Schule in der DDR

29.10.2014

Schule in der DDR - Einleitungstext

Was macht man eigentlich bei einem Fahnenappell und warum schmeckt das Jägerschnitzel anders als gewohnt? 22 Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen tauschen ihre Smartphones gegen FDJ-Hemden ein und verbringen eine Woche in einem DDR-Schullandheim in der Nähe von Leipzig. Begleitet von einem Fernsehteam erleben sie Schulalltag in der DDR im Jahr 1989. Unterhaltend und nah an ihrer Lebenswelt setzen sie sich so mit einem Teil deutscher Geschichte auseinander.

Den DDR-Schulalltag in fünf Folgen näherbringen

Das Projekt "Schule in der DDR" basiert auf dem Alltag einer 9. Klasse einer Polytechnischen Oberschule (POS) der DDR. In fünf Folgen zu je rund fünfzehn Minuten können Schülerinnen und Schüler, Zuschauerinnen und Zuschauer nachvollziehen, wie Unterricht in Ostdeutschland ausgesehen haben kann, bekommen so einen Einblick, wie Schule in der DDR gedacht war und lernen die täglichen Kleinigkeiten des Schüleralltags in der DDR kennen.

Zu Wort kommen nicht nur die Schülerinnen und Schüler selbst, sondern auch Zeitzeugen und Prominente aus der ehemaligen DDR, die von ihren Erfahrungen berichten. Auch Original-Filmausschnitte aus der Zeit werden gezeigt. Ein Experte ordnet das Geschehen in den historischen Kontext ein und beleuchtet wichtige Aspekte aus wissenschaftlicher Perspektive.

Staatsbürgerkunde, Fahnenappell und Kulturbeutel

Während des Projektes wohnen die Jugendlichen in einem DDR-Schullandheim in der Nähe von Leipzig. Dort teilen sie sich zu viert ein Zimmer und auf den Betten liegt für alle ein FDJ-Hemd und der Text zum Lied "Republik, mein Vaterland" bereit. In den fünf Tagen, die sie dort verbringen, müssen sie nicht nur beim Fahnenappell singen, sondern auch auf Smartphones und ihr Lieblingsduschbad verzichten. Stattdessen waschen sie sich mit DDR-Seife, essen ungewohnt anmutendes Jägerschnitzel zum Mittag und verbringen ihre Freizeit mit Disko und der Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera".

Der Unterricht findet ebenfalls anders statt, als sie es gewöhnt sind: Im Wehrkundeunterricht wird "Orientierungslauf nach Marschrichtungszahlen" geübt, im Fach Staatsbürgerkunde müssen die 14- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schüler Zitate aus Reden des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker aufsagen und im Geografieunterricht lernen sie die Grenzverläufe der sozialistischen Bruderländer.

Der Unterricht findet in einem originalgetreu eingerichteten DDR-Klassenzimmer im Leipziger Schulmuseum statt. Elke Urban, eine ehemalige DDR–Lehrerin und die Leiterin des Leipziger Schulmuseums, achtet darauf, dass der Schulalltag der DDR möglichst so umgesetzt dargestellt wird, wie er in der DDR sein sollte. Darüber hinaus spielt sie die strenge Lehrerin Frau Lehmann, die nicht nur im Hintergrund auf den ordnungsgemäßen Ablauf des Fahnenappells achtet, sondern auch versucht, nicht "linientreue" Schülerinnen und Schüler zum Eintritt in die Freie Deutsche Jugend (FDJ) zu bewegen.

Geschichte erschließen, Deutungen hinterfragen

In dem Projekt geht es nicht nur darum, einen möglichen DDR-Alltag nachvollziehbar zu machen. Zwar sollen die Schülerinnen und Schüler Vergangenes durch Nacherleben kennenlernen, es soll sich aber nicht nur aufs Nachfühlen beschränken.

Was treibt eine Mitläuferin und einen Mitläufer um? Was an einer Diktatur ist vielleicht auch verführerisch und wie fühlt es sich an, wenn man nicht frei sagen kann, was man denkt? Schnell reflektieren die Schülerinnen und Schüler ihr Verhalten in bestimmten Situationen – wenn zum Beispiel ein Mitschüler ausgegrenzt wird oder sie im Wehrkundeunterricht Handgranaten werfen müssen. Die Jugendlichen werden während dieser Erlebnisse nach ihren Eindrücken und Reaktionen befragt.

Auf diese Weise gelingt es in den fünf Folgen, historisches Wissen nicht für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projektes besser zu erschließen und Verbindungen zur eigenen Wirklichkeit zu schaffen. Auch für Zuschauende soll eine Basis für Diskussionen geschaffen werden, auf der sie eigene Bezüge zur Geschichte erarbeiten, eigene Gedanken einbringen und Fragen stellen können und sollen.

Grenzen des Projektes und weitere Informationen

Das Projekt kann DDR-Geschichte nicht so differenziert darstellen, wie ein ausgewogener und zeitgemäßer Unterricht dies tun soll und der Beutelsbacher Konsens es vorgibt. Vielmehr kann es eine Grundlage dafür bieten, auch vermeintlich authentische Darstellungen und einzelne, subjektive Deutungen von Geschichte kritisch zu hinterfragen.

Anhand der teils sehr persönlichen und durchaus widersprüchlichen Aussagen der Zeitzeugen kann thematisiert werden, was Zeitzeugen im modernen Geschichtsunterricht beisteuern können und wie unterschiedlich Geschichte gedeutet und „erzählt“ werden kann.

Um den Blick auf den Schulalltag in der DDR aus verschiedenen Perspektiven und in der nötigen Ausgewogenheit zu vermitteln, sind flankierende Maßnahmen nötig. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, Narrative erkennen, einordnen und dekonstruieren zu können. Die bpb hat ausgewählte weiterführende Informationen und Lehrmaterialien mit unterschiedlichem Fokus zusammengestellt, auf die Lehrende und Lernende bei der Bearbeitung des Themas zurückgreifen können.


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