Tafel.
Immobilieninvestment oder Flaschenpfand.
Wohnen im Zentrum oder am Stadtrand.

Reich sein heißt:
Frei von Angst und Sorgen.
Federleicht.
Gemeinsam, jetzt und morgen.


Reichtum heißt – easy Geld zum Überleben.
Sich ohne Bedenken alles leisten – nach den Sternen streben.
Hä? Reichtum hat doch nix mit Geld zu tun!
Sondern mit Freunden und Familie und 'ner gesunden Welt mit Blumen.

Die haben so'n Reichencodex, Bodyguards, krasse Bräune.
Um ihr Geld viel Angst – um ihre Villa hohe Zäune.

Mehr Kohle, mehr Zaster – King, Moneten, Master.
Bling Bling, 1000sassa – Alles Meins! Und Basta!
Unter dem Schloss: ein wertvoller Schatz.

Mehr Kohle und mehr Zaster – King und Master.
Bling, 1000sassa –Meins! Basta!

Luxusautos, Villa.
Schampus, großer Pool.
Diamentenzähne.
Ah – Supercool.

Ihr werdet schon sehen – ich werde berühmt.
Boss meiner Firma – Bonzenkostüm.
Aber nee, ich will dann gar nicht meine Kohle behalten.
Sondern für die kleinen Leute – die Stadt gestalten.

Reich sein ist nicht alles – das ist unser Statement.
Denn mit den vielen Scheinen – kommen die Fake Friends.
Meine Werte liegen in keinem Safe.
Sondern zwischen uns beiden – Face to Face.

Reich sein heißt:
Frei von Angst und Sorgen.
Federleicht.
Gemeinsam, jetzt und morgen.


Können wir hier später auch noch wohnen?
Wird sich unsere Arbeit dafür auch noch lohnen?
Wie Mieten und Meeresspiegel weiter steigen,
ist zum Heulen – und dazu kommen jetzt die Geigen.

Was wir wollen: Keine Waffen!
Was wir wollen: Dass alle es schaffen!
Was wir wollen: Friedliche Zeiten!
Und mehr Geld für Bildung und gar keine Pleiten!

Wir wollen das Beste für alle – haben die alte Leier satt.
Helfen der Welt und den Menschen in unserer Stadt.
Teilen mit den Nachbarn, Kleinigkeiten werden groß.
Lass uns gemeinsam essen – und das Leben wird famos!

Reich sein heißt:
Frei von Angst und Sorgen.
Federleicht.
Gemeinsam, jetzt und morgen.


Festival

Politik im Freien Theater

Seit 1988 veranstaltet die Bundeszentrale für politische Bildung das Festival "Politik im Freien Theater". Das Theaterfestival gastiert jeweils in einer anderen deutschen Stadt. In einem mehrtägigen Zeitraum werden Theatergastspiele aus der nationalen und internationalen Freien Szene gezeigt, die von einem umfangreichen und vielfältigen Begleitprogramm flankiert werden.

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