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Vom Knast in den Dschihad?

Radikalisierung und Prävention in deutschen Gefängnissen

Vom Knast in den Dschihad? (© Getty Images North America)

Aufstehen, arbeiten, essen, schlafen: Im Gefängnis folgt alles einer festen Routine. Dazwischen gibt es vor allen Dingen eins: Zeit. Zeit, um das eigene Leben zu reflektieren. Zeit, um über die Ungerechtigkeiten dieser Welt nachzudenken. Womöglich auch Zeit zur religiösen Läuterung. Während die Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben bei den meisten Inhaftierten kein Anlass zur Sorge ist, können Missionierung und konfrontative Religionsbekundung Einzelner zu Problemen führen. Hinzu kommt das schwierige Personengeflecht hinter Gittern: Verurteilte Terroristen treffen auf Kleinkriminelle, Hochideologisierte auf Haltsuchende. Können Gefängnisse unter diesen Bedingungen ein Nährboden für eine Hinwendung zum Islamismus sein?

Die Sorge wächst, dass auch deutsche Gefängnisse zu Brutstätten von Radikalisierung werden könnten. Um dies zu verhindern, gibt es immer mehr präventive Angebote, die sich gezielt an Inhaftierte richten. Die Bandbreite reicht von muslimischer Seelsorge, politischer Bildungsarbeit bis hin zu Beratungsangeboten. Doch wie kann einer Radikalisierung im Gefängnis tatsächlich vorgebeugt werden? Welche Akteure sind wichtig für die Präventionsarbeit im Vollzug? Braucht es besonders sozialpädagogische oder eher seelsorgerische Fähigkeiten?

Um diese Fragen zu diskutieren, geben die Podiumsgäste Einblicke in den Alltag deutscher Gefängnisse. Sie diskutieren, was Muslimischsein hinter Gittern bedeutet. Daran anschließend werden Erfahrungen zu Radikalisierungsprozessen im Vollzug ausgetauscht und Präventionsansätze diskutiert. Einen besonderen Platz nimmt die Rolle muslimischer Seelsorge in der Radikalisierungsprävention ein.

Durch den Abend leitet Djamila Benkhelouf. Sie ist Journalistin beim Norddeutschen Rundfunk und arbeitet dort als Autorin vor allem für die Sendungen Panorama und Panorama 3. Ihre Schwerpunktthemen sind Innere Sicherheit und Extremismus.

Miteinander diskutieren werden:

Mustafa Cimşit ist muslimischer Gefängnisseelsorger und Extremismusexperte. Durch seine langjährige Arbeit in deutschen Gefängnissen ist er geübt im Umgang mit zum Teil stark ideologisierten Häftlingen.

Prof. Dr. Jens Borchert ist Professor im Fachbereich Soziale Arbeit, Medien und Kultur an der Hochschule Merseburg. Er hat sich in seiner bisherigen Laufbahn intensiv mit den Themen Erziehung und Bildung im Strafvollzug auseinandergesetzt. Genährt war sein Forschungsinteresse durch seine eigene mehrjährige Arbeit im Vollzug. Basierend auf der Erfahrung aus der Praxis und Erkenntnissen aus der Forschung konzipiert er eigene sozialpädagogische Projekte im Vollzug. Momentan leitet er eine Erhebung zu politisch-bildnerischen Angeboten in Jugendvollzugsanstalten.

Jun.-Prof. Dr. Abdelmalek Hibaoui lehrt an der Universität Tübingen am Lehrstuhl für Islamische Praktische Theologie (Seelsorge). Gemeinsam mit der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim führte es das Pilotprojekt "Gefangene für Gefangene" durch. In diesem Rahmen schulten Studierende der Islamischen Theologie Gefangene zu Themen wie kulturelle Vielfalt und Radikalisierungsprävention.

Ahmad Mansour ist Diplom-Psychologe und Autor mit besonderem Schwerpunkt im Bereich der Radikalisierung muslimischer Jugendlicher. Darüber hinaus ist er Geschäftsführer des Mansour Instituts für Demokratieförderung und Extremismusprävention (Mind Prevention). In dieser Funktion leitet er unter anderem das Projekt "ReStart", welches in bayerischen Gefängnissen gezielte Workshops und Gesprächsangebote für radikalisierungsgefährdete Jugendliche anbietet.

Termin

10.10.2018, von 18:00 bis 20:00

Ort

Bogen 2
Gladbacher Wall 5
50670 Köln

Für

Fachpersonal aus den Bereichen Strafvollzug, Radikalisierungsprävention, politische Bildung, Sozialpädagogik und Wissenschaft sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Veranstalter

Bundeszentrale für politische Bildung – bpb

Anmeldung

Teilnahmegebühr: Der Eintritt ist frei.
Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, wir bitten daher um eine vorherige Anmeldung über das Anmeldeformular. Der Veranstaltungsort ist rollstuhlgerecht.

Kontakt

Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
Fachbereich Extremismus
Hanne Wurzel
Adenauerallee 86
53113 Bonn
hanne.wurzel@bpb.de

Bürgerservice der bpb

Sie haben Fragen? Treten Sie mit unserem Bürgerservice in Kontakt:
Tel +49 (0)228 99515-0
Fax +49 (0)228 99515-113
E-Mail info@bpb.de

Pressekontakt

Journalistinnen und Journalisten wenden sich bitte an die Pressestelle.


HerausforderungSalafismus
Herausforderung Salafismus

Infodienst Radikalisierungsprävention

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