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14.12.2009

Die Stipendiaten des Jahrganges 2009/2010

Hier finden Sie die Stipendiatinnen und Stipendiaten des Jahrgangs 2009/2010 des Hospitationsprogramms der bpb "Europa gestalten - Politische Bildung in Aktion".

Guntis BrencansGuntis Brencans
Durch seine Arbeit im Stadtrat von Riga, wo er auch zur Wahl der Stadtverwaltung kandidierte, kam Guntis Brencans sehr intensiv mit politischen Themen in Kontakt. Er sagt: "Es ist ein Irrtum zu glauben, man müsse Politik studiert haben, um Politik machen zu können". Die höheren Ebenen der Politik seien oft sehr festgefahren, die Arbeit in einer kleineren Partei zeige ihm aber, dass Flexibilität sehr wichtig ist, wenn man etwas verändern will. Politische Arbeit ist für ihn dann spannend, wenn ein Prozess erkennbar wird. Die Beschreibung des Stipendien-Programms habe gut zu ihm gepasst, denn er sei immer auf der Suche nach Möglichkeiten sich weiter zu qualifizieren - auch weil er sich nächstes Jahr wieder zur Wahl aufstellen lassen will. Während seines Stipendiums möchte er gemeinsam mit dem Europahaus Leipzig eine Ausstellung und eine Diskussionsrunde organisieren, bei der aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen Leipzigs und Rigas gegenübergestellt werden sollen. In Lettland werde der Begriff der politischen Bildung häufig mit Politikwissenschaft, mit einer formalen Ausbildung also, gleichgesetzt. Für die Zukunft wünscht sich Guntis, dass die Praxis der politischen Bildung auch für jüngere Generationen zugänglicher wird.

Sarka CihlarovaSarka Cihlarova
Durch ihre Teilnahme an der Kampagne Tour for Global Responsibility ist Sarka Cihlarova aus Tschechien zur politischen Bildung gekommen: Mit einer Gruppe junger Leute ist sie durch acht europäische Länder gereist, um dort über die "Millenium Entwicklungsziele" aufzuklären. Die Erkenntnis, die sie von dieser Reise mitbrachte, war, dass viele Leute zu sehr mit ihren persönlichen Problemen beschäftigt sind, um sich für Politik zu interessieren. "Politische Themen erscheinen meist zu weit weg von den alltäglichen Problemen". Sarkas Hoffnung ist aber, dass das Interesse an Politik wächst, wenn sich die Situation der Einzelnen verbessert. Für politische Bildung heißt das, dass man im Kleinen anfangen muss. Deshalb geht es ihr darum, Spaß an der Beschäftigung mit politischen Themen und am eigenen Engagement zu wecken. Das versucht sie auch durch ihre Arbeit bei INEX in Prag, einer Organisation für Freiwilligendienste, Entwicklungs- und Bildungsprojekte. Ein Beispiel für andere sein zu können und andere Beispiele zu sehen, ist für sie das Motivierende an politischer Bildung. Deshalb hofft sie auch bei ihrer Hospitanz bei der VHS Hamburg auf weitere Vorbilder zu treffen. Dort möchte sie Theater mit Jugendlichen zu globalen Themen machen. Für Tschechien wünscht sie sich, dass die große Politik-Skepsis endlich überwunden wird. Den tschechischen Begriff für politische Bildung würde sie mit "Erziehung zur Bürgerschaft" übersetzen: "Vỳchova k občanství". Ihr eigenes Verständnis von politischer Bildung entspricht am ehesten dem englischen Begriff "active citizenship", weil dieser ausdrückt, dass man selbst zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen beitragen kann, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht.

Justyna FijalkowskaJustyna Fijalkowska
Die Pädagogin Justyna Fijalkowska aus Polen findet, dass politische Bildung zunächst Aufklärung bedeutet. Am Anfang stehe die Frage: Welche gesellschaftlichen Probleme gibt es überhaupt? "Die Aufgabe von politischer Bildung ist dann soziale Kompetenzen zu entwickeln, damit eine demokratische, tolerante Gesellschaft überhaupt möglich wird". Vor allem Kindern und Jugendlichen müssten verstärkt die Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie und wo sie an der Gesellschaft aktiv partizipieren können, an welchen Entscheidungsprozessen sie sich beteiligen können. Das polnische Schulsystem sei immer noch sehr konservativ und gebe den jungen Bürgern nicht wirklich die Chance sich auszudrücken. "In der politischen Bildung finde ich Kreativität und Kritikfähigkeit wichtig. Aber auch Teamfähigkeit zu ermöglichen, verschiedene Strategien für das Lösen von Konflikten aufzuzeigen, spielt eine große Rolle." Wichtig sei vor allem, den Jugendlichen einen Freiraum, viel Zeit und Vertrauen zu geben, so dass sie über Diskriminierung und Vorurteile diskutieren können. Mit künstlerischen Methoden hat sie hier schon erfolgreich gearbeitet – z.B. im Bereich der genderorientierten Pädagogik bei Hochdrei e.V. in Potsdam, wo sie 2009 ein Praktikum absolvierte. Gemeinsam mit ihrer Gastinstitution, dem Wannsee Forum Berlin, plant sie ein deutsch-polnisches Projekt zum Thema Freiheit: Die Freiheit ist anerkannt als hohes Gut, aber was bedeutet sie für den Einzelnen? Jugendliche aus Berlin, Torun und Lubsko werden sich zuerst in Berlin und dann in Torun für eine Woche treffen und sich in fünf Werkstätten kreativ mit dem Thema auseinander setzen.

Bulcsu HunyadiBulcsu Hunyadi
Als am 23. Oktober 1989 die Republik Ungarn ausgerufen wurde, hatte Bulcsu Hunyadi gerade Sportunterricht und der Lehrer ließ die Kinder die Übertragung im Radio hören. Dieses Erlebnis beeindruckte ihn und vertiefte sein Interesse an politischen Ereignissen, das schon früher in der Kindheit geweckt worden war. Heute arbeitet er bei der Politik-Beratungs-Agentur Political Capital in Budapest. Politische Bildung kann seiner Meinung nach viele verschiedene Bedeutungen haben, eines der wichtigsten Elemente sei aber, dass durch politische Bildung Wissen über das Funktionieren von Demokratie und über ihre Prozesse vermittelt wird, damit die Bürger ihre Rechte und Partizipationsmöglichkeiten wahrnehmen können. "Das Problem in Ungarn ist, dass das Interesse der Bevölkerung an Politik nicht besonders groß ist und so die Politik machen kann, was sie will", sagt Bulcsu. Demokratische Werte wie Partizipation und Respekt vor anderen Meinungen zu vermitteln ist ihm daher ein großes Anliegen. Und das sollte laut Bulcsu schon möglichst früh geschehen. Deshalb möchte er einen Politik-Unterricht in Ungarn etablieren, der mehr Komplexität vermittelt als bisher. In seinem Projekt sollen Lehrer unterschiedlicher Fachrichtungen aus Ungarn und Deutschland in einem Workshop aufeinander treffen und sich über das Thema Erziehung zu Toleranz austauschen. In Ungarn – wie in vielen der postkommunistischen Länder - hat der Begriff "Politik" eher eine abschreckende Wirkung. Deshalb schlägt Bulcsu vor, dass ein anderer Begriff gefunden werden muss, der Vertrauen schafft. Er absolviert seine Hospitanz an der Europäischen Akademie Otzenhausen.

Agné KazlauskaitéAgné Kazlauskaité
Vor sechs Jahren hatte Agné Kazlauskaité das erste Mal Kontakt zu Transparency International, der Organisation, für die sie heute in Litauen arbeitet. Hier beschäftigt sie sich mit dem Kampf gegen Korruption. Sie möchte sich für mehr Transparenz in der Politik und für eine größere Partizipation der Bürger einsetzen. Sowohl die Politik, als auch die Verwaltung und die Bürger sollten ihrer Meinung nach mehr Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. An der Arbeit mit politischer Bildung beeindruckt sie die Dynamik, die diese mit sich bringt: "Man kann ständig etwas dazu lernen und hat gleichzeitig das Gefühl, etwas Nützliches zu tun." Unter politischer Bildung versteht sie alles, was die Partizipation an der Gesellschaft und das Verständnis über diese fördert. Während ihrer Hospitanz beim Gustav-Stresemann Institut möchte sie Veranstaltungen, die bisher immer bilateral deutsch-französisch umgesetzt wurden, in trilateraler Form fortführen: deutsch-französisch-litauisch. Sie plant einen Austausch von Auszubildenden der drei Länder, bei dem es einerseits um für die Jugendlichen wichtige berufliche Fragen, aber auch um Themen wie z.B. Europapolitik gehen soll. Im Mittelpunkt steht dabei die interkulturelle Verständigung und Erfahrung. "In Litauen wird der Begriff der politischen Bildung viel enger verstanden und fast immer mit Schulunterricht verbunden", sagt Agné. Sie findet, dass der litauische Staat und auch die NGOs mehr in politische Bildung investieren sollten – und das nicht nur finanziell.

Lilija KostovaLilija Kostova
Das Wort "Gerechtigkeit" spielt für Lilija Kostova im Zusammenhang mit politischer Bildung eine große Rolle. Sie sagt, sie habe sich schon immer für das Thema Gerechtigkeit in der Gesellschaft interessiert - und für Politik, weil diese ein Instrument ist, Gerechtigkeit herzustellen. Um selbst aktiv zu werden und auch weil ihr das Thema der ökologischen Verantwortung wichtig ist, beteiligte sie sich bei der Gründung der "neuen Grünen" in Bulgarien. Dabei fiel ihr auf, dass viele Leute ihre eigenen Rechte noch nicht oder nicht gut genug kennen. Für Lilija ist es ein befriedigendes Gefühl, wenn man an etwas arbeitet, an das man glaubt und wenn man seine Erfahrungen teilen kann. Während der Zeit des Stipendiums in der Georg Vollmar Akademie in Kochel will sie interessante Kontakte sammeln, viel lernen, anderen etwas beibringen und dadurch auch zur Völkerverständigung beitragen. In ihrem Projekt will sie darstellen, wie es von einer NGO zur politischen Arbeit z.B. in einer Partei kommen kann. "Den Begriff der politischen Bildung gibt es so in Bulgarien nicht", sagt Lilija. Man habe zwar einen positiven Bezug zum Begriff der Bildung, aber nicht zur Politik. "Politik ist immer etwas, das sehr weit weg von der Bevölkerung passiert und immer noch als etwas "Schmutziges" gesehen wird". Politische Bildung bedeutet für sie, diese Einstellungen zu verändern, die Bevölkerung dem Staat näher zu bringen und umgekehrt.

Katarzyna LorencKatarzyna Lorenc
Katarzyna Lorenc arbeitet in Krakau bei der Fundacja na Rzecz Rozwoju i Promocji Sztuki Wspólczesnej "Pauza" (Pauza Foundation for Promotion and Developement of Contemporary Art), einer Stiftung für Foto-, Design- und andere Kunstprojekte. Dort ist sie für die Beschaffung von Finanzmittel, die Öffentlichkeitsarbeit und Projektkoordination zuständig. Sie beschäftigte sich schon immer viel mit Kunst und findet, dass Kunst sehr politisch und sozialkritisch sein kann. Ihr Ziel ist es, mit Kunst und durch Kunst politisch zu bilden. Dabei fängt politische Bildung für sie schon auf sozialer Ebene. "Die Veränderung beginnt dabei immer im Kopf", sagt Katarzyna. Arbeit mit politischer Bildung macht ihr dann Spaß, wenn sie ein Ergebnis, eine wahrnehmbare Veränderung sehen kann. Für die Hospitanz im Anne Frank Zentrum Berlin hat sie sich aus Neugier beworben und aus einer Überzeugung heraus, dass das vorgeschlagene Thema der Hospitation: "Holocaust im Comic" einfach zu ihr passt. Große Unterschiede in der Deutung des Begriffs der politischen Bildung zwischen ihrem Heimatland Polen und Deutschland sieht sie nicht. Gleich sei in beiden Ländern eine gewisse Angst vor dem großen Begriff der "Politik" zu erkennen. Parallel dazu nimmt sie aber eine positive Entwicklung wahr: "Die Leute in Polen interessieren sich immer mehr für gesellschaftliche Themen und das Angebot an Aktivitäten wächst."

Alzbeta MattasovaAlzbeta Mattasova
In Prag arbeitet Alzbeta Mattasova bei der Stiftung Nadace VIA, die sich für eine aktive Zivilgesellschaft engagiert. Im Alltag sei ihr gar nicht so bewusst, dass sie sich mit politischer Bildung beschäftigt. Sie deutet den Begriff so: "Politische Bildung heißt, Leute zu aktivieren, sich öffentlich zu engagieren und deutlich zu machen, dass es für jeden möglich ist, etwas zu ändern – wenn man es nur möchte." Die Stiftungsarbeit macht ihr deshalb Spaß, weil sie ein direktes Resultat sehen kann und weil deutlich wird, dass man auch mit wenig Geld eine Menge bewegen kann. Hier wird nicht nur von Veränderung geredet, sondern tatsächlich etwas getan. In ihrem Projekt während der Hospitanz bei Arbeit und Leben Schwerin soll es um eine trilaterale Jugendbegegnung mit dem Thema Nachhaltigkeit gehen. Politische Bildung sei in Tschechien einfach kein "In"-Thema und im Alltag nicht präsent. "Sehr schade", findet sie.

Kamila MazurekKamila Mazurek
Während ihrer Schulzeit kaufte Kamila Mazurek sich regelmäßig die polnischen Zeitschriften "Wprost" und "Polityka" am Kiosk, um immer auf dem Laufenden zu sein. "Es waren Transformationszeiten. Politik war etwas, von dem jeder behauptete, er kenne sich gut aus. Von früher sind mir die Festzüge am 1. Mai im Kopf geblieben; auf den Fensterscheiben klebten Täubchen, die die russisch-polnische Freundschaft symbolisieren sollten, und ohne die Pakete von meinem Onkel Marek, der in den achtziger Jahren in Berlin wohnte, hätte ich kein Lego und keine Westjeans gehabt." Seitdem sind fast 20 Jahre vergangen. Westjeans gibt es auch im kleinsten polnischen Dorf zu kaufen, die meisten Polen haben den "Westen" inzwischen mit eigenen Augen gesehen. Umgekehrt dagegen herrscht nach Meinung der 29-Jährigen, die in Krakau im Vorstand der Polnisch-Deutsche Gesellschaft tätig ist, noch viel Unkenntnis. Deshalb will sie während ihrer Zeit im Studienhaus Wiesneck ein Projekt durchführen, das die Aspekte der Transformation in Polen mit denen in Ostdeutschland vergleicht. Im Sommer soll ihre Promotion vollendet sein, die sich mit der Außenpolitik der Regierung Schröder/Fischer gegenüber Polen befasst.

Agnieszka PoplawskaAgnieszka Poplawska
Agnieszka Poplawska arbeitet seit 8 Jahren bei Lambda Warszawa (Warschau) im Bereich HIV Prävention. Als Leonardo da Vinci Stipendiatin bei der Kreisau-Inititative Berlin war sie zuvor für deutsch-polnische Jugendbegegnungen tätig. Vor 4 Jahren nahm sie eher zufällig in Polen an einen Kurs zum Thema Menschenrechte teil und stellte fest, dass die meisten Menschen "keine Ahnung über ihre eigenen Rechte haben und diese deswegen auch nicht gegenüber ihrem Staat verteidigen". Teil des Kurses war damals auch ein Workshop in Schulen zum Thema Schülerrechte – "Die Lehrer waren allerdings nicht sehr begeistert von der Idee. Sie hatten Angst, dass die Schüler nach dem Workshop nicht mehr zuhören, ihre Rechte tatsächlich ausnutzen würden". Politische Bildung bedeutet für Agnieszka "Vermittlung des Wissens von der Welt". Im polnischen Schulsystem lerne man nicht, was danach im Leben wichtig ist: nämlich was in der Welt wirklich geschieht, welche Probleme es gibt, wie man mit ihnen umgehen kann, wie man sich für etwas engagieren kann... Das Ziel politischer Bildung sei also "in den Menschen das Interesse an der Welt zu wecken und sie zur Aktivität zu überreden." In ihrem Projekt während des Stipendiums will sie an Thüringer Schulen Workshops zum Thema deutsch-polnische Vorurteile durchführen. Sie hospitiert bei der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar.

Laura RausLaura Raus
In Estland spricht man von "bürgerschaftlicher Bildung", sagt Laura Raus, "der Begriff 'politische Bildung', wie sie in Deutschland verstanden wird, wird sehr selten verwendet, weil Politik immer noch einen negativen Beigeschmack hat". In der öffentlichen Meinung Estlands habe politische Bildung kein hohes Ansehen. "Das Bewusstsein, was demokratische politische Bildung sein kann, muss noch wachsen. Die Bürger sollen lernen, mutiger zu sein und sich auch an gesellschaftlichen Entwicklungen beteiligen, findet Laura. "Dazu muss aber ein positiveres Verständnis von Politik geschaffen werden". Während einem Freiwilligen Dienst in Polen bei der Fundacja Nowy Staw, den sie mit der Absicht absolvierte, mehr über Arbeit mit Medien zu erfahren, sei sie eher überraschend auf das Thema politische Bildung gestoßen. Sich mit politischer Bildung zu beschäftigen ist für Laura wichtig "weil man einfach wissen sollte, wie die Gesellschaft funktioniert, sonst kann es keine Demokratie geben." Sie möchte während ihrer Hospitanz im Bennohaus Münster viel über deutsche Organisationen lernen. In ihrem Projekt will sie vor allem junge Leute durch Medien und eigene Aktivitäten an Politik heranführen. Eine ihrer vielen Ideen ist, dass Jugendliche in Form eines Wettbewerbs eine Website zu Themen der politischen Bildung gestalten könnten.

Anneli Roose-ReinthalsAnneli Roose-Reinthals
Persönliche Erfahrungen in der Jugend haben Anneli Roose-Reinthals Interesse an politischer Bildung geweckt – "vor allem die Ereignisse währen der Wende in Estland". Das Thema hat sie während ihrem Studium, ehrenamtliche Tätigkeiten und der Arbeit im öffentlichen Dienst im Bereich Sprachpolitik vertieft. "Es ist wichtig, selbst aktiv zu sein, denn durch persönliche Erfahrungen versteht man die Gesellschaft besser", sagt Anneli. Um dem Wesen der politischen Bildung in Deutschland näher zu kommen, hat sie sich für das Programm Politische Bildung in Aktion beworben und wird während ihres Stipendiums an der Europäischen Akademie Berlin verschiedene Projekte betreuen. In Estland arbeitet sie an der Universität Tartu (Narva College) und ist dort für die Außenbeziehungen und die Qualitätssicherung der Lehrerausbildung zuständig.

Ágnes SimonÁgnes Simon
Ágnes Simon ist Leiterin der Kulturabteilung am Deutschen Kulturzentrum Klausenburg (Rumänien). Hier ist sie für die Durchführung von Kulturveranstaltungen sowie Projekten zur historisch-politischen Bildung zuständig. "Das bewusste Erleben eines repressiven Systems prägt die Menschen oft so sehr, dass sie ihr Interesse an politischen Vorgängen nie wieder verlieren. Obwohl ich während des Kommunismus noch ziemlich klein war, hatte ich das Glück, dass man mir einige Dinge in der Familie erklärt hat, so dass mir die damaligen Zustände sehr bewusst waren." Ihr Eindruck ist, dass viele Bürger nicht wissen, in welchem Maß ein demokratisches System auch von der Bevölkerung formbar ist. "Es ist mir ein besonderes Anliegen, vor allem jungen Leuten beizubringen, dass es viel mehr Spass und Erfüllung bringt, wenn man statt zu re-agieren auch zu agieren lernt. Selbstbestimmtes Leben auf politischer Ebene, so könnte man das nennen." Spannend an politischer Bildung findet Ágnes das Prozeßhafte und natürlich die Personen, denen sie in diesem Berufsfeld begegnet: "Es sind sehr oft Idealisten, andersDenkende, die etwas in der Gesellschaft bewegen wollen." Etwas bewegen will Ágnes durch ihr Projekt mit dem Titel "Wie viel Recht darf es sein?", das an der Akademie Frankenwarte Würzburg durchgeführt wird. Im Mittelpunkt des Projektes steht der Vergleich zwischen dem rechtlichen Status und den politischen Partizipationsmöglichkeiten der ethnischen Minderheiten in Rumänien und den Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Im Mai 2010 werden sich Studierende aus beiden Ländern über die Situation in Rumänien und Deutschland austauschen, an einem Planspiel zum Thema Minderheiten teilnehmen und eine öffentliche Diskussion über die Rechte und Partizipation der beiden Minderheitengruppen (Ungarn in Rumänien und Türken in Deutschland) durchführen.

Julia SucharJulia Suchar
Schritt für Schritt kam Julia Suchar zur Arbeit mit politischer Bildung: Die Polin arbeitete schon früh für deutsch-polnische und multinationale Jugendbegegnungen, wo sie vor allem Gruppenbetreuungen übernahm. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr im Anne Frank Haus Amsterdam koordiniert sie dort nun schon seit 2005 das Projekt "Wanderausstellung. Anne Frank – eine Geschichte für heute". Das miteinander Lernen spielt für sie eine große Rolle. Wenn sie beschreiben soll, welche Bedeutung politische Bildung für sie hat, würde sie sagen, dass das Zwischenmenschliche entscheidend ist. "Man muss es aber gar nicht unbedingt 'politische Bildung' nennen. Es geht viel mehr darum, Impulse zu setzen – man möchte, dass der 'Funke der Veränderung' überspringt. Die Veränderungen können ganz unterschiedlicher Natur sein. Aber es ist immer die Veränderung, die das Ziel politischer Bildung bleibt". Sie erhofft sich von ihrer Hospitanz bei der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn eine "Aha-Erfahrung" dazu, wie politische Bildung in Deutschland funktioniert. Für sie kann politische Bildung "fast alles" sein: Auf der Mikroebene die Infragestellung der eigenen Rolle in der Gesellschaft, auf der Makroebene geht es darum, die Gesellschaft als Ganzes zu verstehen. Aus der Geschichte Polens gehe hervor, dass sich NGOs eher als "bürgerschaftlich" aktiv darstellen, weniger als "politisch" aktiv, meint sie. Sie wünscht sich, dass politische Bildung in Polen als integraler Teil des Schulunterrichts anerkannt wird, denn politische Bildung gehört für Julia zu der Entwicklung eines jeden jungen Menschen.

Magdalena Ziolek-SkrzypczaksMagdalena Ziolek-Skrzypczaks
Ein Praktikum 2002 bei der Georg Vollmar Akademie weckte Magdalena Ziolek-Skrzypczaks Interesse an politischer Bildung. Schon vorher hatte sie aus Interesse am Austausch bei deutsch-polnischen Seminaren zu politischen Themen mitgewirkt. Politische Bildung bedeutet für sie "vor allem einen Umgang miteinander finden. Außerdem lernt man durch politische Bildung eine Art 'Verhandlungsstrategie', in der es darum geht, wie eigene Ideen gut vermittelt werden können". Die Arbeit mit Menschen ist für Magdalena immer spannend, "weil jeder anders ist als der andere". In ihrem Projekt, das sie gemeinsam mit dem Forum Bad Liebenzell durchführen wird, soll es um die Integration von Immigranten auf dem Arbeitsmarkt in Polen gehen. Dafür sollen Träger aus Polen nach Deutschland eingeladen werden, um zu lernen wie sie mit Immigranten umgehen können. "Polen ist auch ein Transitland – das vergisst man manchmal. Es geht mir um einen Austausch zum Thema Integration." Ein positiver Effekt wäre, dass tragfähige Netzwerke geschaffen werden, die im Moment noch fehlen. Für das Stipendium hat sich Magdalena nicht beworben, um neue Erfahrungen zu sammeln - denn Erfahrungen hat sie schon sehr viele gemacht – sie will endlich ein paar von den vielen Ideen umsetzen, die sie schon seit langem hat. Eines ihrer Ziele ist, dass politische Bildung im polnischen Alltag verstärkt thematisiert wird und nicht mehr so sehr mit Propaganda assoziiert wird, wie es bisher üblich ist. "Schulen und Unis sollen endlich zu Ansprechpartnern in diesem Bereich werden". Wenn sie sich eine der vielen Begriffe aussuchen würde, die für "politische Bildung" benutzt werden, dann würde sie politische Bildung als "edukacja społeczna" bezeichnen, was soviel wie "gesellschaftliche Bildung" heißt.


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