Workshop auf der re:publica 2012.

Radikalisierungsprozesse und Online-Streetwork

Von Identitätsbildung, Wahrheitsansprüchen, Onlinekommunikation und einem neuen Ansatz der Präventionsarbeit

Häufig werden die Wurzeln für Radikalisierung in bestimmten Persönlichkeitsstrukturen oder einschneidenden biografischen Ereignissen gesucht. Diese können allerdings nur einen Teil der Entwicklungen erklären und eignen sich nur bedingt als Ansatzpunkt für umfassende Prävention. Im ersten Teil des Seminars beschäftigen wir uns deswegen mit den grundlegenden Rahmenfaktoren und Dynamiken von Radikalisierung aus einer sozialpsychologischen Perspektive. Wir wollen dabei u.a. dem Einfluss von Faktoren wie sozialen Normen und isolierten Lebenswelten, wahrgenommener Ablehnung, Orientierungssuche und Identitätskonflikten nachgehen. Welche Rolle spielt es dabei, dass sich Betroffene der Radikalität ihrer Ansichten und Handlungen möglicherweise gar nicht bewusst sind? Welche Schlussfolgerungen kann man aus den Radikalisierungsdynamiken zu Möglichkeiten der Prävention ziehen? Was sagen sie z.B. über die Effektivität von Gegenrede und Gegennarrativen aus?

Das Internet und Social Media haben die Art der Kommunikation und damit auch die Verbreitung von Informationen maßgeblich verändert. Soziale Netzwerke, wie YouTube, Instagram, Facebook, WhatsApp, usw. sind die neuen Leitmedien der Kinder und Jugendlichen. Da weitgehend Einigkeit darüber herrscht, dass vor allem bei jungen Menschen Social Media von großer Bedeutung für die Verbreitung von islamistischem Gedankengut und bei Radikalisierungsprozessen ist, beschäftigen wir uns im zweiten Teil des Seminars u.a. mit folgenden Fragestellungen: Wie genau funktionieren diese Plattformen eigentlich und was macht sie für junge Menschen so interessant? Wie genau spielt der Einfluss von Online-Medien in problematische Entwicklungen hinein? Welche Rolle spielen die spezifischen Begebenheiten wie das vereinfachte Finden von Gleichgesinnten, Steigerungsdynamiken aus einem vermeintlichen Schutzraum der Anonymität heraus und die Akzeptanz bis hin zur Verherrlichung von Gewaltfantasien? Was sind Algorithmen und wie entstehen Echokammern und Filterblasen? Wie funktioniert das Online-Streetwork des Projektes streetwork@online, als neuer Ansatz der aufsuchenden Sozialarbeit und was sind potenzielle Grenzen?

Als Experten werden der Sozialpsychologe Dr. Florian Jäger und der Medienpädagoge Adrian Stuiber dieses Seminar begleiten. Dr. Florian Jäger hat in der Sozialpsychologie zur Rolle von sozialen Normen bei der Entwicklung von extremen Einstellungen promoviert. Als Referent der politischen Bildung war er u.a. für die Diakonie Mitteldeutschland, das St. Hedwighaus und die ACC Galerie Weimar tätig. Zuletzt hat er eine Evaluation des Extremismus-Präventionsprojektes streetwork@online erstellt. Aktuell ist er u.a. bei emel, einer Online-Beratung zu religiös begründetem Extremismus, tätig. Der Medienpädagoge - mit Schwerpunkt Social Media - Adrian Stuiber leitet seit anderthalb Jahren den Bereich Online-Streetwork des Präventionsprojektes streetwork@online in Berlin. Außerdem hält er Multiplikator*innen Workshops zum Thema kritische Medienbildung und Online-Radikalisierungsprozesse. 2018 absolvierte Hr. Stuiber eine Ausbildung zum Online-Berater gegen religiös begründeten Extremismus.

Gemeinsam wollen sie die obigen Fragen sowohl von einem theoretischen Standpunkt beleuchten als auch aus ihren eigenen Erfahrungen heraus diskutieren und dabei die versammelte Expertise nutzen, um das Verständnis von Radikalisierung in praktischer Weise voranzubringen. Dabei wollen sie gemeinsam mit den Teilnehmenden eruieren, was dies für den praktischen Umgang mit Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen sowie umfassende Präventionsstrategien bedeuten kann. Nicht zuletzt soll auch diskutiert werden, welche Rolle eigene fixe Vorstellungen und Vorurteile dabei spielen.

Termin

11.10.2019,12:30 bis 12.10.2019,13:30

Ort

Tagungsstätte Hofgeismar
Gesundbrunnen 8
34369 Hofgeismar

Für

Beschäftigte und Aktive in der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit sowie in Wissenschaft und Verwaltung

Veranstalter

Bundeszentrale für politische Bildung

Anmeldung

Teilnahmegebühr: keine

Bitte melden Sie sich bis zum 10.09. an. Die Teilnehmer(innen)-Zahl ist auf 15 Personen beschränkt. Wir behalten uns vor, die Anmeldefrist bei sehr großem Andrang vorzeitig zu beenden.

Ihre Anmeldung ist erst verbindlich, wenn Sie von unserer Seite eine Bestätigung erhalten. Dann übernimmt die bpb im Rahmen der Veranstaltung die Kosten für Übernachtung und Verpflegung. Eine Übernahme der Reisekosten durch die bpb ist nicht möglich.

Kontakt

Bundeszentrale für politische Bildung
Frank Schellenberg
Tel +49 (0)228 99515-343
frank.schellenberg@bpb.de

Bürgerservice der bpb

Sie haben Fragen? Treten Sie mit unserem Bürgerservice in Kontakt:
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Pressekontakt

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