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Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik

PDS - SED


Wilhelm Bleek
Inhalt

1. Tradition kommunistischer Parteien

2. Die SED als Staatspartei der DDR

3. Der Untergang der SED im Herbst 1989 und die Transformation zur PDS

4. Die PDS als regionale Protestpartei in den neuen Bundesländern

5. Gesamtdeutsche Perspektiven der PDS

Literatur

3. Der Untergang der SED im Herbst 1989 und die Transformation zur PDS
Seit Beginn der 80er Jahre kam es zu einer zunehmenden Isolierung der Parteielite der SED gegenüber den Erwartungen in der ostdeutschen Bevölkerung, den Reformtendenzen in den übrigen kommunistischen Staaten Osteuropas und insbesondere in der Sowjetunion unter M. Gorbatschow sowie den allgemeinen industriegesellschaftlichen Entwicklungen. Die altersstarre Führung der SED schottete sich im wachsenden Maße nicht nur von der Mehrheit der Bürger, sondern auch von der breiten Parteimitgliedschaft ab, die das Herrschaftssystem nur noch mit Passivität und Unmut hinnahm. Als im Sommer und Herbst 1989 die Grenzen (Staatsgebiet /Grenzen) in Mitteleuropa und schließlich auch in Berlin und D. geöffnet wurden und Gorbatschow anlässlich der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR auf Reformen drängte, brach die Herrschaft der SED in der DDR und mit ihr die Einheitspartei selbst wie ein Kartenhaus zusammen. Am 18.10. 1989 traten Honecker und seine engsten Führungsgenossen zurück. Doch auch sein Nachfolger E. Krenz konnte den Fall der Einheitspartei nicht aufhalten, da er keine glaubwürdige Alternative zu dem bisherigen System verkörperte.

Im Dezember 1989 wählte die SED eine neue, weitgehend unbelastete Führung unter G. Gysi und erwog auf Initiative mancher Parteiintellektueller einen radikalen Bruch mit ihrer Vergangenheit. Doch die Mehrheit der Partei konnte sich nicht zu einer Selbstauflösung und einem eindeutigen Neuanfang durchringen, sondern entschied sich für einen dilatorischen Kompromiss von Besitzstandswahrung und programmatischer Reform, der sich selbst im Namen SED-PDS niederschlug. Erst im Vorfeld der ersten freien Wahl in der DDR gab die Einheitspartei im Februar 1990 die belastende Bezeichnung SED auf und firmiert seitdem lediglich als PDS. Das Image einer Nachfolgepartei der SED stellt bis heute das größte Problem der PDS dar.


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.

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10. Februar 2012
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