Go Africa... Go Germany...
Das Programm
17.3.2009
Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien, aber auch journalistischer Beiträge belegen: Die Entwicklungen in Afrika werden hierzulande nur oberflächlich verfolgt, Diskussionen über die Zukunftschancen Afrikas bleiben weitgehend pauschal, ohne die Vielfältigkeit der Entwicklungen im Einzelnen zu berücksichtigen. Die Berichterstattung in den Medien konzentriert sich – ihren eigenen Gesetzen gemäß - auf die Konfliktregionen und großen Problemfelder des Kontinents, positive Entwicklungen finden kaum Erwähnung. Schülerinnen und Schüler nehmen Afrika häufig lediglich als "Land" wahr, setzen Armut und Defizite bzw. Mängel auf allen Gebieten des Lebens voraus und betrachten fortgeschrittene Technologien bzw. gehobene Bildung als den Menschen in Afrika fremd. Ihre Vorstellungen sind dadurch geprägt, dass der gesamte Kontinent auf Grund unterschiedlicher ethnologischer Konflikte in Kriege verwickelt ist, die durch maßlose Korruption am Leben gehalten werden, dass die Mehrzahl seiner Bewohner Hunger leidet und an Aids, Tuberkulose und Malaria zugrunde geht.
Vor diesem Hintergrund hatte die bpb 2004 ihren dreijährigen Afrikaschwerpunkt, Fokus Afrika: Africome 2004-2006 mit über 50 Großprojekten initiiert. Die Hauptanliegen waren:
Mit Abschluss des Jahres 2006 endete der Schwerpunkt der bpb. Um den eingeleiteten Prozess der Bewusstseinsveränderung in wichtigen Teilen der Bevölkerung weiter zu verfolgen, hat die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam mit dem Bundespräsidenten ein Jugendprogramm als Teil seiner Aktion "Partnership with Africa" entwickelt.
2007 fand ein erster Dialog zwischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Namibia und Deutschland statt, um durch die persönliche interkulturelle Begegnung Unverständnis und Fehlwahrnehmungen abzubauen und ein größeres, auf Wissen basiertes Verständnis für die jeweils anderen Kulturen zu entwickeln.
Jedes Jahr wird eine Gruppe von besonders engagierten und qualifizierten Studierenden und jungen Absolventen durch ein anspruchsvolles Programm der politischen Bildung befähigt, die historischen und politischen Zusammenhänge und ihre Folgen für die Gegenwart Afrikas zu erkennen und in ihre komplexen Wirkungszusammenhänge einzuordnen. Zugleich werden die Politik und Lebensbedingungen in Deutschland und Europa neu reflektiert und für uns selbstverständliche Herausforderungen wie z.B. der demographische Wandel oder die Familienpolitik im Kontext afrikanischer Realitäten neu hinterfragt. Eine Zielsetzung für die deutschen Teilnehmer ist es, einen Perspektivwechsel in ihren Sichtweisen zu vollziehen, um die Chancen Afrikas zu begreifen und das grobe Missverhältnis zwischen afrikanischer Realität und europäischer – besonders deutscher – Wahrnehmung im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten zu korrigieren. Vor allem zielt die gemeinsame Initiative darauf ab, das Interesse von Studierenden an der enormen politischen und gesellschaftlichen Vielfalt des Kontinents zu wecken, da die Beschäftigung mit Afrika während des Studiums und schon in den Schulen gering, ja eher rückläufig ist, während im Zuge der Globalisierung der differenzierte Blick auch auf die entfernten Nachbarn wichtiger wird denn je.
Das Programm ist zunächst auf drei Jahre angelegt und findet als Stipendiatenprogramm jeweils für zwei aufeinander folgende Wochen in Deutschland und in einer afrikanischen Region – 2007 im südlichen Afrika/Namibia, 2009 im östlichen Afrika (Tansania/Uganda) und 2010 in Westafrika (Ghana/Nigeria) statt. Je zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 20 und 27 Jahren aus Deutschland und der jeweiligen afrikanischen Region treffen sich zunächst in Berlin oder München zu einer anspruchsvollen Bildungsreise. Während eines zweiwöchigen Programms, welches eine Vielzahl gesellschaftlicher, historischer, politischer und ökonomischer Fragestellungen aufgreift, reisen die Teilnehmenden nach Berlin, München, Köln, Bonn und Brüssel. 2007 flogen sie in der dritten und vierten Woche nach Namibia, und nahmen dort - beginnend mit Windhoek - an einem konzentrierten Informationsprogramm teil. In diesem Punkt variiert das Programm 2008/2009. Die Teilnehmenden werden im September 2008 in Deutschland, jedoch erst im Februar/März in Tansania und Uganda sein, um in der Zwischenzeit Möglichkeiten zur intensiven Zusammenarbeit an einem zentralen Thema der deutsch-afrikanischen Beziehungen zu nutzen.
Die Teilnehmerauswahl erfolgt jeweils über einen "Call for papers" zu drei politischen und gesellschaftlichen Themenstellungen, welcher in Deutschland und der jeweiligen afrikanischen Region ausgeschrieben wird. Die Auswahl der Stipendiaten erfolgt seit 2008 gemeinsam durch eine Jury aus ehemaligen Stipendiaten sowie durch die Bundeszentrale für politische Bildung und das Bundespräsidialamt.
Die Seminarsprache ist englisch. Die Kosten des Programms werden hälftig vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und von der Bundeszentrale für politische Bildung übernommen.
Die Teilnehmer bringen sich durch eigene Beiträge gestaltend in das Programm ein und erarbeiten zwischen den beiden Programmteilen und danach gemeinsam ein wissenschaftliches Papier, welches als ein konkretes Ergebnis der Reise veröffentlicht wird. 2007 entstand ein Papier zum Thema: "Education for Employment" aus der deutschen und der Perspektive des südlichen Afrika.

