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11.6.2015

Die Vielfalt der Leute ist die Vielfalt der politischen Bildung

Giorgos Monogioudis aus Griechenland verbrachte seine Stipendienzeit 2014/15 beim Haus am Maiberg in Heppenheim. Im Interview spricht er über aktive Senioren, die Begegnung mit einem afghanischen Flüchtling und Verantwortung als Triebfeder politischer Bildung.

Giorgos MonogioudisGiorgos Monogioudis (© bpb)
Was war ein Highlight deiner Stipendienzeit?

Viele neue Erkenntnisse und Erlebnisse haben meinen Aufenthalt in Heppenheim bzw. Deutschland geprägt, aber das Highlight meiner Stipendienzeit war die Studienreise nach Serbien, die ich mehrere Monate lang vorbereitet habe. Da ich im Rahmen meiner Doktorforschung acht Monate in Belgrad gelebt habe, kannte ich mich mit der Stadt und der Gegend schon gut aus. Die Studienreise für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der politischen Bildung aus Deutschland hat mir aber die Gelegenheit gegeben, das Thema "Menschenrechte in Serbien" aus einer neuen Perspektive zu betrachten und zu analysieren. Politische Bildung als Reaktion auf die großen Herausforderungen der Gegenwart ist kaum entwickelt in Serbien und diese Studienreise hat die Entfaltung neuer Ideen und den Entwurf potentieller Projekte ermöglicht.

Was hat dich besonders herausgefordert?

Als Doktorand habe ich meistens gelesen, geforscht und ein bisschen präsentiert. Als politischer Bildner habe ich unter anderem gespielt, gesungen, gezeichnet, in Kleingruppen gearbeitet, Vorträge gehalten, Diskussionen moderiert, Stadtführungen geleistet und so weiter und so fort! Trotz der offensichtlichen Herausforderung für Leute wie mich, die bisher keine solche Erfahrung hatten, finde ich es toll, dass jede Person ihre eigenen Talente und Kompetenzen in der politischen Bildung mitbringen darf. Die Vielfalt der Leute ist auch die Vielfalt der politischen Bildung!

Gab es während deiner Stipendienzeit etwas, das dich überrascht hat?

Schon ab dem ersten Tag meiner Stipendienzeit im Haus am Maiberg (Heppenheim) war ich besonders überrascht von der Seniorengruppe "50plus aktiv", die vor 15 Jahren aus einer dynamischen Gruppe älterer Mitbürger aus dem Kreis Bergstraße entstanden ist. Viele Leute glauben, dass politische Bildung nur für Jugendlichen relevant sei, aber in einer stets alternden Gesellschaft wie der europäischen darf man weite Teile der Bevölkerung von neuen Impulsen nicht ausschließen. Ungeachtet des Alters setzt die Demokratie die aktive Bürgerschaft voraus. In diesem Sinne haben die aktiven Senioren aus der Bergstraße mich als neuen politischen Bildner besonders inspiriert.

Gab es eine besondere Begegnung, die dir in Erinnerung bleiben wird?

Im Rahmen eines Seminars zum Thema "Integration" habe ich einen jungen Asylbewerber aus Afghanistan kennengelernt, der seit einigen Monaten in Deutschland lebte. Als er erfahren hat, dass ich Grieche war, ist er zu mir gekommen und hat fröhlich gesagt "Ich kann ein Paar Wörter auf griechisch!" Sofort war mir klar, dass er genauso wie viele Flüchtlinge aus Asien und Afrika einen kurzen, aber schrecklichen Aufenthalt in Griechenland auf dem Weg nach Europa hinter sich hatte. Ich habe ihm gewünscht, dass er bald als Besucher die Gelegenheit bekommt, die schöne Seite Griechenlands zu erleben.

Was nimmst du von der Stipendienzeit mit für deine Arbeit oder dein Engagement zu Hause?

Als Stipendiat des Programms "Europa gestalten – Politische Bildung in Aktion" befasste ich mich unter anderem mit zahlreichen Ideen und Methoden, die in Griechenland angewandt werden können. Aber das, was ich vor allem mitnehme, ist die gesamte Kultur der politischen Bildung in Deutschland, die aufgrund der traumatischen Geschichte des Landes einen besonderen Wert auf kollektive und individuelle Verantwortung legt. Dieser ethische aber nicht moralische Aspekt der politischen Bildung in Deutschland wird mich bei der Arbeit und dem Engagement zu Hause begleiten.

Hat sich dein Verständnis von politischer Bildung durch die Stipendienzeit verändert?

Am Anfang der Stipendienzeit war ich ein bisschen skeptisch, inwieweit die Grenze zwischen politischer Bildung und Indoktrination klar ist, zumal alle politischen Bildnerinnen und Bildner ihre eigenen Vorstellungen vom Politischen haben. Durch die Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses und vor allem durch ihre regelmäßige Anwendung habe ich aber festgestellt, dass es doch eine unpolitisierte politische Bildung in der Praxis geben kann.


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