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Veranstaltungen: Dokumentation

30.5.2011

Erregungszustände. Neue Medien, neue Politik, neue Publika

Medienseminar der Berliner Reihe der Bundeszentrale für politische Bildung / Berlin, Haus der Commerzbank

Am 9. und 10. Mai versammelte die Bundeszentrale für politische Bildung Politiker, Medienexperten, Publizisten, Journalisten und Wissenschaftler um über neuste Trends im Journalismus zu debattieren.

Am 9. und 10. Mai versammelte die Bundeszentrale für politische Bildung Politiker, Medienexperten, Publizisten, Journalisten und Wissenschaftler um über neuste Trends im Journalismus zu debattieren.

Der Veranstaltungsort - das Haus der Commerzbank - befindet sich am Pariser Platz direkt neben dem Brandenburger Tor.Der Veranstaltungsort - das Haus der Commerzbank - befindet sich am Pariser Platz direkt neben dem Brandenburger Tor. (© Krug)
"Deutschland ist das Land medialer Dauererregung schlechthin", schrieb Ende 2010 die Neue Zürcher Zeitung. Tatsächlich fällt es nicht schwer, Stichworte dieser sehr unterschiedlichen Erregungen und Emotionalisierungen zu finden: Stuttgart 21, Schweinegrippe, Joachim Gauck, Missbrauch, Klimakatastrophe, Thilo Sarrazin, "Wutbürger", Jörg Kachelmann, Karl-Theodor zu Guttenberg.

Das Medienseminar, das in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Medienwissenschaftler Dr. Hans-Jürgen Krug entstanden ist, thematisierte, wie sich in Deutschland Medien, Politik und Publika neu orientieren und alte Milieus und Gewissheiten brüchig werden.





Mo. 10.00 - 11.00 Uhr
Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, eröffnete die Veranstaltung. Er machte darauf aufmerksam, dass es in der Bundesrepublik schon früher "Erregungszustände" gegeben hat, beispielsweise - wie man dem Spiegel noch heute entnehmen könne - wenn Herbert Wehner im Deutschen Bundestag sprach. "Die Bundeszentrale hat die Aufgabe, durch politische Bildungsangebote das politische Bewusstsein zu fördern und Kontroversen anzuregen. Ich denke, das tun wir mit diesem Seminar."


Hans-Jürgen KrugHans-Jürgen Krug
Dr. Hans-Jürgen Krug ging in seiner Begrüßung auf die wichtigsten medialen Trends der zurückliegenden Jahrzehnte ein, die seit den 1970er Jahren bei Presse, Radio, Fernsehen und dann Internet zu deutlichen Beschleunigungen und dann zu den heutigen Erregungszuständen geführt haben. Als Ursachen benannte er Veränderungen in der Ökonomie der Medien, der technischen Möglichkeiten und der ästhetischen Gestaltung der Angebote.
heise.de/tp/artikel
Überarbeitete Druckfassung des Vortrags von Dr. Hans-Jürgen Krug


Mo. 11.00-13.00 Uhr

Neue journalistische Formen

600_Foto_Roether.jpgDiemut Roether
Der Journalismus befindet sich gegenwärtig in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess. Trimediale Newsrooms verändern journalistische Arbeitsformen grundlegend, der Druck auf die Hauptstadtjournalismus nimmt zu und verändert ihn, Nachrichtensendungen privater Anbieter gewinnen bei der Jugend durch neue Darstellungsformen an Bedeutung, junge Journalisten versuchen einen neuen, einen Data Driven Journalism zu begründen. Diemut Roether verantwortliche Redakteurin von epd-medien leitete die unorthodox zusammengesetzte Experten-Gesprächsrunde, die den aktuellen Trends im Journalismus nachging.


600_Foto_Hansen.JPGDirk Hansen
Dirk Hansen, der Programmdirektor von Radio Bremen, berichtete über die Arbeit im vernetzten multimedialen Funkhaus, das der Sender vor drei Jahren bezogen hat. Fernsehen, Hörfunk und Online kooperieren hier - bundes- und ARD-weit noch ziemlich einzigartig - sowohl räumlich als auch verstärkt in inhaltlicher Weise. Hansen sieht den neuen Newsroom allerdings nicht als "Kommandozentrale", sondern vielmehr als "Flugsicherung", die den Überblick behält. Der Umzug wurde begleitet durch eine programmatische Neuausrichtung. Ausgehend von der Frage nach den Kernkompetenzen und Möglichkeiten einer regional begrenzten Sendeanstalt hat dieser Prozess eine stärkere Hinwendung zu Bremer Themen bewirkt. Zu der organisatorischen Seite des Umzugs bemerkte Hansen: "Es sind viele Kompromisse einzugehen, das Hauptkennzeichen des Prozesses ist aber, dass er nie abgeschlossen ist."

PDF-Icon Vortrag von Dirk Hansen: Trimediale Newsrooms (1.100 KB)


600_Foto_Ohls.JPGJürgen Ohls
Jürgen Ohls, Chefredakteur bei RTL II in Köln, hat als Nachrichtenchef die RTL II-Nachrichten konsequent auf eine junge Zielgruppe zwischen 14 und 29 Jahren ausgerichtet. Dabei bedient RTL II auch das stärkere Interesse der jungen Leute an Boulevardthemen, wobei klassische Politiknachrichten schon mal vernachlässigt werden. Dennoch ist er davon überzeugt, dass die RTL II-Nachrichten mit helfen, eine gewisse Politisierung auch in politikfernen Zielgruppen zu ermöglichen, die ansonsten keine Nachrichtensendungen gucken würden. Der höhere Boulevardanteil der Nachrichten sei nicht der Grund für eine verstärkte Hysterie in den Medien allgemein, solange es die anderen Angebote z.B. der öffentlich-rechtlichen Sender gäbe. "Für uns ist es eine attraktive Aufgabe, junge Menschen mit Inhalten zu erreichen, die sonst nie an sie herandringen würden."


600_Foto_Pohl.JPGInes Pohl
Ines Pohl, Chefredakteurin der taz, Berlin, registriert eine enorme Beschleunigung des Hauptstadtjournalismus, die vor allem durch den Fernsehjournalismus forciert werde. Für die Journalisten in Berlin werde der Druck "von Tag zu Tag schlimmer". "Das erste Vierteljahr hat eigentlich gereicht", so Pohl nach Westerwelle, zu Guttenberg, Ägypten, Libyen, Japan. Eine kleine Zeitung wie die taz mit ihren frühen Andruckzeiten werde sich nur durch "Entschleunigung" behaupten können. "Qualitätsjournalismus", so ist sie überzeugt, "hat nur eine Zukunft, wenn er die kritische Distanz pflegt". Für das journalistische Selbstverständnis gelte: "Zuerst dem Land dienen - erst dann der eigenen Bedeutsamkeit."


600_Foto_Elmer.JPGChristina Elmer
Christina Elmer von der Deutschen Presseagentur ist Redakteurin für aktuelle Infografiken und trainiert dort u.a. Journalisten in den Bereichen Web-Recherche und database journalism. Die junge Journalistin ist Expertin im Aufstöbern von interessanten Geschichten, die sie aus Zahlen-, bzw. Datensammlungen gewinnt. Genauso wichtig sei in Zukunft aber auch die grafische Aufbereitung von Nachrichten. Auf diese Weise würden schwierige Zusammenhänge leichter verdeutlicht und im Internet für den Nutzer individuell erlebbar. Besonders in den USA sei es leicht, an öffentliche Daten zu gelangen, in Deutschland dagegen sollte sich der Journalismus mehr in die Open-data-Bewegung einbringen um neue journalistische Formate zu generieren. "Der Umgang mit Daten wird in Zukunft ein wichtiges Handwerkszeug von Journalisten sein. Es ist ihre Aufgabe, den Menschen durch die Datenrecherche und -aufbereitung Orientierung zu geben."

PDF-Icon Vortrag von Christina Elmer: Data Driven Journalism (2.800 KB)


Mo. 14.00-15.00 Uhr

Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und Qualitätsjournalismus

600_Foto_Imhof.JPGKurt Imhof
Kurt Imhof, Professor für Soziologie an der Universität Zürich, ist davon überzeugt, dass Qualitätsjournalismus eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen einer Demokratie ist. Die jüngst von seinem Institut durchgeführte Untersuchung der Verhältnisse im Printbereich in der Schweiz, wo insbesondere die Gratiszeitungen den etablierten Angeboten Probleme bereiten, gebe – so der Soziologe – keinen Anlass zum Optimismus. Je billiger Journalismus produziert würde, desto stärker sei die Neigung zum Populismus in den Medien und als Konsequenz auch im politischen Betrieb. Wo es – angesichts komplexer werdender Problemstellungen – eigentlich transnationale Öffentlichkeiten bedürfe, gehe der Trend europaweit eher in die entgegengesetzte Richtung hin zum Lokalen. Qualitätsjournalismus sei langfristig im Printbereich mit herkömmlichen Mitteln nicht finanzierbar. "Insbesondere die öffentlich-rechtlichen Medien sind dadurch in der Verantwortung. Es ist auch zu überlegen, ob der Journalismus nicht dauerhaft durch Stiftungen alimentiert werden müsse."

Mo. 15.30-16.30 Uhr

Mit Lust, List und Lücke. Wie gut sind wir informiert?

600_Foto_Kammann.JPGUwe Kammann
Der Direktor des Grimme-Institut, Uwe Kammann, konstatiert eine anarchische Situation des modernen – durch Konkurrenz geprägten – Medienbetriebes. Angesichts dessen bedarf die Gesellschaft umso mehr jenen Plattformen, die die Öffentlichkeit mit der Ausrichtung am Gemeinwohl informieren. "Durch die neuen Medien ergeben sich dabei große Chancen, häufig verlangen diese aber auch mehr eigenes Engagement von den Nutzern." Kammann betonte die Notwendigkeit von "Eigeninitiative": "Gut informiert ist, wer gut informiert sein will". Der Mangel an Informationen sei nicht das Hauptproblem.



Mo. 17.00-18.00 Uhr

Sicherheit und Erregung. Die Mitte und die Medien

600_Foto Münkler.JPGHerfried Münkler
Herfried Münkler, Professor für Politikwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, sieht einen Zusammenhang zwischen der bundesrepublikanischen Fixierung auf die politische Mitte und dem Phänomen der Medienhysterie. Als politische Mitte definiert Münkler all jene Bürger, die sich sozial abgesichert sehen und annehmen, ihnen gehe es in zehn Jahren besser als zuvor. Im Gegensatz zur Zeit der Weimarer Republik, nimmt die politische Auseinandersetzung, so Münkler, hierzulande an Schärfe und Ernsthaftigkeit stetig ab. Die Menschen kompensieren die dadurch entstehende Langeweile mit der Beschäftigung mit medial inszenierten Skandalen, die für eine kurze Zeit für Ablenkung sorgen. "Den Akteuren werden dabei von den Beobachtern Haltungsnoten vergeben. Das permanente Einnehmen einer reinen Beobachterrolle ist – etwas provokativ formuliert – als Ausdruck einer gewissen politischen Unreife der Deutschen zu deuten."

Di. 09.00-10.00 Uhr

Die aktuelle Stunde: Die neuesten Erregungen

600_Foto_Hano.JPGJohannes Hano
Der ZDF-Korrespondent Johannes Hano ist Leiter des Ostasienstudios des ZDF. Er war bei den Erdbeben und dem anschließenden Tsunami in Japan vor Ort und erlebte die Katastrophe hautnah. Er ist der Meinung, dass die Geschehnisse in Japan auch Deutschland einen Spiegel vorhalten, wie selbst hochindustriell ausgerichtete Länder im Atom-Krisenfall versagen könnten. Bei seinen Recherchen in Japan ist nun der Geigerzähler zum unverzichtbaren Instrument geworden, dies habe er sich nicht vorstellen können. Dennoch müsse sich die Debatte in Deutschland angesichts ausverkaufter Jodtabletten etc. beruhigen um eine ernsthafte Diskussion über die Gefahren der Atomenergie zu ermöglichen. "In Tokio ist die Strahlenbelastung geringer als in Deutschland. In Japan findet aber derzeit ebenfalls – wenn auch langsam – ein Umdenken statt, was das blinde Vertrauen in die Atomtechnik angeht."

Di. 10.00-11.00 Uhr

Hintergründe: Die Macht der Algorithmen

600_Foto Münker.JPGStefan Münker
Stefan Münker, Privatdozent am Institut für Musik- und Medienwissenschaft der Humboldt Universität Berlin, analysierte den Einfluss von Software und digitalen Programmen auf den menschlichen Denkprozess. Transformiert sich die Welt zu einem Software-Staat, wie es der amerikanische Computerforscher David Gelernter behauptet? Die Herrschaft der Algorithmen verstelle die Sicht auf das Reale und substituiere kognitive Prozesse. Die Frage der Zukunft laute daher, so der studierte Philosoph Münker, ob sich die Beziehung Mensch / Maschine durch Komplementarität oder Konflikt auszeichnen wird. Ein mögliches Instrument, das eigenständige Denken wieder zu fördern, sei die Schaffung größtmöglicher Transparenz, z.B. was die Funktionsweise der aktuellen Suchmaschinen wie "google" betrifft.


Di. 11.00-12.00 Uhr

Geheimnisse, Medien und das Innere von Wikileaks

600_Foto_Rosenbach.JPGMarcel Rosenbach
Spiegel-Redakteur und Wikileaks-Kenner Marcel Rosenbach hinterfragt die vermeintliche Konkurrenz der sogenannten Enthüllungsplattformen wie Wikileaks mit den klassischen Medien. Die ursprüngliche Idee des Wikileaks-Erfinders Julian Assange, Originaldokumente ungefiltert an die Web-Community weiterzugeben und deren Aufbereitung den Internetnutzern zu überlassen, sei gescheitert. Häufig habe sich gezeigt – wie etwa im Fall der Geheimdokumente des US-Militärs – dass die zu untersuchende Materie so komplex ist, dass zu wenig Nutzer eine solide Analyse überhaupt vornehmen können. Das Konzept des "Peer Review" musste Wikileaks daher zugunsten der Kooperation mit etablierten Medieninstitutionen aufgeben. Mittlerweile veröffentlicht Wikileaks zumeist nur diejenigen Dokumente, die zuvor bereits durch einen Kooperationspartner aufbereitet und publiziert wurden. Letztlich stellte Rosenbach fest: "Die etablierten Medien haben Wikileaks bislang stärker verändert als Wikileaks die Medien."

Di. 13.00-14.30 Uhr

Geschichtszeichen 2010

600_Foto_Bolz_Sarrazin.JPGNorbert Bolz
Norbert Bolz, Professor für Geisteswissenschaften mit Fachgebiet Medienwissenschaften an der TU Berlin, vertrat in der Diskussion mit dem Politiker und Buchautoren Thilo Sarrazin die Ansicht, dass die Medienlandschaft in Deutschland mehr als in anderen Ländern durch eine starke Meinungspresse gekennzeichnet sei. Die Medien agierten häufig als "Erzieher des Volks", was eine liberale öffentliche Diskussion verhindere. Im Verlauf der Debatte um das Buch "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin erkennt Bolz hingegen eine Art Geschichtszeichen. Der Bürger sei dort nicht mehr bereit gewesen, sich durch die Medien ein falsches Verständnis von "political correctness" aufzwingen zu lassen. Sarrazin kritisierte die Beschleunigung des Medienbetriebs, die bewirke, dass viele Journalisten über sein Buch geschrieben hätten, ohne es gelesen zu haben. Polemisch an die Adresse der Medienvertreter gewandt, stellte er zudem fest: "Die Weltfremdheit der Journalisten hierzulande liegt wie Mehltau über dem Land." In der Debatte um sein Buch habe sich auch gezeigt, dass nur ganz wenige Magazine eine offene Auseinandersetzung mit seinen Thesen überhaupt zugelassen hätten. Bolz pflichtete ihm bei, indem er bemerkte: "Sobald sich die Massenmedien eine vermeintlich richtige Meinung gebildet haben, ist eine öffentliche Diskussion in Deutschland unmöglich."


Di. 15.00-16.30 Uhr

Zum Beispiel Stuttgart 21

600_Foto_Conradi.JPGPeter Conradi
Peter Conradi, langjähriger SPD-Bundestags-
abgeordneter aus Baden-Würtemberg, setzt sich im Rahmen des Aktionsbündnins "K 21" dafür ein, den Stuttgarter Kopfbahnhof zu erhalten. In der als "Stuttgart 21" bundesweit bekannt gewordenen politischen Auseinandersetzung wurde Conradi zudem als Mitglied in die "Geissler-Runde" zur Faktenschlichtung berufen. Über die mediale Berichterstattung zu den Bürgerprotesten will er nicht klagen, vielmehr hält er die deutsche Presselandschaft in vielerlei Hinsicht für vorbildlich. Zwar habe man in den Jahren zuvor versäumt, über das Großprojekt in angemessener Weise zu berichten, doch seien die Entscheidungen damals eben auch nicht in den Parlamenten hinreichend debattiert worden. Für ihn sind die entscheidenden Konsequenzen aus "Stuttgart 21" politischer Natur. So müsse das Planungsrecht in Anlehnung an die Erfahrungen in der Schweiz, wo es weitreichende Beteiligungs- und Informationsrechte der Bürger bei industriellen Großprojekten gibt, reformiert werden.


600_Foto_Heims.JPGGünter Heims
Günter Heims hat als Redaktionsleiter der SWR-Sendung "Landespolitik aktuell" regelmäßig die Stuttgart-21-Schlichtung begleitet. Auch er sieht eine Tendenz zur Beschleunigung in den Medien, die bewirke, dass über eigentlich wichtige Themen nicht ausreichend recherchiert und berichtet werde. Dennoch müssten die Medien häufig als Sündenbock der Politik herhalten, die dadurch eigene Versäumnisse überdecken wolle. Wegen der kritischen Haltung vieler Medien zu "Stuttgart 21" würden diese nun für die Wahlniederlage der Regierungskoalition von deren Anhängern mitverantwortlich gemacht. Eine Medienhysterie kann Heims im Falle "Stuttgart 21" nicht erkennen, vielmehr habe die mediale Berichterstattung die Debatte um zukünftige Entscheidungsprozesse bei Großprojekten positiv beeinflusst. Dennoch war für ihn auch klar: "Durch die große Präsenz des Themas in den Medien wurde natürlich schon die Dynamik der Ereignisse weiter verstärkt."

PDF-Icon Vortrag von Günter Heims: Medien und Stuttgart 21 (117 KB)


Di. 17.00-18.00 Uhr

Milieus und Medien

600_Foto_Kepplinger.JPGHans Mathias Kepplinger
Hans Mathias Kepplinger, führender deutscher Kommunikationswissenschaftler aus Mainz, setzte sich zu Beginn seines Vortrags zunächst mit der Wahrnehmung von Spitzenkräften aus Politik und Wirtschaft bezüglich ihrer eigenen Beurteilung in den Medien auseinander. Er legte dar, dass diese Gruppe häufig einer wahren Medienflut von Artikeln ausgesetzt ist, die ihre eigene Person betreffen. Dies führe zumeist dazu, dass die Personen sich ungerecht bewertet fühlen und sie sich in eine Opferrolle begeben. Anschließend erläuterte Kepplinger, inwieweit sich Journalisten einem bestimmten sozialen Milieu zuordnen lassen. Der Milieubegriff wird als Alternative zu Klassen- oder Schichtentheorien seit den 60er Jahren verwendet und ordnet Menschen bestimmten Gruppen anhand ihrer materiellen Verhältnisse und ihrer gesellschaftlichen Wertvorstellungen zu. Traditionell seien demnach Journalisten in Deutschland eher politisch links einzuordnen, seit mehreren Jahren zudem mit deutlich grüner Färbung. Innerhalb des Berufs sind die politischen Meinungen relativ homogen, es herrschten, so Kepplinger, häufig ähnliche Wertvorstellungen vor. Den scheinbaren Widerspruch, dass viele den Beruf des Journalisten aus einer gewissen Lust am Außenseitertum wählen, sieht er darin aufgelöst, dass sich die Anpassung der Journalisten zumeist im Berufsleben an den Kollegen und weniger an Freunden und Familienmitgliedern orientiere. "Journalisten sind angepasste Außenseiter!"

PDF-Icon Vortrag von Prof. Dr. Mathias Kepplinger: Milieus und Medien (260 KB)

Blick vom Haus der Commerzbank auf den Pariser PlatzBlick vom Haus der Commerzbank auf den Pariser Platz
Das Medienseminar "Erregungszustände. Neue Medien, neue Politik, neue Publika" ist Teil der Berliner Reihe der Bundeszentrale für politische Bildung.


Event series

Mapping Memories

Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

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Fachkonferenz

Konferenz zur Holocaustforschung

Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

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TiT-Veranstaltungsreihe

Themenzeit im Themenraum

Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

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Veranstaltungsreihe

Checkpoint bpb – Die Montagsgespräche

Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

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Veranstaltungsreihe

What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden.

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Blog zur Fachkonferenz

Medienkompetenz 2014

Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

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