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Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik

PDS - SED


Wilhelm Bleek
Inhalt

1. Tradition kommunistischer Parteien

2. Die SED als Staatspartei der DDR

3. Der Untergang der SED im Herbst 1989 und die Transformation zur PDS

4. Die PDS als regionale Protestpartei in den neuen Bundesländern

5. Gesamtdeutsche Perspektiven der PDS

Literatur

1. Tradition kommunistischer Parteien
Sowohl die seit der Jahreswende 1989/90 existierende Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) wie auch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) als ihre Vorgängerpartei aus den Jahren 1946-89 stehen in der Traditionskette kommunistischer Parteien in Deutschland. Im Januar 1919 wurde unter der Führung R. Luxemburgs und K. Liebknechts die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) gegründet, die ihrerseits auf den linken Flügel der Sozialdemokratie der Kaiserzeit und insbesondere auf den Spartakusbund und die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) zurückging.

Im Verlauf der Weimarer Republik radikalisierten sich Ideologie und Politik der KPD, wurden ihre Parteistrukturen an das Vorbild der bolschewistischen KPdSU angeglichen und übernahmen Parteigänger Stalins die Parteiführung. Damit isolierte sich die KPD immer mehr im politischen System der Weimarer Republik, nicht zuletzt gegenüber der SPD als der anderen Partei der Arbeiterklasse, und trug zum Untergang der ersten deutschen Demokratie bei. Im Dritten Reich standen die Kommunisten an vorderster Front des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Diktatur und hatten daher auch die größten Opfer zu beklagen.

Nach der Befreiung D.s von der Naziherrschaft wurde die KPD im Juni 1945 von aus dem sowjetischen Exil zurückgekehrten Kommunisten unter Führung W. Piecks und W. Ulbrichts mit Unterstützung der sowjetischen Besatzungsmacht wiedergegründet, obwohl damals viele Kommunisten und Sozialdemokraten, die in D. überlebt hatten, sich für einen demokratischen Zusammenschluss der beiden Arbeiterparteien aussprachen. Nachdem aber die Kommunisten entgegen ihren Erwartungen nicht einmal in der Sowjetischen Besatzungszone zur dominierenden Volkspartei werden konnten, schwenkten die deutschen und sowjetischen Kommunisten ab Herbst 1945 auf das Ziel der Vereinigung von KPD und SPD in einer Sozialistischen Einheitspartei um. Dieses Ziel konnte mit indirektem Druck und offenem Zwang im April 1946 lediglich in der Sowjetischen Besatzungszone erreicht werden; in den drei Westzonen bewahrte die Sozialdemokratie aufgrund des entschiedenen antikommunistischen Kurses von K. Schumacher ihre Selbständigkeit. Seit dieser Spaltung des deutschen Parteiensystems unter dem Einfluss des Kalten Krieges, von der als erste die SPD betroffen war, nahmen die kommunistischen Parteien in Ost- und Westdeutschland eine ganz entgegengesetzte Entwicklung. Während die KPD in der BRD längst vor ihrem Verbot durch das Bundesverfassungsgericht im Jahr 1956 zu einer marginalen politischen Kraft absank und auch nach der Wiedergründung als Deutsche Kommunistische Partei (DKP) im Jahr 1968 eine Splitterpartei blieb, wurde die SED zur kommunistischen Staatspartei der DDR.


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.

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18. März 2010
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