Sonnenaufgang am Sevansee in Armenien.

26.4.2019 | Von:
Pauline Kohlhase

Stadtbesichtigung in Dilijan

Eine "westliche" Perspektive auf einen Stadtrundgang

Bei der Führung durch die armenische Provinzstadt wurden das westliche Flair und die Maßnahmen der Dezentralisierung deutlich.

Impression aus der armenischen Provinzstadt Dilijan.Impression aus der armenischen Provinzstadt Dilijan. (© Vera Katzenberger)

Dilijan ist eine kleine Stadt nördlich von Jerewan. Wir essen im Tava zu Mittag. Das Restaurant ist bezeichnend für die Gegend: Die Geschäftsführerin hat in den letzten drei Jahren drei Restaurants in der Gegend gegründet. Davor gab es lediglich eine Gelegenheit hier zu essen. Ein Anzeichen dafür, dass sich die Region im wirtschaftlichen Aufschwung befindet? Als Maßnahme gegen die Zentralisierung wurden vor einigen Jahren Teile der Central Bank von Jerewan nach Dilijan verlagert. So sollen neue Arbeitsplätze geschaffen und Anreize zu kulturellen Veranstaltungen gegeben werden.

Die Touristeninformation in Dilijan.Die Touristeninformation in Dilijan. (© Max Schwendemann)
Vor dem Essen kommen wir an der Touristeninformation vorbei. Für mich ist es ein starker Kontrast zwischen dem modernen Holzbau und den verlassen wirkenden Steingebäuden im Sowjetstil. Die Dame aus der Information erzählt uns, dass die Information erst im August eröffnet hat. Die meisten Touristen kommen aus Deutschland. Vor allem Ökotourismus spielt in den Broschüren eine große Rolle.

Wir werden von zwei Freiwilligen des Dilijan Community Centers herumgeführt. Das Dilijan Community Center hat die Mission das soziale Miteinander in der Stadt zu fördern. Im Community Center finden verschiedene Sprachkurse für Russisch, Englisch, Türkisch und Spanisch statt. Daneben gibt es auch ein von Jugendlichen geführtes Radio, eine Zeitung, diverse Initiativen zum Beispiel für Frauenrechte und Freizeitangebote wie Theater AGs, Chor, Tanz sowie verschiedene Projektgruppen. Kürzlich hat eine Gruppe von jungen Entrepreneuren bei der Diamond Challenge mitgemacht und ist in die internationale Auswahl gekommen.

Die berühmte Mimino Statue im zentralen Kreisverkehr der Stadt.Die berühmte Mimino Statue im zentralen Kreisverkehr der Stadt. (© Vera Katzenberger)
Unser erster Stopp: Das Denkmal der Helden des Filmes Mimino. Es soll Glück bringen, die Nasen der vier Statuen, die angelehnt an die Komödie Mimino entstanden sind, zu berühren. An dem Film haben 1977 SchauspielerInnen aus unterschiedlichen sowjetischen Ländern mitgewirkt, unter anderem aus Georgien, Armenien und Russland.


Das kronenartige Monument zu Ehren des 50. Jahrestages der Sowjetunion.Das kronenartige Monument zu Ehren des 50. Jahrestages der Sowjetunion. (© Max Schwendemann)
Anschließend geht es weiter zum Fünf-Sterne-Monument. Es wurde zu Ehren des 50. Geburtstags der Sowjetunion erbaut. Die fünf Sterne stehen für die fünf Dekaden. Direkt danach kommen wir am #2 Café vorbei. Die "westliche" Architektur lässt den Einfluss der Sowjetunion bis 1991 fast vergessen.

In den Hügeln oberhalb der Stadt liegt die verlassene Khanjyan Villa.In den Hügeln oberhalb der Stadt liegt die verlassene Khanjyan Villa. (© Marius Jedlitschka)
Wir gehen einen kleinen Hügel hinauf und kommen zur Khanjyan Villa.
Hier war der Lieblingsplatz von Khanjyan, ein Armenier, der von der Sowjetunion heimlich ermordet wurde, weil seine Haltung für zu nationalistisch befunden wurde. Mittlerweile kommen ab und zu Touristen hierher, müssen aber erst ein Wärterhäusschen passieren. Wir schmieden sofort Pläne, was mit der verfallen wirkenden Villa passieren könnte: Ein Jugendzentrum vielleicht? Unsere beiden StadtführerInnen bezweifeln, dass es in naher Zeit zu einer Restaurierung kommen wird. Weiter geht es zum King of the forest.

Anschließend geht es durch die Altstadt – laut unseren StadtführerInnen ein sehr beliebtes Touristenziel. Wir kommen am Dilijan Amphitheater vorbei.
Gedenken an Charles Azvanour, den verstorbenen Sänger mit armenischen Wurzeln.Gedenken an Charles Azvanour, den verstorbenen Sänger mit armenischen Wurzeln. (© Vera Katzenberger)
Auf der Bühne stehen Fotos von einem armenischen Sänger – Charles Aznavour – der am Tag zuvor gestorben ist. Auf den Bänken sind Kerzen verteilt und im Hintergrund läuft seine Musik. Der Sänger hat weder in Dilijan noch in Armenien gelebt. Er ist in Frankreich geboren und aufgewachsen. Hier erleben wir ein Stück Diaspora: Die Identität mit Armenien und der Zusammenhalt ist so groß, dass er über Generationen und Zeitzonen hält.