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Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik
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Bevölkerung |

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1. Die Bevölkerungsverschiebungen des 20. Jahrhunderts |
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Seit dem Ersten und insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg haben in D gravierende Bevölkerungsverschiebungen stattgefunden. 1918 wurden 200.000 Deutsche aus Elsass-Lothringen ausgewiesen, 1919-22 wanderten fast eine Million Deutsche aus Westpreußen, Posen und Ostoberschlesien ab, andererseits zogen Polen in ihr neugeschaffenes Land und nach Frankreich und Belgien. 1933-45 vertrieben oder ermordeten die Nationalsozialisten eine halbe Million deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft, ebenso politische Gegner, Roma und Sinti. 1940 begann im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts die Umsiedlung Volksdeutscher aus dem Baltikum, andere Gruppen folgten. Mit den zurückweichenden Fronten flüchteten Volksdeutsche gegen Ende des Krieges, 1945 floh etwa die Hälfte der 9,5 Mio. Bewohner Ostpreußens, Schlesiens, Pommerns und Ostbrandenburgs. 3,5 Mio. wurden nach den Beschlüssen des Potsdamer Abkommens 1945-48 ausgesiedelt. Hinzu kamen die Deutschen aus der Tschechoslowakei, Rumänien, Ungarn und Polen. Bei den Flucht- und Vertreibungsbewegungen wird mit etwa zwei Millionen Toten gerechnet, abgesehen von den Kriegstoten.
Schon in den ersten Nachkriegsjahren floh eine Mio. Menschen aus der Sowjetzone in die Westzonen, drei Millionen weitere Flüchtlinge aus der ??DDR folgten von 1949 bis zum Mauerbau 1961. Viele flüchteten direkt nach dem Schulabschluss, um dem Wehrdienst zu entgehen. Auch Ärzte, Ingenieure und andere gut ausgebildete Gruppen gingen in den Westen. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 bestand in der Bundesrepublik ein gefestigter politischer Konsens über die Legitimität von Flucht und Ausreise aus der DDR und anderen kommunistischen Staaten. Mit hohen Summen wurden Freikäufe erreicht (Häftlinge aus der DDR, ungesicherter Milliardenkredit an Polen, Kopfgelder und Bestechungen in Rumänien). Um den Arbeitskräftebedarf der Wirtschaft zu sichern, wurden zudem seit 1955 und verstärkt 1961-1973 ausländische Arbeitskräfte angeworben.
Als 1989 der Ostblock zusammenbrach, wurden die Übersiedler aus der DDR und die Aussiedler aus Osteuropa zunächst euphorisch begrüßt. Sie stellten den Hauptteil der sechs Mio. Menschen, die seit 1988 ins westliche D kamen. Nach einiger Zeit setzten allerdings kritische Reaktionen ein, die schrittweise zu neuen Barrieren gegen alle Arten von Zuwanderung geführt haben. Zwar konzentrierten sich die Aggressionen und die politische Ablehnung auf Asylbewerber, aber auch die Zuzugsmöglichkeiten Volksdeutscher aus Osteuropa wurden schrittweise eingeschränkt.
Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.
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19. März 2010
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