Schule in der DDR

30.10.2014

Folge 3

Dass Schule in der DDR auch Wehrerziehung bedeutete, erfahren die Schülerinnen und Schüler in der dritten Folge der Miniserie. Sie üben nicht nur den Gleichschritt in Uniform, sondern auch das Werfen von Handgranaten. Einigen fällt der Unterricht an der Waffe nicht leicht, ein wenig faszinierend ist das Abenteuer dennoch. Es zeigt sich zudem, dass so viel Gemeinschaft gute und schlechte Seiten hat....

(© infoNetwork GmbH 2014)

Im Wehrkundeunterricht soll das Gemeinschaftsgefühl der Schülerinnen und Schüler gestärkt werden, was einige aus der Projektklasse sogar gut finden. Gemeinsam lernen sie marschieren und exerzieren, schwärmen in Gruppen im Wald aus, essen alle dasselbe und tragen dieselbe Uniform.

Dennoch fühlt es sich für die Jugendlichen seltsam an, so sehr mit Militärischem konfrontiert zu sein und während der "Orientierungslauf nach Marschrichtungszahlen“ und der Umgang mit dem Kompass sogar ein wenig Spaß machen, geht der Umgang mit den Gasmasken und das Werfen von Handgranaten für die eine oder den anderen doch zu weit.

So faszinierend der Unterricht an der Waffe für einige ist und obwohl diejenigen stolz sind, die den Wurf mit der Handgranate gut beherrschen, ist das Feedback der Schülerinnen und Schülern zum Wehrkundeunterricht durchmischt. Während einige Spaß am Abenteuer- und Gemeinschaftsgefühl hatten, sehen andere die Erziehung zum Krieg kritisch.

Wehrerziehung in der DDR: Obligatorisch vom Kindergarten bis zum Abitur

Die Wehrerziehung hatte in der DDR einen hohen Stellenwert und fing bereits im Kindergarten an. Im Schulsport wurden die Grundformen militärischer Ordnung gelernt und ab der 9. und 10. Klasse mussten seit 1978 alle Schülerinnen und Schüler am Wehrkundeunterricht teilnehmen, die körperlich dazu in der Lage waren.

Der Wehrunterricht bestand nicht nur aus dem Werfen von Handgranaten. Vielmehr lernten die Jugendlichen in vier Doppelstunden pro Schuljahr vor allem militärisches und politisches Wissen über die Nationale Volksarmee (NVA). Unterrichtet wurde in der Regel von den "normalen" Lehrkräften, gelegentlich von NVA-Offizieren der Reserve in Uniform. Erst zum Schuljahresende der 9. Klasse nahmen die Jungen an Wehrkunde-, die Mädchen an Zivilverteidigungslagern teil, in denen die praktische Ausbildung vorgesehen war. Am Ende der 10. Klasse standen in den Winterferien die obligatorischen sogenannten drei "Tage der Wehrbereitschaft" an.

Der Wehrkundeunterricht sollte vor allem auf die militärische Verteidigung der DDR vorbereiten

Während der Berufsausbildung und in der Abiturstufe setzte sich die Wehrerziehung mit der vormilitärischen Ausbildung fort. Die DDR-Führung wollte die Schülerinnen und Schüler auf diese Weise ideologisch, charakterlich und körperlich auf die Verteidigung der DDR vorbereiten und eine "uneingeschränkte Bereitschaft aller Bürger zur Verteidigung der sozialistischen Errungenschaften" erreichen.

Schon 1978 protestierten sowohl die katholische wie auch die evangelische Kirche gegen die Einführung des Wehrkundeunterrichts. Nach der Wende wurde die Kritik hunderter Eltern und Schüler öffentlich. Ab 1990 fanden keine Wehrkundelager mehr statt. Nach dem 18. März 1990 schaffte die einzige frei gewählte Volkskammer den Wehrkundeunterricht zusammen mit dem Staatsbürgerkundeunterricht offiziell ab. Mit der deutschen Wiedervereinigung am 03.10.1990 wurde auch die Nationale Volksarmee aufgelöst.

Gleiches für alle und gedrückte Stimmung am Lagerfeuer

Während das Gefühl der Gemeinsamkeit beim Wehrkundeunterricht für viele Schülerinnen und Schüler tagsüber noch faszinierend war, ist die Freude darüber, dass auch am Abend alle das Gleiche machen, weniger groß. Weil alle dasselbe DDR-Deo und dieselbe unhandliche DDR-Seife der Marke "Nautik" bekommen haben, riechen alle gleich, finden die Mädchen. Dabei riechen Seife, Haarspray und Co. noch nicht einmal besonders gut.

Als Überraschung besucht Bürger Lars Dietrich die Klasse und erzählt von seinen Erfahrungen in der DDR. Die Schülerinnen und Schüler berichten ihm von ihren Erlebnissen und Gefühlen der letzten Tage. Vieles davon kann Bürger Lars Dietrich nachvollziehen und beschreibt zum Beispiel den Verzicht auf einige Sachen aus seiner Perspektive als eine Grundstimmung in der DDR. Denn Waren aus dem Westen waren für die meisten DDR-Bürger nicht erreichbar und Musik unterlag der Zensur.

In der nächsten Folge steht Geografieunterricht auf dem Stundenplan. Es erwartet die Jugendlichen neben neuer Propaganda auch eine Lektion in Sachen Freiheit...

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